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Tat weiterhin ungeklärt - Gemälde aus "Gothaer Kunstraub" zurück

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Es war einer der spektakulärsten Diebstähle der DDR-Geschichte. Die Umstände der Rückkehr der verschwundenen Gemälde sind äußerst ungewöhnlich. Doch nun sind sie wieder da.

Die fünf Gemälde aus dem spektakulären "Gothaer Kunstraub" von 1979 kehren zurück in die Sammlung der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Mehr als 40 Jahre nach dem Diebstahl wurden die fünf Kunstwerke erstmals in Berlin präsentiert, wo sie zuvor auf ihre Echtheit hin überprüft worden waren.

Fünf wertvolle Gemälde

Stiftungsdirektor Tobias Pfeifer-Helke sprach von dem vielleicht wichtigsten Ereignis für die Stadt Gotha seit der Wiedervereinigung. Die fünf hochkarätigen Werke aus dem 15. bis 17. Jahrhundert werden ab Montag für eine Woche in der thüringischen Stadt zu sehen sein. Danach sollen sie restauriert werden.

Das Gemälde «Landstraße mit Bauernwagen und Kühen».
Das Gemälde «Landstraße mit Bauernwagen und Kühen».
Quelle: ---/Stiftung Schloss Friedenstein Gotha/dpa

Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD), der seit Juli 2018 die Geheimverhandlungen zur Rückgabe der gestohlenen Werke geführt hatte, versicherte, dass kein Geld an die vormaligen Besitzer geflossen sei. Allerdings dauern die strafrechtlichen Ermittlungen ungeachtet der Rückgabe der Bilder an. Der "Gothaer Kunstraub" vom Dezember 1979 ist bis heute nicht aufgeklärt. Der Fall führte zu einer der größten Ermittlungen in der DDR-Kriminalgeschichte.

Der Kunstraub habe zu einer tiefsitzenden Verletzung der Stadt, einem "Trauma", geführt, betonte Kreuch. Der Versicherungswert der wieder aufgetauchten Gemälde liegt den Angaben zufolge bei rund vier Millionen Euro. Als Diebesgut galten sie auf dem Kunstmarkt als unverkäuflich. Sie wurden in internationalen Verlustkatalogen und Fahndungslisten geführt. Ihr ideeller Wert sei hingegen unschätzbar, hieß es.

Echtheit eindeutig festgestellt

Die Werke stammen aus einer der größten und ältesten Kunstsammlungen Deutschlands. Die zwischenzeitlichen Besitzer der Gemälde hatten sich im Sommer 2018 mit einem Verkaufsangebot und einem Bericht über die Bilder an Kreuch gewandt. Dabei sei unter anderem in höherer Millionenbetrag gefordert worden, teilte die Stiftung mit. "Die Geschichte war nicht glaubhaft, aber die andere Seite saß am längeren Hebel", schildert der Oberbürgermeister die Ausgangslage. Der Anwalt handelte für eine Erbengemeinschaft. Über Verhandlungen und Ergebnisse gibt es nur spärliche Informationen.

Selbstbildnis mit Sonnenblume nach Anthonis van Dyck
Selbstbildnis mit Sonnenblume nach Anthonis van Dyck
Quelle: dpa

Zunächst sollte nur ein Bild rausgerückt werden, um die Wissenschaftler arbeiten zu lassen. Kreuch wollte auf jeden Fall gleich alle. Auch auf Geldforderungen wurde nicht reagiert. Ein Poker mit Erfolg: "Die Übergabe ohne Gegenleistung war der große Coup", sagt Kreuch. Im Lauf der Verhandlungen sei eine schriftliche Vereinbarung mit den Anbietern geschlossen worden. Darin wurde das Eigentum der Stiftung Schloss Friedenstein an den Bildern anerkannt.

Der Anwalt handelte für eine Erbengemeinschaft. Über Verhandlungen und Ergebnisse gibt es nur spärliche Informationen. Zunächst sollte nur ein Bild rausgerückt werden, um die Wissenschaftler arbeiten zu lassen. Kreuch wollte auf jeden Fall gleich alle. Auch auf Geldforderungen wurde laut Hoernes mit "Sturheit und Coolness" reagiert. Ein Poker mit Erfolg: "Die Übergabe ohne Gegenleistung war der große Coup", sagt Kreuch.

Heilige Katharina von Hans Holbein
Heilige Katharina von Hans Holbein
Quelle: dpa

Die Stiftung betonte, dass sie an einer strafrechtlichen Verfolgung der zwischenzeitlichen Besitzer nicht interessiert sei. Auf welchem Weg die Kunstwerke in den 80er Jahren in die Bundesrepublik gebracht wurden, ist bislang unklar. Die Bilder befänden sich zwar in einem relativ guten Zustand, müssten aber dennoch restauriert werden. Ihre Echtheit sei durch Röntgenaufnahmen und Expertengutachten eindeutig festgestellt worden, sagte der Direktor des Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin, Stefan Simon, bei der Präsentation.

Unterstützt wurde Kreuch bei den Verhandlungen von der Ernst von Siemens Kunststiftung. Die Ausgaben für Rechtsberatung und Gutachten gab Martin Hoernes, Generalsekretär der Stiftung, mit bis zu 50.000 Euro an. Bei den Werken handelt es sich um Gemälde von Hans Holbein dem Älteren (1465-1524), von Franz Hals (1580-1666) sowie von einem unbekannten Künstler nach Anthonis van Dyck (1599-1641) und von dem Rembrandt-Schüler Ferdinand Bol (1616-1680). Ein Bild stammt aus der Werkstatt Jan Brueghel des Älteren (1568-1625).

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