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Interview

Gender-Sprache - "Es hapert ja schon am Gendersternchen"

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Als "Person dritten Geschlechts" kämpft Heinrich Horwitz für die Gleichberechtigung von nichtbinären Menschen. Ein Gespräch über Sprache und Gleichberechtigung.

Heinrich Horwitz
Heinrich Horwitz
Quelle: Melina Mörsdorf

Heinrich Horwitz bezeichnet sich selbst als "geoutete, lesbische, nichtbinäre Person". Horwitz wurde 1984 als Tochter des Schauspielers Dominique Horwitz in München geboren und arbeitet als "Schauspieler:in und Regisseur:in". 2019 änderte Horwitz den Vornamen und heißt nun Heinrich. Horwitz setzt sich für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit von queeren Menschen ein.

ZDFheute: Wie spreche ich Sie an? Herr Horwitz oder Frau Horwitz?

Heinrich Horwitz: Am liebsten mit nichts von beidem, da ich als nicht-binäre Person nicht Teil von dem binärem Geschlechtersystem bin. Das heißt, am besten einfach Heinrich Horwitz.

ZDFheute: Bei "Meine Damen und Herren" fühlen Sie sich nicht angesprochen?

Horwitz: Nein. Da fühle ich mich nicht nur nicht angesprochen, sondern es gibt seit 2018 ein neues Personenstandsgesetz, das die nicht-binären und diversen Menschen einbezieht. Das heißt, es ist inzwischen gesetzlich geregelt, dass nicht-binäre Personen ihren Personenstand in "keine Angabe" oder "divers" ändern können. Und dementsprechend ist das nicht nur ein Gefühl meinerseits, sondern in "Damen und Herren" ist die dritte Option nicht eingeschlossen.

Als "Person dritten Geschlechts" kämpft Heinrich Horwitz für die Gleichberechtigung von nichtbinären Menschen. Ein Gespräch über Sprache und Gleichberechtigung.

Beitragslänge:
2 min
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ZDFheute: Können Sie verstehen, dass das manche nicht verstehen?

Horwitz: Ja, das kann ich. Wir sind ja alle in einem patriarchalen und heteronormativen System aufgewachsen. Auch ich hatte eine Mutter und einen Vater und bin in diesem Kleinfamiliensystem aufgewachsen, das ja massiv ist und überall sichtbar.

Ich gehöre zu einer marginalisierten Gruppe und muss mich für Rechte und Sichtbarkeit einsetzen, aber ich verstehe natürlich, dass es Ängste gibt, wenn sich plötzlich Sachen verändern.

ZDFheute: Inwieweit ist das eine Eliten-Diskussion?

Horwitz: Die Elite ist die Elite, weil sie an der Macht ist und weil sie behauptet, sie sei die Mehrheit. Aber sie ist nur deshalb die Mehrheit, weil sie ein Ausschlussprinzip geschaffen hat. Wenn sich marginalisierte Gruppen, wie LGBTQI+ oder PoC-Personen oder disabled Personen, wenn wir uns alle zusammentun, sind wir gar nicht so wenige.

ZDFheute: Aber um LGBTQI+ zu verstehen, muss man mindestens Englisch können.

Horwitz: Ja, das stimmt. Ich glaube, das hat was damit zu tun, dass man im englischsprachigen Raum schon weiter ist und dass die deutsche Sprache sehr schwer veränderbar ist, wie man gerade merkt. Es hapert ja schon am Gendersternchen.

ZDFheute: Aber was machen denn Menschen, die kein Englisch können und nicht wissen, was LGBTQI+ bedeutet?

Horwitz: Aber wir leben doch in einem Zeitalter, in dem es das Internet gibt. Das ist ein Medium, auf das man zurückgreifen kann. Und dann glaube ich, dass alle Menschen, die in der LGBTQI+-Szene sind, durchaus gewillt sind, das auch mehrfach zu erklären und zu übersetzen.

ZDFheute: Was ist Ihr Ziel?

Horwitz: Mein Ziel ist, dass wir Veränderung als großes Geschenk anschauen und Inklusion und Diversität als Reichtum wahrnehmen und nicht als eine Bedrohung.

Das Interview führte Andreas Kynast.

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