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Gericht weist Klage von Angehörigen ab

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Germanwings-Absturz - Gericht weist Klage von Angehörigen ab

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Vor über fünf Jahren brachte der Co-Pilot Germanwings-Flug 4U9525 zum Absturz, 150 Menschen starben. Eine Klage von Angehörigen auf mehr Schmerzensgeld wurde jetzt abgewiesen.

Germanwings Bildergalerie 4
Trümmer der abgestürzten Germanwings-Maschine (Archiv)
Quelle: reuters

Für die französische Untersuchungsbehörde BEA war der Grund für den Absturz von Germanwings-Flug 4U9525 am 24. März 2015 über den französischen Alpen relativ schnell klar: Der Co-Pilot Andreas L. hatte entschieden, Selbstmord zu begehen und steuerte die Maschine bewusst gegen einen Berg, während er allein im Cockpit war. Das stellte die BEA jedenfalls im März 2016 fest.

Der damals 27-Jährige sei verantwortlich dafür, dass er und 149 weitere Menschen sterben mussten.

Kläger sahen Mitschuld bei Lufthansa

Doch so einfach wollten das Hinterbliebene der Opfer nicht hinnehmen. Sie klagten vor dem Essener Landgericht und sahen eine Mitschuld bei der Lufthansa als Mutterkonzern von Germanwings.

Sie forderten deshalb mehr Schmerzensgeld als die Fluggesellschaft bereits gezahlt hat. Jeder nahe Angehörige hatte nach dem Unglück 10.000 Euro bekommen, dazu 25.000 Euro vererbbares Schmerzensgeld pro Todesopfer.

Die Angehörigen im Essener Prozess forderten aber 30.000 Euro bzw. 50.000 Euro. Es ging ihnen nach eigener Aussage aber auch um Aufklärung und darum, dass Verantwortliche benannt werden.

Gericht: Medizinische Überwachung ist Aufgabe des Staates

Das Essener Landgericht hat die Klage jetzt abgewiesen, die Kläger tragen die Kosten. Das Gericht ist der Ansicht, die medizinische Überwachung von Flugschülern sei keine Aufgabe der Lufthansa, sondern des Staates.

Konkret richtete sich die Klage gegen die Lufthansa AG und die Lufthansa Aviation Training USA Inc., eine Flugschule in den USA, wo Andreas L. ausgebildet wurde, obwohl er an einer Psychose litt. Die Flugschule habe es durch ihre Beurteilung erst möglich gemacht, dass Andreas L. eine Tauglichkeitsbescheinigung bekam und Passagierflugzeuge fliegen durfte, so das Argument der Kläger.

Die zentrale Frage: Wussten die Lufthansa und Germanwings oder die Flugschule von der Krankheit des Ersten Offiziers oder hätten sie es wissen müssen und haben dennoch fahrlässiger Weise  nichts unternommen? Das käme einer Verletzung der Aufsichtspflicht gleich.

Sowohl Lufthansa und Germanwings als auch die Flugschule beteuerten immer, sie hätten von der Krankheit des Co-Piloten nichts gewusst, man habe laut eigener Aussage erst nach dem Absturz von der psychischen Erkrankung des Co-Piloten erfahren.

Am 24. März 2015 ist die Germanwings-Maschine in den französischen Alpen abgestürzt. Wie haben sich seitdem die Sicherheitsbedingungen verändert?

Beitragslänge:
1 min
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Germanwings-Anwalt Rainer Büsken sagte während der mündlichen Verhandlung Anfang Mai:

Der Inhalt medizinischer Probleme ist dem Unternehmen nicht bekannt, alleine schon wegen der Schweigepflicht der Ärzte.
Rainer Büsken, Anwalt Germanwings

Kläger-Anwalt: "Das Urteil ist falsch"

Jetzt also herrscht vorerst Klarheit: Die Flugschule und Lufthansa sind die falschen Adressaten der Klage, und die Kläger müssen sich an den Staat wenden. "Das Urteil ist falsch", so Kläger-Anwalt Elmar Giemulla in einer ersten Reaktion gegenüber ZDFheute:

Es sieht danach aus, dass wir Berufung einlegen werden. Denn es geht hier nicht nur um Privatinteressen, sondern ebenso um ein öffentliches Interesse.
Elmar Giemulla, Kläger-Anwalt

Man müsse aber noch die ausführliche, schriftliche Begründung des Gerichts abwarten. Damit ist wohl erst in einigen Wochen zu rechnen.

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