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Feldhamster vom Aussterben bedroht

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Gesamtes Verbreitungsgebiet - Feldhamster vom Aussterben bedroht

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Einst als Plage verschrien sind Feldhamster nun offiziell vom Aussterben bedroht. Schätzungen zufolge ist die Population in Deutschland seit den 50ern um 99 Prozent zurückgegangen.

Noch in den 50er Jahren galt er als Plage, nun ist er vom Aussterben bedroht: der Feldhamster. Die Weltnaturschutz-Organisation IUCN rechnet damit noch in den nächsten 30 Jahren.

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Der in Deutschland sehr rar gewordene Feldhamster ist jetzt offiziell in seinem gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht. Das geht aus der neuen Roten Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten der Weltnaturschutzunion (IUCN) hervor. Auch Lemurenarten und ein Glattwal im Atlantik sind neu vom Aussterben bedroht, wie die IUCN am Donnerstag in Gland bei Genf berichtete.

In der Europäischen Union wird der Feldhamster (Cricetus cricetus) schon streng geschützt, aber bei der IUCN galt er bislang mangels Erhebungen gar nicht als gefährdet. Naturschützer hatten gedacht, es gebe noch jede Menge der putzig aussehenden Nager in Osteuropa und Russland. Das war ein Trugschluss.

Wenn sich nichts ändert, wird der Feldhamster in den nächsten 30 Jahren aussterben.
Warnung der IUCN

"Wie sich herausgestellt hat, reicht die Katastrophe bis nach Sibirien", sagt Feldhamster-Expertin Stefanie Monecke vom Institut für Medizinische Psychologie an der Universität München der Deutschen Presse-Agentur.

Von einer Plage zur bedrohten Tierart

Zwischen dem Elsass und dem Fluss Jenissei in Sibirien waren die Feldhamster einst millionenfach zu Hause. Für Bauern waren die "Architekten unter dem Acker" eine Pest, weil sie Felder untertunnelten und Ernten auffraßen. Für jeden erlegten Hamster wurden Prämien gezahlt, um der Plage Herr zu werden. Allein im Landkreis Halle wurden in den 50er Jahren im Jahr Zehntausende tote Tiere abgeliefert, sagt Monecke.

Es gibt Schätzungen, dass die Population seit den 50er Jahren um 99 Prozent zurückgegangen ist und es nur noch 10.000 Exemplare in ganz Deutschland gibt.
Stefanie Monecke

Vermutet wird, dass den Tieren die riesigen Monokulturen auf den Feldern nicht gut tun. Auch wird anders als früher schneller geerntet und den Hamstern damit innerhalb von Stunden ihr Lebensraum genommen. Zwar seien viele deutsche Bauern längst hamsterfreundlich geworden, sagt Monecke. Seit 20 Jahren würden Streifen mit Wildpflanzen zwischen Feldern gelassen oder es werde später geerntet. Das habe den Rückgang zwar verlangsamt, konnte ihn aber bislang nicht stoppen.

Die Universität Oldenburg hat eine insektenfreundliche Saatgutmischung für Kuhweiden entwickelt. Statt Monokulturen Blühpflanzen, die die Insekten leben lassen, und dem Landwirt nutzen.

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Die Spezialistin hat festgestellt, dass die Feldhamster seit den 50er Jahren immer weniger Junge bekommen. Es gibt weniger Würfe im Jahr mit weniger Jungtieren. 1954 seien es im Schnitt noch neun Jungtiere pro Wurf gewesen, 2015 noch 3,4. Auch Lichtverschmutzung könnte eine Ursache sein, glaubt Monecke.

Warum braucht die Welt Feldhamster?

"Sie sind in eine riesige Nahrungskette eingebunden", sagt Monecke. Raubvögel, die keine Hamster mehr finden, müssten kleinere Nager jagen, dafür öfter rausfliegen, was auch ihr Leben dann durcheinanderbringe. Mit der neuen IUCN-Einstufung hofft Monecke auf neue Forschungsgelder, um den Ursachen für ihr Verschwinden und vor allem dem rätselhaften Rückgang der Reproduktionsrate systematisch auf den Grund gehen zu können.

Der Europäische Gerichtshof hat das Recht von Feldhamstern auf ihren Lebensraum Anfang Juli erst gestärkt. Ihre Bauten dürften auch dann nicht zerstört werden, wenn die Tiere diese zwar gerade nicht nutzen, aber womöglich dorthin zurückkehren.

Insgesamt sind in der seit 1964 geführten Roten Liste inzwischen gut 120.000 Tier- und Pflanzenarten (vorher: gut 116.000) erfasst. Die Liste wird jedes Jahr mindestens einmal aktualisiert. Vom Aussterben bedroht sind heute mehr als 32.000 Arten. Das sind Arten, die nach Meinung der IUCN ohne Schutzmaßnahmen nicht überleben werden.

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