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Da war mehr als Heim, Herd und Kinderkriegen

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Frauen in der Steinzeit - Da war mehr als Heim, Herd und Kinderkriegen

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Männer die Jäger, Frauen nur die Höhlen-Mütterchen? So hat die Forschung lange gedacht über die Rollenbilder in der Steinzeit. Doch die Gleichberechtigung war wohl weit entwickelt.

Steinzeitliche Künstlerinnen, reiche Fürstinnen aus der Bronzezeit und Äxte schwingende Wikingerinnen gab es tatsächlich. Das zeigen immer mehr Funde.

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43 min
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Männer herrschen, kämpfen und jagen. Frauen sorgen vor allem für den Nachwuchs. Diese Rollenaufteilung zwischen den Geschlechtern sahen frühe Archäologen als "naturgegeben" an und interpretierten dementsprechend Fundstücke aus allen Zeiten.

Falsch, sagen viele Forscher und Forscherinnen heute. Auf diese Weise projizierte man lediglich den Status quo im 19. und 20. Jahrhundert auf die Vergangenheit.

Eine neue Generation von Forschenden deckt mit Hilfe modernster Analyseverfahren und einem frischen, ergebnisoffenen Blick archäologische Irrtümer auf. Die klassischen Rollenbilder von Mann und Frau stehen auf dem Prüfstand und beginnen zunehmend zu bröckeln.

Der "Wikingerfürst" war eine Frau

Ein Fall in Stockholm bewegt noch immer die Gemüter: In der Wikingerstadt Birka entdeckten Archäologen zur Jahrhundertwende ein Grab mit Schwertern, Kampfmessern, Pferden, Pfeil und Bogen. Lange Zeit zweifelte niemand an der Identität des Bestatteten. Er war ein Mann, ein Krieger, wahrscheinlich sogar ein wohlhabender Anführer - keine Frage.

Erst rund 100 Jahre später entdeckte ein Wissenschaftler-Team der Universität Stockholm den Fehler. Mittels DNA-Analyse wiesen sie zweifelsfrei nach, dass genau diese Annahme nicht stimmte: Das herrschaftliche Grab gehörte einer Frau. Der Wikingerfürst war eine Fürstin.

Nicht nur Männer haben in der Steinzeit die Kunst erfunden

Eine andere Fehldeutung bezieht sich auf die Erfindung der Kunst. Bisher ging die Forschung davon aus, dass die Kunst vom steinzeitlichen Mann erfunden wurde. Die meisten Höhlenmalereien werden bis heute als Jagddarstellungen oder Beschwörung von Beutetieren gedeutet.

In den Jägern sah man automatisch die Urheber der Höhlenmalereien. Denn wer hätte sonst so nahen Kontakt zu wildlebenden Tieren gehabt, um sie detailgenau abbilden zu können? Bis in die Gegenwart wurde diese Hypothese nicht angezweifelt, doch auch hier gehen Forscher neue Wege.

Handabdrücke könnten Signauren sein

An der Universität von Liverpool untersuchen der Archäologe Anthony Sinclair und der forensische Biologe Randolph Quinney Handabdrücke, die vor 35.000 Jahren bei den Höhlenmalereien im französischen Lascaux hinterlassen wurden. Die Wissenschaftler nehmen an, dass die Künstler der gleichzeitig entstandenen Tierbilder mit diesen Abdrücken ihre Signaturen hinterlassen haben.

Mehrere braune Handabdrücke auf einer hellen Höhlenwand.
In der Höhle von Chauvet haben steinzeitliche Künstler ihre Handabdrücke hinterlassen.
Quelle: ZDF/SYCPA - S. Gayet

Die Technik der geometrischen Morphologie ermöglicht es, die prähistorischen Handabdrücke zu vermessen, um sie mit denen moderner Männer und Frauen zu vergleichen. Dabei ist nicht die Größe der Hände von Bedeutung, sondern geschlechtsspezifische Merkmale. Die Überraschung war groß, als die Forscher nachweisen konnten, dass der überwiegende Teil der gefundenen Abdrücke von Frauen stammte.

Mit der Gleichberechtigung war zu Beginn des Ackerbaus wohl Schluss

In den frühen Jäger-Sammler-Gesellschaften scheint die Frau entgegen früherer Annahmen ohnehin eher eine gleichberechtigte Rolle gespielt zu haben. Erst zur Zeit des Ackerbaus kam es in vielen Gesellschaften zu einer Abwertung. Frauen wurden sozial abgewertet, waren schlechter ernährt und wurden sogar von proteinreicher Nahrung wie Fleisch ausgeschlossen.

Das Überleben in der Altsteinzeit war abhängig vom gleichwertigen Zusammenspiel der Geschlechter. Warum veränderte sich dieses?

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Mit Hilfe der Isotopenanalyse lässt sich aus Funden Lebensstil, Essgewohnheiten und sozialer Status der Menschen verschiedener Zeiten an diesem Ort rekonstruieren. Das Resultat war erstaunlich: Vor der Agrarrevolution, also dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht, gab es keinen sozialen Unterschied zwischen Mann und Frau.

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