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Urteil zur "Gleisattacke" - Täter muss in die Psychiatrie

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Im Juli 2019 stieß ein Mann eine Frau und ihren Sohn vor einen Zug in Frankfurt. Der 41-Jährige muss nun dauerhaft in die Psychiatrie, urteilte das Frankfurter Landgericht.

Bundesweit sorgte die Tat für Entsetzen: Ein Mann stößt eine Mutter und ihren Sohn am Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden Zug, der Sohn stirbt. Aufgrund psychologischer Auffälligkeiten wurde der Mann vorläufig in die Psychiatrie eingeliefert. Ob er dort dauerhaft untergebracht wird oder doch ins Gefängnis kommen soll, wurde seit letzter Woche vor dem Landgericht Frankfurt geklärt. Heute fiel das Urteil: Der Täter wird in eine Psychiatrie eingewiesen.

Das Landgericht kam am Freitag zwar erwartungsgemäß zu der Auffassung, dass der 41-Jährige schuldunfähig sei. Trotzdem gehe eine große Gefahr von ihm aus. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Mann den achtjährigen Jungen und dessen Mutter absichtlich vor den einfahrenden Zug gestoßen hatte. "Wir sind zur Auffassung gekommen, es war Mord und versuchter Mord", sagte der Vorsitzende Richter.

Mutmaßlicher Täter bereits zuvor in psychiatrischer Behandlung

Nach Polizeiangaben war der in der Schweiz lebende und aus Eritrea stammende Mann bereits im Februar 2019 in psychiatrischer Behandlung: Er soll Stimmen gehört und sich bedroht gefühlt haben. Um den Stimmen zu entkommen, sei er wenige Tage vor der mutmaßlichen Tat nach Frankfurt gefahren, erzählte der Mann Psychiatern.

Im Prozess richtete sich der wegen Totschlags, versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen Beschuldigte an die Familie des Opfers:

Es tut mir unendlich leid, insbesondere für die Familie des durch meine Tat zu Tode gekommenen achtjährigen Jungen.
Beschuldigter im "Gleisattacke"-Prozess

Seine Entschuldigung nahm die Familie des Opfers nicht an, wie deren Anwalt erklärte:

Es gibt keine Entschuldigung für das, was getan wurde.
Ulrich Warncke, Anwalt der Opferfamilie

Gleichzeitig forderte die Opferfamilie eine Diskussion über den Umgang mit psychisch Kranken. Sie müssten behandelt werden, bevor sie schwere Straftaten begingen. Zudem müssten Bahnsteige in Deutschland besser gesichert und überwacht werden. Eine gezieltere Videoüberwachung am Bahnsteig hätte den Tod des Achtjährigen verhindern können, so der Anwalt der Familie.

Eine heute 79-Jährige, die der Mann ebenfalls gestoßen hatte, verletzte sich beim Sturz auf den Bahnsteig. Sowohl die Seniorin als auch die Familie des toten Junge traten bei dem Prozess als Nebenkläger auf.

Diskussion über sicherere Bahnhöfe

Nach dem Vorfall hatten die Bundesregierung, Bahn und Bundespolizei zwar eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die klären soll, wie man Bahnsteige sicherer gestalten kann, ein Ergebnis steht aber noch aus. Zur Debatte stehen unter anderem Zugangsbeschränkungen an den Bahnsteigen, Gitter vor den Gleisen oder Markierungen an den Bahnsteigkanten. In Frankfurt wurden als Konsequenz am Bahnhof mehrere Überwachungskameras installiert und das Polizeiaufgebot verstärkt, so die Polizei.

Im Sommer 2019 hatte die Attacke für eine Welle an Mitgefühl und Empathie gesorgt. Menschen legten nach der Tat in Gedenken an den getöteten Jungen Blumen, Briefe und Kuscheltiere am Kopfende des Gleises nieder; mehr als 100.000 Euro an Spenden wurden für die Familie gesammelt. Gleichzeitig sorgte aber auch das Handeln verschiedener Medien für öffentliche Diskussion: Dass die Nationalität des Tatverdächtigen im Zuge der Berichterstattung genannt wurde, wurde von vielen Seiten kritisiert.

Ein Justizbeamter (l.) führt einen 41-jährigen Angeklagten zum Prozessauftakt in den Gerichtssaal des Frankfurter Landgerichts am 19.08.2020

Prozess um tödliche Gleisattacke - Beschuldigter: "Es tut mir unendlich leid" 

Die Tat sorgte für Entsetzen: Ein Junge wurde 2019 am Frankfurter Bahnhof vor einen ICE geschubst, er starb. Heute begann der Prozess - und der Beschuldigte meldete sich zu Wort.

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