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Globaler Report Nahrungskrisen : 155 Millionen Menschen in Not

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Mehr Konflikte, mehr Hunger auf der Welt: Der globale Report zu Nahrungskrisen zeichnet ein katastrophales Bild. Die Folgen der Corona-Pandemie für die Ärmsten sind verheerend.

Freiwillige des "Covid sem Fome" (Covid ohne Hunger) verteilen Lebensmittel an arme Menschen in Rio de Janeiro (Brasilien), aufgenommen am 22.04.2021
Freiwillige verteilen Essen an Bedürftige in Brasilien. Vielen Hilfsprojekten fehle es an Geld, so die Vereinten Nationen.
Quelle: epa

Ausreichend Trinkwasser, Brot, Reis, Milch, Obst und Gemüse - für Millionen Menschen auf der Welt ist das nicht selbstverständlich, im Gegenteil: Laut dem globalen Netzwerk gegen Nahrungskrisen, dem unter anderem das Welternährungsprogramm und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN angehören, litten 2020 insgesamt 155 Millionen Menschen unter akuter Nahrungsunsicherheit und Hunger – das sind 20 Millionen mehr als im Vorjahr.

Auch die Prognosen für 2021 sind düster, berichtet das Netzwerk in seinem aktuellen "globalen Report zu Nahrungskrisen", der am heutigen Mittwoch veröffentlicht wurde.

100 Millionen Menschen in Afrika mangelernährt

Besonders gefährdet seien Menschen in zahlreichen afrikanischen Staaten, im Nahen Osten, Teilen Asiens sowie in Mittelamerika. Die Hungersnöte haben vieles gemein:

Konflikte sind der Hauptgrund für Nahrungskrisen, verbunden mit Klimaveränderungen und wirtschaftlichen Schocks, die durch die Covid-19-Pandemie verschlimmert werden.
António Guterres, UN-Generalsekretär

Bewaffnete Konflikte reißen die Gesellschaft in vielen Ländern in den Abgrund. Während der Corona-Pandemie mit zahlreichen Lockdowns haben zudem Märkte und Handelsbeziehungen schweren Schaden genommen. Fatal vor allem für landwirtschaftlich geprägte Staaten: Bauern konnten ihre Waren nicht verkaufen. Ihnen fehlen nun die Einnahmen etwa zum Kauf von Saatgut. Ohne Hilfe würden die Felder brachliegen - mit fatalen Folgen.

Hilfswerk: 34 Millionen Menschen könnte Hungertod drohen

UN-Generalsekretär António Guterres spricht von einem Teufelskreis, der durchbrochen werden müsse. Gleichzeitig berichten die Vereinten Nationen und viele Hilfsorganisationen von Problemen, Projekte finanziert zu bekommen.

Indes wächst die Not. So befürchtet das Hilfswerk Care International, dass in diesem Jahr 34 Millionen Menschen "kurz vor dem Verhungern stehen könnten". Allein in der Demokratischen Republik Kongo sind UN-Angaben zufolge 16 Millionen Menschen mangelernährt, fast sechs Millionen Menschen leiden sogar unter einer Hungersnot.

NGO-Landesdirektorin berichtet von "desaströser" Lage

Was diese Not für die Kongolesen im Extremfall konkret bedeutet, berichtet Care-Landesdirektorin Aline Ouedraogo im ZDFheute-Gespräch:

Die Lage ist desaströs. Die Ärmsten betteln um Essen, Frauen prostituieren sich für Lebensmittel, Mädchen werden verheiratet, um Familien zu ernähren. Viele Kongolesen haben ihre Hoffnung und Würde verloren.
Aline Ouedraogo, Care-Landesdirektorin, Kongo

Auch abgesehen von den Extremfällen bedeute die Nahrungskrise für Millionen Kongolesen täglichen Kampf und wachsende Verzweiflung: "Die Nahrungsmittelpreise steigen stark, viele Menschen verschulden sich, um sich und ihre Familien durchzubringen", berichtet Ouedraogo.

Weltweit Millionen Kinder akut von Hunger bedroht

Etwa eine Million Kinder seien in der Demokratischen Republik Kongo akut mangelernährt. Weltweit sind nach Angaben des Reports zu Nahrungskrisen etwa 16 Millionen Kinder unter fünf Jahren akutem Hunger ausgesetzt und 75 Millionen Kinder in ihrer Entwicklung durch Mangelernährung beeinträchtigt. UN-Generalsekretär Guterres spricht mit Blick auf solche Zahlen von einer "grauenvollen" und "trostlosen" Lage.

Gleichzeitig fordert er die verantwortlichen Regierungen und die internationale Gemeinschaft zum vereinten Kampf gegen Hunger auf. Dies sei die Basis für Stabilität und Frieden.

Es gibt keinen Platz für Hungersnot und Verhungern im 21. Jahrhundert.
António Guterres, UN-Generalsekretär
Ein Kind in der zerstörten Stadt Damaskus

Konfliktbarometer 2020 - Kriege, Krisen, Corona 

Erstmals seit sechs Jahren gibt es wieder mehr Kriege. Das zeigt das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung auf. Auch Deutschland wird in dem Bericht genannt.

von J. Sagmeister und M.Waldow
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