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Suche nach dem Glück - "Muss es immer das Größte und Tollste sein?"

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Er hat ein eigenes Schulfach initiiert und ein Buch über Glück geschrieben: Björn Lengwenus möchte nicht nur Kindern und Jugendlichen dabei helfen, ein zufriedenes Leben zu führen.

Ein kleines Mädchen springt in eine Pfütze auf einem Spielplatz in Mecklenburg-Vorpommern am 01.05.2020, Archivbild
Björn Lengwenus findet, auch Erwachsene sollten öfter den Sprung in eine Pfütze wagen (Archivbild)
Quelle: dpa/Jens Buettner

ZDFheute: Glücklichsein, das möchte jeder. Sie schreiben in Ihrem Buch, dass man Glück lernen kann. Wie funktioniert das?

Björn Lengwenus: Dazu muss man sich zunächst darüber klar werden, dass Glück etwas sehr Individuelles ist. Es hat viel mit dem Gefühl dafür zu tun, was einem selbst guttut.

Ich bin überzeugt, dass es auch hilft, seinen eigenen Anspruch zu überprüfen, um glücklich zu sein. Muss es immer das Größte, Tollste und Sensationelle sein?

Es gibt so viele kleine Dinge, die einen glücklich und zufrieden machen können. Außerdem ist Glück kein Zufall. Man muss sich bewusst darauf einlassen und es auch wahrnehmen können.

ZDFheute: Welches ist Ihr persönliches Glücksrezept?

Lengwenus: Ich muss vorwegschicken: In meinem Leben sind mir wirklich große Schicksalsschläge bislang erspart geblieben.

Vor diesem Hintergrund versuche ich in Situationen, in denen man landläufig davon spricht, Pech zu haben, das Positive zu sehen. Das ist für mich der große Teil des Glücks.

Was zählt schon die nicht bestandene Führerscheinprüfung für das ganze Leben? Diesen Blick aufs Leben habe ich von meinen Eltern mitbekommen. Wir hatten immer wenig Geld, waren aber trotzdem glücklich.

Ich finde es zum Beispiel richtig schade, dass es uns so schwerfällt, nett zueinander zu sein. Auch wenn mir sehr bewusst ist, dass man als netter Mensch in unserer Gesellschaft häufig zu kurz kommt. Aber ich verrate doch deshalb nicht mein Lebenskonzept. Damit ist man der eigentliche Gewinner.

Kann man Glücklichsein trainieren? Ja, sagt Donya Gilan vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz.

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2 min
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ZDFheute: Vor zehn Jahren haben Sie das Fach "LebensART - die Kunst zu Leben" eingeführt. Haben die Kinder und Jugendlichen das Leben verlernt?

Lengwenus: Jeder hierzulande hat das etwas verlernt. Wir bringen heute in Schulen alle möglichen Unterrichtsinhalte bei. Wir arbeiten an Fakten und betreiben Wissenschaft. Wir bringen mehr Kinder zum Abitur als jemals zuvor. Dennoch gibt es in Deutschland mehr unglückliche Menschen als anderswo und dies ganz unabhängig von der Schulbildung. Deshalb habe ich das Fach eingeführt. "LebensART" ist eine Antwort darauf.

ZDFheute: Wie sieht diese Antwort in der Praxis aus?

Lengwenus: Eine Nacht unterm Sternenhimmel, der Sprung in eine Riesenpfütze, ein gemeinsames Mittagessen, Applaus, Bestätigung, Dankbarkeit: Wer das erlebt, kann Pläne entwickeln und sich freuen. Dies ins Rollen zu bringen, bewusst zu machen und zu einem Teil von schulischer Bildung werden zu lassen, ist mir ein Herzensbedürfnis.

ZDFheute: Sie sind nicht nur Lehrer, sondern auch ausgebildeter Spielpädagoge. Welche Funktion hat das Spiel bei der Suche nach dem Glück?

Lengwenus: Wir sollten uns als Gesellschaft eher fragen, warum wir das Spiel als Gegenstück zur Arbeit sehen. Spielen bedeutet, alle Freiräume und Freiheiten zu haben, Dinge auszuprobieren und damit Neues entstehen zu lassen. Für mich ist es eine Katastrophe, dass das Spiel ab der Schulzeit nur noch einen solch geringen Stellenwert hat im Leben eines Menschen.

Bis wir sechs Jahre alt sind, lernen wir alles spielerisch und dann heißt es plötzlich nur noch: 'Spielen kannst du in der Pause'.

In dieser Glücks-AG lernen Kinder, wie und wo man Glück spüren kann.

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1 min
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Es ist doch schrecklich, dass die Freude des Spiels im Erwachsenenalter so verpönt ist. Man darf nur auf den Spielplatz, wenn man Kinder hat. Warum trifft man sich nicht auch als Erwachsener mit seinen Freunden dort, schaukelt und baut Sandburgen? Ich bin überzeugt, dass das Menschen glücklich machen würde.

Der Wunsch, Dinge zu gestalten und etwas spielerisch auszuprobieren, ist fest in uns verankert. Uns geht als Gesellschaft zu viel verloren, weil wir zu verkopft sind.

Das Interview führte Michael Kniess.

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