Sie sind hier:

Geschlossene Spielhallen - Pandemie als Chance für Glücksspielsüchtige

Datum:

Wegen der Corona-Pandemie sind zur Zeit auch die Spielhallen in Deutschland geschlossen. Für Glücksspielsüchtige bringt das auch Chancen.

Geschlossene Spielhallen in der Corona-Pandemie. Archivbild
Geschlossen wegen Corona: Spielhallen
Quelle: Oliver Berg/dpa

Suchtberatungen sehen die Corona-bedingten wochenlangen Zwangsschließungen von Spielhallen in Deutschland mit Erleichterung. "Zum Teil hören wir: Hätten die Hallen doch bloß schon viel früher geschlossen. Ich fühle mich gerade so wohl", sagt Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des bundesweiten Fachverbands Glücksspielsucht. Das sei aber nicht bei allen Betroffenen der Fall.

Andere machen sich auf die Jagd und gucken, wo sie stattdessen spielen können - etwa im Online-Casino.
Ilona Füchtenschnieder, Fachverband Glücksspielsucht

Süchtige spielen in Corona-Zeiten online

Rund 70 Prozent der Glücksspielsüchtigen, die sich bei Suchtberatungsstellen melden, spielen Füchtenschnieder zufolge an Automaten. Niedrigschwellige Hilfsangebote wie Hotlines oder Online-Beratungen würden seit einiger Zeit verstärkt von Online-Casinospielern und Sportwettern aufgesucht.

"Das Drama ist, dass bei Online-Glücksspielen alles fix geht. Man wird sein Geld viel schneller los als am Automaten", sagte Füchtenschnieder, die gleichzeitig Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht Nordrhein-Westfalen ist.

Eine unbedachte Minute reiche, um Tausende Euro zu verlieren - für viele Betroffene seien das alle Ersparnisse, die sie besäßen. Am Anfang der strengen Kontaktbeschränkungen im Frühjahr hätten sich weniger Spielsüchtige bei der Hotline und Online-Beratungsstelle der Koordinierungsstelle gemeldet.

Viele, die uns anrufen, kontaktieren uns lange, bevor die Familie etwas weiß. Die rufen ungern vom Familientelefon aus an.
Ilona Füchtenschnieder, Fachverband Glücksspielsucht

Wohl rund eine halbe Millionen Menschen in Deutschland spielsüchtig

Inzwischen habe sich die Zahl der Anfragen aber wieder normalisiert und sei leicht gestiegen. Wie sich die Pandemie auf die Zahl der Glücksspielsüchtigen insgesamt auswirke, könne man noch nicht abschätzen, sagte Füchtenschnieder.

Menschen bräuchten eine Weile, um sich einzugestehen, dass sie ein Problem haben und suchten sich zum Teil erst nach fünf, sechs Jahren Hilfe.

Man geht aber davon aus, dass es in Deutschland derzeit rund eine halbe Million Menschen gibt, die problematisch oder bereits süchtig spielen.
Ilona Füchtenschnieder, Fachverband Glücksspielsucht

Bei den "problematischen" Spielsüchtigen sei das Verhalten zwar gefährlich, aber es gebe möglicherweise noch einen Weg zurück. Glücksspielsüchtige müssten dagegen lernen, dauerhaft auf Glücksspiel zu verzichten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.