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Berliner Landgericht - Goldmünzen-Diebe erhalten mehrjährige Haftstrafen

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Drei der vier Angeklagten wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein vierter Angeklagter wurde freigesprochen.

Big Maple Leaf Münze
Die Goldmünze "Big Maple Leaf" ist fast vier Millionen Euro wert - Ermittler vermuten, dass sie zerkleinert und Stück für Stück verkauft wurde.
Quelle: reuters

Knapp drei Jahre nach dem spektakulären Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum sind drei Männer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Zwei Männer im Alter von 23 und 21 Jahren, die zu einem bekannten arabischstämmigen Clan gehören, wurden wegen Diebstahls zu einer Jugendstrafe von viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ein 21-jähriger Wachmann aus dem Museum erhielt eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten.

Der Coup soll gründlich geplant gewesen sein. Die Diebe stiegen nach Darstellung der Anklage durch ein Fenster in die Herren-Umkleidekabine des Berliner Bode-Museums ein. Dann, weit nach Mitternacht, sollen sie eine Vitrine zertrümmert und ihre Beute mit Rollbrett, Seil und Schubkarre in einen Fluchtwagen geschafft haben. Das Raubgut: Die 100 Kilogramm schwere Münze "Big Maple Leaf" mit einem damaligen Goldwert von knapp 3,75 Millionen Euro.

Zwei Brüder und ihr Cousin sollen in das Museum eingestiegen sein, ein früherer Wachmann soll zuvor den Ort ausgekundschaftet haben. Zwischen 21 und 25 Jahre sind die Männer alt.

Verteidiger verlangen Freispruch

Die Staatsanwaltschaft forderte wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall Haftstrafen von fünf bis sieben Jahren. Die Verteidiger verlangten Freispruch. Einer der Männer hatte in seinem Schlusswort, er habe "die Münze nicht geklaut". Andere Angeklagte schlossen sich den Ausführungen ihrer Verteidiger an.

Der Angeklagte Ahmed R. sitzt zum Prozessauftakt bezüglich dem Goldmünzen-Diebstahl neben seinem Anwalt in Berlin am 10.01.2019
Die Anwälte der Angeklagten im Prozess um den Goldmünzen-Raub plädieren auf Freispruch.
Quelle: dpa

Im letzten Plädoyer hatte einer der Anwälte des damaligen Wachmanns erklärt, die Ermittlungsbehörden hätten sich sehr schnell auf eine These festgelegt. Diese habe "ja auch so gut zum Thema Clankriminalität gepasst" - das mutmaßliche Einbrecher-Trio soll zu einer wegen krimineller Aktivitäten berüchtigten arabischstämmigen Familie gehören.

Doch die Finanzermittlungen hätten keine Ergebnisse gebracht, die einen Verdacht gegen seinen Mandanten begründen würden, so der Verteidiger. Der 21-Jährige sei freizusprechen. Für den Fall, dass das Gericht doch zu einem Schuldspruch kommen sollte, beantragte der Anwalt wegen Beihilfe höchstens eine Jugendstrafe auf Bewährung.

"Höchstreines Gold"

Von der Münze fehlt bis heute jede Spur. Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass sie zerkleinert und Stück für Stück verkauft wurde. Als Indizien gelten nachgewiesene Goldpartikel auf Kleidungsstücken. Es habe sich um "höchstreines Gold" gehandelt, so ein Experte, den das Gericht befragte.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind die Goldpartikel identisch mit dem Gold der Goldmünze.
Gerichtsexperte
Das Bodemuseum am Abend
Die 100 Kilo schwere Münze wurde aus dem Bode-Museum in Berlin gestohlen.

Möglicherweise wurde der Diebstahl durch Sicherheitsmängel begünstigt. So war die Alarmanlage des Fensters defekt, über das die Diebe in das altehrwürdige Gebäude eindrangen. Die Öffnungs- und Verschlussüberwachung sei für mehrere Tage deaktiviert gewesen, hatte ein für Sicherheit zuständiger Mitarbeiter der Staatlichen Museen zu Berlin im Prozess gesagt. Seit 2014 habe es immer wieder technische Probleme mit dem Fenster im zweiten Stock gegeben.

Mitglieder der Großfamilie, zu der die in Berlin angeklagten Brüder und der Cousin gehören, waren schon wiederholt im Visier der Ermittler. Im Sommer 2018 wurden 77 Immobilien beschlagnahmt, die dem Clan zugerechnet werden. Die Ermittler vermuten, dass Wohnungen und Grundstücke auch mit Geld gekauft wurden, das aus einem Bank-Einbruch vom Oktober 2014 stammt.

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