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20 Jahre nach dem Hochwasser : Katastrophe als Chance: Flutschutz für Grimma

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Die sächsische Stadt Grimma wurde von der Jahrhundertflut im August 2002 hart getroffen. Heute fühlen sich die Menschen dort sicherer - dank modernster Hochwasserschutzanlage.

Die Jahrhundertflut im August 2002 hat die Stadt Grimma in Sachsen am schwersten getroffen.

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Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) kann sich noch genau an die Wassermassen erinnern. Schon als die Mulde im Jahr 2002 über ihre Ufer trat und die Stadt massiv überschwemmte, war der damals 34-Jährige im Amt. Damals packte er selbst mit an, rettete Menschen unter lebensgefährlichen Bedingungen aus den oberen Stockwerken ihrer überfluteten Häuser, half schnell und unbürokratisch, wo es nur ging.

220 Millionen Euro Flutschäden allein in Grimma

Bei der Jahrhundertflut im August 2002 und erneut im Juni 2013 wurde die Grimmaer Innenstadt durch die Wassermassen zerstört, viele Bewohner verloren binnen Stunden ihr Hab und Gut, ihre Existenzen. Allein in Grimma entstanden 2002 Schäden von rund 220 Millionen Euro. Aber "heute ist Grimma so schön wie noch nie", sagt Oberbürgermeister Berger.

Wir haben in der Katastrophe eine Chance gesehen.
Matthias Berger, Oberbürgermeister Grimma

Sein Einsatz für Grimma hat sich auch für Berger persönlich bezahlt gemacht: Er wurde bei der Kommunalwahl im Juni mit über 85 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.

Über zwei Kilometer Flutschutzanlage

Eine 2,2 Kilometer lange Flutschutzanlage schützt heute die Stadt vor erneuten Flutereignissen. 60 Millionen Euro hat das Großprojekt gekostet, das nach zwölf Jahren Bauzeit im Jahr 2019 fertiggestellt wurde. Nur etwa ein Viertel der Anlage ist überirdisch sichtbar, die Häuser des Außenrings der Altstadt sind in die Mauer integriert. Die 78 Tore der Anlage können innerhalb von zwei Stunden geschlossen werden, acht Brunnen können für einige Tage Wasser speichern und danach wieder in die Mulde abgeben.

Die Stadt Grimma erlangte vor 18 Jahren traurige Bekanntheit, als sie von einer Flutkatastrophe betroffen war. Dennoch gilt sie auch als Beispiel für die gesamtdeutsche Einheit.

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Warnsystem mit Sirenen und SMS

Ein Hochwasser wie 2013 würde der Stadt heute nichts mehr ausmachen, so Berger, und auch wenn das Wasser so hoch wie im August 2002 steigen würde, wären die Schäden überschaubar – das Wasser würde an dafür vorgesehenen Stellen über die Mauer laufen. Auch ein unabhängiges Hochwasser-Alarmsystem gibt es in der Stadt an der Mulde, Menschen werden per SMS und Sirenen vor bevorstehenden Fluten gewarnt. Die Einwohner von Grimma seien einhellig begeistert von den neuen Flutschutzmaßnahmen, sagt der Oberbürgermeister.

So auch Ines Urban. Sie lebt in der Grimmaer Innenstadt und war von den Fluten 2002 und 2013 gleich zwei Mal betroffen. Bei einem Wasserstand von fünf Metern wurde sie im August 2002 mit einem Schlauchboot aus ihrem Haus gerettet, ein Haus gegenüber war da bereits eingestürzt. Urban ist noch heute dankbar, dass Grimma damals so viel Hilfe erhalten hat.

Sorge bleibt "immer im Hinterkopf"

Auch mit dem Grimmaer Oberbürgermeister Matthias Berger ist sie glücklich. "Wenn wir Berger nicht hätten, wäre Grimma nicht so, wie es heute ist", sagt Urban. Sie vertraut ihm, alles für den Flutschutz in der Stadt zu tun, glaubt, dass die neue Flutschutzanlage bei einem neuen Hochwasser enorm helfen würde. Dennoch hat sie Sorgen, dass es erneut zu einer Flut kommen könnte: "Man hat das immer im Hinterkopf."

Städte können sich hochwassersicher machen - auch ohne immer höhere Deiche. In den Niederlanden haben sie ihr System bereits gefunden.

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Auch die Landestalsperrenverwaltung Sachsen will neue Fluten nicht gänzlich ausschließen. Man sei aber sehr viel besser geschützt als noch 2002, sagt Pressesprecherin Gerlind Ostmann. Der Freistaat Sachsen hat seitdem insgesamt 3,3 Milliarden Euro in den Flutschutz investiert, etwa dreiviertel der Projekte sind mittlerweile fertiggestellt. Die Landestalsperrenverwaltung ist für den technischen Hochwasserschutz zuständig.

Eigenvorsorge der Bürger wichtig

Vor allem komme es aber auch auf Eigenvorsorge der Bürger an, erläutert Ostmann.

Das Bewusstsein der Menschen ist viel größer geworden.
Gerlind Ostmann, Landestalsperrenverwaltung

Garantien, dass es nicht doch wieder zu Flutschäden kommt, könne man jedoch keine geben. Durch den Klimawandel seien Flutereignisse zudem zunehmend schwierig vorherzusagen.

Erst vor kurzem wurde Grimmas Hochwasserschutzanlage mit dem sächsischen Architekturpreis ausgezeichnet. Das Bauwerk fügt sich in die Altbausubstanz der durchsanierten Altstadt ein. Einen absoluten Schutz vor Hochwasserkatastrophen gebe es auch mit einer solchen Anlage nie, so Oberbürgermeister Matthias Berger. Das malerisch gelegene Grimma sei aber gut gewappnet, sollte die Mulde wieder über die Ufer steigen.

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