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"Eine Impfung ist nicht nur der Pieks"

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Grippeimpfung in Apotheken - "Eine Impfung ist nicht nur der Pieks"

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Ab dem Herbst kann man sich auch in Apotheken gegen Grippe impfen lassen. Zunächst allerdings nur in Modellprojekten. Ärzte sehen dadurch die Patientensicherheit infrage gestellt.

Bald steht die herkömmliche Grippeschutz-Impfung wieder an. Um das einfacher und schneller zu handhaben, sollen bald auch Apotheker impfen dürfen.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Apotheker dürfen künftig in Modellprojekten gegen Influenza impfen.
  • Die Bundesregierung hat diesen Weg per Gesetz freigemacht. Das Ziel: Die Impfquote erhöhen.
  • Die Bundesärztekammer (BÄK) sieht durch dieses Vorhaben die Patientensicherheit infrage gestellt.

Wer eine Schmerztablette braucht und sich die Grippe-Schutzimpfung abholen möchte, kann beides bald in einem Aufwasch erledigen. Denn Apotheker dürfen künftig gesetzlich krankenversicherte Menschen gegen Influenza impfen. Zunächst allerdings nur in Modellprojekten.

Das Ziel ist eine höhere Impfquote

Die Bundesregierung hat diesen Weg per Gesetz freigemacht. Ziel ist es, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Impfquote zu erreichen. Statt 75 Prozent sind in Deutschland bislang nur rund 35 Prozent der Bürger ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft.

Apotheken können mit ihrem niedrigschwelligen Zugang auch Menschen erreichen, die nicht oder nicht regelmäßig zum Arzt gehen
Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA)

Als Ersatz für ärztliche Impfungen will er die künftig angebotene Dienstleistung deshalb nicht verstanden wissen. Er betont: "Die Apotheker setzen den politischen Willen um."

Kritik: Patientensicherheit wird infrage gestellt

Für diese bedeutet die Grippe-Schutzimpfung ein erweitertes Tätigkeitsfeld, aber auch zusätzlichen Aufwand. Denn ohne eine entsprechende Schulung darf nicht geimpft werden. Vorgesehen ist, dass die Apotheker acht Stunden von Ärzten über theoretische Grundlagen zur Influenza bis hin zu Maßnahmen zur Ersten Hilfe geschult werden.

Eine solche Schulung sei nicht ausreichend, kritisiert die Bundesärztekammer (BÄK). Sie sieht die Patientensicherheit infrage gestellt.

Eine Impfung ist nicht nur der Pieks, sondern es gehört verpflichtend dazu, dass eine Erkrankung ausgeschlossen wird, die im Ausnahmefall eine Gegenanzeige zur Impfung darstellt,

gibt Heidrun Gitter zu bedenken. Die BÄK-Vizepräsidentin weiter: "Nur in der Ausbildung zum Arzt wird die Diagnose einer Erkrankung erlernt."

Impfung in Apotheke unnötiges Angebot?

Auch über individuelle Risiken und Nebenwirkungen könnten nur Ärzte kompetent aufklären. "Da relevante Risiken und Gegenanzeigen eher seltene Ereignisse sind, kann man das auch nicht im Schnellkurs lernen", sagt Gitter. Zwar könne man grundsätzlich einzelne Maßnahmen trainieren, aber nicht auf mögliche komplexere Reaktionen eines Patienten mit Vorerkrankungen.

Ohnehin sei eine Grippe-Schutzimpfung durch Apotheker auch nicht notwendig, sie verursache zusätzliche Kosten, etwa durch die Trainings oder die Absicherung der Haftung. Heidrun Gitter betont: "Deutschland verfügt über eine ausreichende Zahl von Ärzten, um flächendeckend qualifiziert impfen zu können."

Überwiegen die Risiken oder die Vorteile?

Für Ruth Hecker ist es wichtig, alle Maßnahmen zu ergreifen, damit die Impfquote steigt. Die Vorsitzende des Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) unterstreicht: "In welchem Umfang die Risiken bei einer sorgfältigen, durch einen gut ausgearbeiteten Fragebogen unterstützten Vorbefragung von Patienten und bei sicherheitsbewusstem Verhalten der Apotheker unter den deutschen Rahmenbedingungen tatsächlich erhöht wären, ist derzeit unbekannt."

Ihr Resümee: "Welcher Effekt überwiegt, die Erhöhung der Patientensicherheit durch mehr Impfungen oder erhöhte Risiken durch Impfen in der Apotheke im Vergleich zur Arztpraxis - das kann aktuell niemand seriös abschätzen. Das sollte im weiteren Verlauf unbedingt erforscht werden.“

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