Grippeimpfung: Was Sie vor der Influenzasaison wissen müssen

    FAQ

    Influenza-Saison:Was man zur Grippeimpfung wissen sollte

    von Thomas Bleich
    |

    Mit dem Herbst fängt auch wieder die Grippesaison an. Für wen ist die Grippeimpfung sinnvoll? Wann wird sie empfohlen? Das sollten Sie zum Start der Influenza-Saison wissen.

    Dr. Christoph Specht und Florian Weiss im Gespräch im "Volle Kanne"-Studio
    Dr. Christoph Specht infomiert über die Grippe-Saison 2023.04.10.2023 | 5:55 min
    In der letzten Grippesaison war die Impfquote alles andere als rühmlich: Laut einer Analyse der Techniker Krankenkasse lag sie bei den über 60-Jährigen nur bei 40 Prozent und damit deutlich unter der Zielvorgabe der Europäischen Union von 75 Prozent. Auch das Klinikpersonal war nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in der letzten Grippesaison nur zu 59 Prozent geimpft.
    Dabei kann eine Infektion mit Influenzaviren gerade für Menschen, deren Immunsystem durch Alter oder Vorerkrankungen geschwächt ist, lebensbedrohlich sein.

    Für wen wird die Grippeschutzimpfung empfohlen?

    Ab Oktober sollten sich laut der ständigen Impfkommission (STIKO) vor allem Risikopatienten gegen Influenza impfen lassen. Die Impfempfehlung gilt:
    • für alle Personen ab 60 Jahren,
    • für Schwangere ab dem zweiten Schwangeschaftsdrittel (Trimenon), und ab dem ersten Trimenon, wenn aufgrund eines Grundleidens ein erhöhtes Gesundheitsrisiko besteht,
    • für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens wie Diabetes, Asthma oder Herzkreislauferkrankungen,
    • Personen, die die oben genannten gefährdeten Personen im selben Haushalt gefährden könnten,
    • Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen,
    • medizinisches Personal und
    • Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr.
    Die Begründung: Personen mit Grundkrankheiten haben ein erhöhtes Risiko, schwere oder tödliche Krankheitsverläufe einer Influenza-Infektion zu entwickeln.
    Zitronen.
    Täglich kommen wir mit Millionen Viren und Bakterien in Berührung - auch im Urlaub. Die Folge: Erkältung statt Erholung. Wie ich mit einem starken Immunsystem vorbeugen kann.05.06.2023 | 6:03 min

    Warum wird die Grippeimpfung nicht allen empfohlen?

    Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts verläuft eine Influenza-Erkrankung bei gesunden Kindern oder bei Erwachsenen unter 60 Jahren in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen. Auch im Rahmen der Covid-19-Pandemie habe sich daher die STIKO gegen eine generelle Impfempfehlung ausgesprochen.
    Daraus sei jedoch nicht abzuleiten, dass anderen Personengruppen von einer Impfung abgeraten werde. In solchen Fällen sei nur mit der Krankenkasse zu klären, ob diese im Bedarfsfall die Kosten übernehme, wenn dies nicht zum Beispiel bei Angestellten durch den Arbeitgeber erfolge.

    Impfstoffvarianten CC
    08.02.2021 | 1:52 min
    • Rund 18,8 Millionen Influenza-Impfdosen stehen bislang nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts bereit. Weiterer Impfstoff werde noch freigegeben. Die Grippe-Impfstoffe werden in einem aufwändigen Herstellungsprozess hergestellt. Da dieser einen größeren zeitlichen Vorlauf benötigt, ist es nicht möglich, kurzfristig mehr davon zu produzieren.
    • Bei den Influenza-Impfstoffen, die in Deutschland zugelassen sind, handelt es sich meist um Totimpfstoffe. Sie enthalten inaktivierte Viren beziehungsweise Bestandteile davon.
    • Für ältere Menschen ist zudem ein Impfstoff mit Wirkverstärkern (Adjuvantien) sowie ein weiterer mit einer höheren Menge an Antigen zugelassen. Dadurch soll eine verbesserte Wirksamkeit gewährleistet werden, da das Immunsystem mit dem Alter oft nicht mehr so reaktionsstark wie in jüngeren Jahren ist.
    • Bei Kindern kann auch ein Lebendimpfstoff als Nasenspray verabreicht werden.

    Wie oft sollte gegen Influenza geimpft werden?

    Bereits nach einer einzigen Impfung mit Standard-Influenza-Impfstoffen oder Hochdosis-Impfstoffen ist von einem ausreichenden Impfeffekt auszugehen, da diese nicht als Booster-Impfung entwickelt worden sind. Deshalb sollte pro Saison nur eine Influenza-Impfung verabreicht werden. Ausnahmen gibt es bei der Impfung von Kindern bis zu einem Alter von neun Jahren.
    Grippe, Pest und Cholera - Die Geschichte der großen Seuchen
    In der Geschichte suchten Seuchen meist ohne Vorwarnung die Menschheit heim - darunter Grippe, Pest und Cholera, Ebola und AIDS. ZDF-History erzählt die Geschichte der großen Seuchen.01.03.2020 | 31:35 min

    Wie lange muss der Abstand zwischen der Grippe und der Corona-Impfung sein?

    Laut Angaben der STIKO und des Robert-Koch-Instituts können alle Covid-19-Impfstoffe zusammen mit einer Influenzaimpfung gegeben werden. Lediglich bei dem Coronaimpfstoff Nuvaxovid der Firma Novavax soll ein Abstand von 14 Tagen eingehalten werden.
    Geschichte Impfen CC
    Seit wann gibt es eigentlich Impfungen, wie funktionieren sie, und was sind ihre Nebenwirkungen?15.02.2021 | 2:16 min

    Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

    Im Rückblick auf vergangene Jahre hat sich die jährliche Influenzawelle in Deutschland meist ab September bemerkbar gemacht: Die Fallzahlen stiegen dann in der Regel allmählich an und erst nach dem Jahreswechsel erreichte die Welle ihren Höhepunkt. Meist dauerte die Grippewelle insgesamt drei bis vier Monate.
    Um rechtzeitig geschützt zu sein, wird die Impfung daher zwischen Oktober und Mitte Dezember empfohlen. Das Robert-Koch-Institut weist dabei darauf hin, dass es nicht möglich sei, genau vorherzusagen, wie lange eine Influenzawelle andauern wird. In der Saison 2022/2023 sei es beispielsweise im März zu einer zweiten Grippewelle durch eine andere Virusvariante gekommen. Späteres Impfen könne also durchaus noch sinnvoll sein.

    Sowohl in Australien als auch in Neuseeland setzte die Grippewelle in diesem Jahr früher als gewöhnlich ein. In Australien waren häufig Kinder und Jugendliche betroffen. Viele hatten so schwere Symptome, dass sie auf die Intensivstation kamen, berichtete der australische "Guardian" im Juli 2023. Allerdings sollen die Impfquoten bei Kindern im Zuge dessen niedriger ausgefallen sein als üblich.

    Der kommende Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Florian Hoffmann, sagte jüngst, die Entwicklung in Australien müsse ernstgenommen werden. Verlauf und Dauer einer Grippewelle könnten jedoch nicht sicher prognostiziert werden.

    Wie unterscheiden sich Corona, Grippe und eine banale Erkältung?

    Eine Unterscheidung nur anhand der Symptome ist nicht möglich. Im Gegensatz zu einer normalen Atemwegserkrankung, die meist nach wenigen Tagen überstanden ist, schlägt die Virusgrippe oft schnell und heftig zu. Symptome sind in der Regel plötzlich auftretendes hohes Fieber über 39 Grad Celsius, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Schweißausbrüche, allgemeine Schwäche, Kopf- und Halsschmerzen, Schnupfen und trockener Reizhusten.
    Allerdings gibt es sowohl bei Grippe als auch bei Corona und Erkältungen leichte Verläufe, die nur durch Laborbefunde eindeutig unterschieden werden können.
    Dr. Thomas Bleich ist Arzt und Redakteur der werktäglichen ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
    Erkältungsmythen im Check
    Zum Thema Erkältung kursieren zahlreiche Mythen. Welche sind wahr, welche schlicht falsch?21.10.2022 | 5:20 min
    Quelle: Mit Material von AFP und dpa

    Mehr zu Grippe und Erkältung

    Weitere Gesundheits-Themen