ZDFheute

Halle – ein Jahr nach dem Anschlag

Sie sind hier:

Gedenken an die Opfer - Halle – ein Jahr nach dem Anschlag

Datum:

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gedenkt am Jahrestag der Opfern des rechtsterroristischen Anschlags in Halle. Vertrauen und Sicherheitsgefühl sind noch immer erschüttert.

Ismet Tekin hat den Anschlag in Halle vor einem Jahr überlebt. Seinen Imbiss hat wieder geöffnet, doch der Mordversuch lässt ihn nicht mehr los.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Der Anschlag in Halle hat das Leben von Ismet Tekin verändert. 2008 kam er aus der Türkei nach Deutschland. Heute arbeitet der 36-Jährige in einem Döner-Imbiss in Halle. Auch ein Jahr nach dem rechtsterroristischen Anschlag sind sein Sicherheitsgefühl und sein Vertrauen erschüttert:

(...) ob man deutscher Bürger wird, spielt keine Rolle. So lange ich diese Haut- und Haarfarbe habe, bin ich halt Ausländer.
Ismet Tekin, Opfer des Attentats

Am 9. Oktober vor einem Jahr schießt der Attentäter auf der Straße auch auf Ismet Tekin, als er vom Einkauf zum Döner-Imbiss zurückkehrt. Durch Glück bleibt er unverletzt. Wenig später findet Tekin im Imbiss den 20-jährigen Malergesellen Kevin S., erschossen von dem Rechtsterroristen Stephan B.

Zwei Menschen wurden Opfer des Attentats von Halle

Schwer bewaffnet hatte Stephan B. zuvor versucht, in der Hallenser Synagoge am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur Gläubige zu töten. Doch die schwere Holztür zum Synagogengelände hielt seinen Schüssen stand.

Daraufhin erschoss der Attentäter vor der Synagoge die 40-jährige Jana L. Anschließend fuhr er zum "Kiez-Döner", tötete dort den 20-jährigen Kevin S.. Auf seiner Flucht verletzte der Attentäter weitere Menschen, ehe die Polizei ihn fasste. Gegen den heute 28-Jährigen aus Sachsen-Anhalt läuft seit Juli am Oberlandesgericht Naumburg der Prozess.

Vor einem Jahr tötete der Attentäter von Halle, Stephan B., eine 40-jährige Passantin sowie einen 20-jährigen Besucher in einem Imbiss. Frontal21 hat eines der Opfer getroffen, das der Rechtsterrorist auf seiner Flucht verletzt hatte.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Gedenken an Halle-Anschlag mit Steinmeier und Schuster

Ein Jahr nach dem Anschlag am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur wird am Freitag mit Veranstaltungen und Gebeten der Opfer gedacht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, besuchen mit der Synagoge und dem Kiez-Döner Orte, an denen ein Rechtsextremist am 9. Oktober 2019 zwei Menschen tötete.

Menschen in Halle üben Solidarität

Kurz nach dem Anschlag übernimmt Ismet Tekin den Imbiss vom Vorbesitzer. Nach 40 Tagen öffnen er und sein Bruder Rifat den "Kiez-Döner" wieder. Innen erinnert eine Gedenkwand an die beiden Todesopfer.

Doch monatelang bleiben die Gäste aus, finanzielle Hilfen von Land oder Stadt bekomme er nicht, sagt Ismet Tekin. Dafür kommt aus der Nachbarschaft des Imbiss‘ Unterstützung.

Eine Stadt blickt zurück

Beitragslänge:
8 min
Datum:

Anschlagsort wird von Kunden gemieden

Die Jüdische Gemeinde sammelt Spenden und eine "Soli-Gruppe" hilft Ismet Tekin mit Druck und Verteilung von Flyern und unterstützt ihn bei Behördengängen.

Cosima, ein Mitglied Soli-Gruppe, beschreibt die Motivation: "Wir haben gemerkt, dass weder die Stadt noch das Land ihre Versprechen eingehalten haben. Dass es keine finanzielle Unterstützung gab. Wir finden es notwendig, hier Aktionen zu machen, damit mehr Menschen in den Laden kommen."

Jüdische Gemeinde kämpft gegen Bürokratie

Anders als am Anschlagstag wird die Synagoge in Halle inzwischen dauerhaft von der Polizei bewacht. Doch die Jüdische Gemeinde und das Land Sachsen-Anhalt debattierten fast ein Jahr über die Zuständigkeit für weitere Sicherheitsvorkehrungen.

Erst drei Tage vor dem Jahrestag sicherte das Land der Jüdischen Gemeinde die Organisation und Finanzierung vertraglich zu. Zu bürokratisch, zu langwierig war dieser Prozess, sagt Gemeindevorsteher Max Privorozki.

Von klein auf in die Synagoge gehen, eine jüdische Grundschule besuchen - für Aviv das Normalste der Welt. Doch er und sein Bruder Samir wissen, dass es auch Probleme mit sich bringen kann, als jüdisches Kind in Deutschland aufzuwachsen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Hass in der Gesellschaft abbauen

Hingegen zehre seine Gemeinde noch heute von der großen Anteilnahme, die sie in den Tagen nach dem 9. Oktober 2019 erfuhr. Rund 2.000 Menschen bekundeten damals ihre Solidarität vor der Synagoge.

Heute sei die Jüdische Gemeinde bei den Hallensern präsenter als vor einem Jahr. Max Privorozki sagt:

Man muss nicht unbedingt erwarten, dass immer wieder Hunderte Leute zur Synagoge kommen.
Max Privorozki

Aber: "Es geht nicht darum, dass viele Menschen Präsens zeigen, sondern dass wirklich alle solidarisch bleiben und dass dieser Hass, der in der Gesellschaft existiert, abgebaut wird."

Neue Perspektive für Imbissbetreiber

Der 9. Oktober 2019 beschäftige ihn noch immer jeden Tag, sagt Imbiss-Betreiber Ismet Tekin. Doch ein Jahr danach habe er neuen Mut und Pläne für sein Geschäft.

Ein Ausbau zum Frühstückscafe mit Terrasse davor ist geplant. Finanziert mit Spenden der Jüdischen Gemeinde Halle, die für ihn gesammelt hat. Die Stadt hat den Umbau genehmigt - spätestens zum kommenden Jahr plant Ismet Tekin die feierliche Eröffnung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.