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Perle Hamburg: Von HSV bis Pfeffersack

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Dafür steht die Hansestadt - Perle Hamburg: Von HSV bis Pfeffersack

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Am Sonntag wählt die Hansestadt eine neue Bürgerschaft. Hier lesen Sie, wofür Hamburg neben Elbphilharmonie und HSV noch steht.

Hamburg vor der Wahl

Der Pfeffersack

Ist das klassische Prachtexemplar eines alteingesessenen, waschechten Hamburgers. Der Handel unter anderem mit Gewürzen hat den Kaufmann und inzwischen auch die Kauffrau reich und die Hansestadt groß werden lassen.

Schon früh hat er Geschäfte mit der ganzen Welt gemacht und wenn es sein musste, war er um Tricks nicht verlegen. Im 16.Jahrhundert klagten die südlichen Nachbarstädte vor dem Reichsgericht die freie Schifffahrt auf der Süderelbe ein. Ihre Begründung, die Süderelbe sei der Hauptstrom und kaiserliche Handelsprivilegien bezögen sich nur auf die kleinere Norderelbe, hier machten die Hamburger ihre Geschäfte.

Die Kaufleute wussten sich zu helfen und ließen eine große Karte anfertigen, in der die tatsächlich kleinere Norderelbe zu einem prachtvollen Fluss anschwoll, scheinbar nicht weniger als ein gewaltiger Meeresarm der Nordsee. Der Trick funktionierte, Hamburg wuchs zur Metropole, der Hafen ist bis heute das wirtschaftliche Herz der Stadt. Und der Kampf um die Teilhabe am Welthandel ist ungebrochen: im letzten Jahr begann nach Jahren der Klagen und Verzögerungen eine weitere Vertiefung der Elbe - es ist die neunte.

Containerschiffe im Hafen von Hamburg. Archivbild
Große Hanse-Tradition: Hamburger Hafen
Quelle: Axel Heimken/dpa

Der Bürger

Besonders stolz ist man in Hamburg auf die jahrhundertelange Tradition als Gemeinschaft freier Bürger. Bis heute begrüßt der Erste Bürgermeister Staatsgäste nicht vor dem Rathaus, sondern am Ende der langen Senatstreppe.

Vor dem Rathaus hätte in alten Zeiten womöglich die Notwendigkeit bestanden, einem Staatsgast aus dem Steigbügel zu helfen. So etwas machte der stolze Hanseat nicht. Und da man mit Traditionen nicht ohne Not brechen sollte, müssen die Gäste bis heute zum Ersten Bürgermeister aufsteigen.

Gleichzeitig ist der gemeinnützige Bürgersinn ausgeprägt, in keiner Stadt gibt es so viele Stiftungen, mehr als 1.300. Das Stiften hat eine fast ebenso lange Tradition wie der Handel, reiche Kaufleute wollten und wollen der Stadt etwas zurückgeben.

Blick auf das Rathaus von Hamburg. Archivbild
Staatsgäste müssen die Treppe hoch: Hamburger Rathaus
Quelle: Markus Scholz/dpa

Der Musikliebhaber

Eine vergleichsweise neue Gattung, ihr fulminantes Monument, ist die endlich fertig gebaute Elbphilharmonie. Dass sich die sonst kühl kalkulierenden Kaufleute derart verrechnen konnten, ist inzwischen fast vergessen, der grandiose Erfolg überstrahlt alles. Und schließlich tröstet sich der Hamburger gerne mit einem Blick nach Berlin: die können noch nicht mal Flughafen

Die Elbphilharmonie ist auch ein erneuter Gruß in die Welt: wir können nicht nur Handel, sondern auch Kunst. Das hat man nämlich schon vor rund einhundert Jahren gezeigt: 1908 wurde die Laeiszhalle eingeweiht, der große Saal des Konzerthaues galt damals als einer der besten Konzertsäle der Welt. Darunter machen es die Hamburger nicht. Und dass man damit natürlich auch Geld verdient, macht die Freude an der Musik nur noch größer.

Das Konzert wird auf den Vorplatz der Elbphilharmonie übertragen.
Teurer als gedacht, aber das macht heute nichts mehr: Elbphilharmonie
Quelle: Markus Scholz/dpa

Der Gastfreundliche

Schon immer hat man in der Handelsstadt Menschen aus aller Welt beherbergt, heute werden mehr 14 Millionen Übernachtungen pro Jahr gezählt. In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der Übernachtungen  um mehr als 88 Prozent, Hamburg ist eines der beliebtesten Ziele in Deutschland. Ob Musicals, die Elbphilharmonie, Hafencity oder der Hafen selbst, der Tourismus boomt.

Im Durchschnitt bleiben die Gäste zwei Nächte. Zeit genug, um Geld auszugeben und nicht genügend Zeit, um hier Wurzeln zu schlagen - genau die richtige Mischung. Denn eigentlich bleiben die Hamburger, trotz aller Gastfreundlichkeit, gerne unter sich. Ein wochenlanges Spektakel wie die Olympischen Spiele mit Zehntausenden Gästen haben die Hanseaten im Volksentscheid abgelehnt. Überhaupt hat der Hamburger spätestens seit G20 von allzu großen Events die Nase voll ….

Der Lokalpatriot

Treffen sich zwei Hamburger außerhalb des heimischen Biotops, kommt man schnell ins Gespräch. Spektakuläre Sehenswürdigkeiten, wie es sie in der Hansestadt überhaupt nicht gibt, werden gebührend gewürdigt, schließlich ist man ja deshalb hingefahren. Doch es wird nicht lange dauern, dann versichert man sich gegenseitig, dass es zu Hause doch eigentlich am schönsten sei. Hamburg, die schönste Stadt der Welt!

Das ist keine Unbescheidenheit, sondern über Jahrhunderte gewachsene Erkenntnis, findet man hier. Diese schreit man nicht unbedingt nach außen heraus, schließlich gilt das hanseatische Understatement, nach innen aber umso überzeugter.

Wirft man dem Hamburger eine bräsige Selbstzufriedenheit vor, mag er die in schwachen Momenten durchaus zugestehen. Im Hinterkopf aber erinnert er sich gleich wieder, dass andere noch nicht einmal Flughafen können …

Hafencity Hamburg
Zu Hause ist es eigentlich doch am schönsten: Hafencity

Der Zweitklassige

Der 12. Mai 2018 ist einer der schwärzesten Tage der jüngeren Hamburger Geschichte. Nach 54 Jahren, 261 Tagen, 36 Minuten und 6 Sekunden blieb die Stadionuhr stehen, der Hamburger Sportverein war aus der ersten Bundesliga abgestiegen. Das Urgestein, der Dino, die einzigen, die von Anfang an dabei waren. Aus und vorbei.

Und um die Schmach komplett zu machen durfte der Dauerrivale aus Bremen drin bleiben. Eine Schmach, die bis heute anhält, der Kampf um den Aufstieg ist noch lange nicht gewonnen. Nun also Lokalderby gegen St. Pauli, die Schmuddelkinder, die erst 126 Jahre überhaupt zu Hamburg gehören. Es ist demütigend.

Zweitklassigkeit und die traditionsreiche Hansestadt Hamburg, das passt einfach nicht zusammen. Und es gibt noch nicht einmal Trost durch Lotto King Karls HSV-Stadion Hymne, sie wird nicht mehr gesungen.

Ohh, Hamburg, meine Perle, du wunderschöne Stadt. Du bist mein zu Haus, du bist mein Leben Du bist die Stadt auf die ich kann, auf die ich kann….
Traurige Fans betrauern den Abstrieg des HSV
Schwärzester Tag: HSV-Fans betrauern den Abstieg
Quelle: dpa

Kristina Hansen ist Korrespondentin im ZDF-Studio Hamburg

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