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Trauer und Ruf nach Konsequenzen in Hanau

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Sechs Monate nach Anschlag - Trauer und Ruf nach Konsequenzen in Hanau

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Die schockierende Tat ist noch allgegenwärtig in Hanau. Doch in die Trauer der Angehörigen um die Opfer des Anschlags mischt sich auch Unmut über die Behörden.

Am Grimm-Denkmal in Hanau wird mit Fotos dem Anschlag vom 19. Februar gedacht.
Auch ein halbes Jahr nach dem Anschlag von Hanau wird am Brüder-Grimm-Denkmal in der Innenstadt der Opfer gedacht.
Quelle: dpa

Am Brüder-Grimm-Denkmal in der Hanauer Innenstadt ist der Schock noch immer greifbar, den der rassistisch motivierte Anschlag vom 19. Februar ausgelöst hat. Der 43-jährige Tobias R. erschoss damals neun Menschen an mehreren Orten in der Stadt. Danach soll er auch seine Mutter umgebracht haben, bevor er sich selbst tötete.

Auch ein halbes Jahr später verstört die Tat. Gegen das Vergessen macht sich auch Ferdi Ilkhan stark. Seit den dramatischen Ereignissen sind er, seine Frau und die anderen Mitglieder des Hanauer Ausländerbeirats unermüdlich im Einsatz, um die Menschen zu unterstützen, die in jener Nacht Angehörige verloren haben oder selbst verletzt wurden.

Hanau: Angehörige verlangen Antworten

Sie organisieren Treffen und Gespräche, empfangen Politiker und Besuchergruppen, die sich ein Bild von der Stadt machen wollen, leisten Hilfe bei Behördenangelegenheiten und spenden den Hinterbliebenen Trost und Beistand.

Wir haben versucht, eine Art Brückenfunktion einzunehmen.
Ferdi Ilkhan, Ausländerbeirat Hanau

Eines der wichtigsten Anliegen ist ihm dabei, dass aus der Trauer der Menschen nicht Wut wird, wie Ilkhan sagt. Denn er weiß aus seinen Gesprächen, dass es in der Gruppe der Angehörigen rumort. Viele von ihnen kritisieren die Ermittlungsarbeit der Behörden und verlangen immer deutlicher Antworten auf ihre Fragen.

So hatte Tobias R. vor der Tat Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht. Warum wurde dem nicht nachgegangen? Wie kam der unter Wahnvorstellungen leidende Sportschütze an eine Waffenbesitzkarte und warum wurde diese im vergangenen Jahr nach einer Überprüfung verlängert?

Archiv: Handfeuerwaffe vom Typ Sig Sauer P226, Kaliber 9mm.

Hanau-Attentäter -
Die Waffen des Tobias R.
 

Der mutmaßliche Täter von Hanau, Tobias R., hat legal zwei Waffen besessen. Erst im August wurde dies überprüft. Seine psychische Gesundheit wurde dabei nicht kontrolliert.

von Julia Klaus

Kritik richtet sich in Hanau auch gegen Behörden

Diese Fragen lassen auch Armin Kurtovic nicht los, dessen Sohn Hamza bei dem Anschlag getötet wurde. Den ermittelnden Behörden wirft er eine "Kette des Versagens" vor, für die bisher niemand zur Rechenschaft gezogen worden sei.

Kein Mensch sollte diesen Schmerz fühlen, den ich fühle.
Armin Kurtovic, Vater eines Opfers

Wie viele andere Hinterbliebene will er am 22. August bei einer Demonstration der Opfer von Hanau gedenken, aber auch seinen Unmut über die Behörden zum Ausdruck bringen. Die Kritik der Angehörigen richtet sich auch gegen die Polizeiarbeit und gegen Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU), der versuche, "alles schönzureden", wie Cetin Gültekin, Bruder eines der Getöteten, kürzlich der "taz" sagte.

Ermittlungen zum Anschlag in Hanau dauern an

Der Minister wirbt derweil um Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt. "Die schreckliche Tat vom 19. Februar in Hanau hat unser Land ins Mark getroffen. Wir werden weiter alles daran setzen, dass uns diese schreckliche Terrortat als Gesellschaft nicht spaltet, sondern nur noch stärker eint", erklärt Beuth. Das Land stehe an der Seite der Opferfamilien.

18 Menschen - alle leben in Deutschland. Ein Experiment zeigt, wie unterschiedlich die Erfahrungen sind, die sie mit Alltagsrassismus machen.

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Wegen der besonderen Bedeutung des Falls und der rassistischen Motivation des Täters hatte der Generalbundesanwalt in Karlsruhe noch in der Tatnacht die Ermittlungen an sich gezogen. Über den Stand der Untersuchungen ist dort derzeit nicht viel zu erfahren. "Die Ermittlungen dauern an", lässt ein Sprecher lediglich wissen.

Um dem Gedenken einen angemessenen Rahmen zu geben, steht in Hanau nun auch die Umsetzung des geplanten Mahnmals an. Noch etwa acht Wochen lang läuft eine Ausschreibung für die Gedenkstätte, die nach den Wünschen der Opferfamilien gestaltet werden soll.

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