Netflix-Doku zu Harry und Meghan: Kriegserklärung?

    Netflix-Doku zu Harry und Meghan:Kriegserklärung ans Königshaus?

    von Andreas Stamm, London
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    Die ersten Teile ihrer Dokuserie sind raus. Ihre Lovestory. Der Ein- und Ausstieg als Royals. Die Presse als Feind Nummer Eins. Rassismus. Altbekanntes neu verpackt. Erstmal.

    Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Der britische Prinz Harry, Herzog von Sussex, und seine Frau Meghan, Herzogin von Sussex, kommen aus dem Rathaus. Archivbild
    In ihrer Netflix-Doku erheben Harry und Meghan schwere Vorwürfe gegen das britische Königshaus. (Archivfoto)
    Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

    Um eins vorweg klarzustellen - das Ende des Königshauses wurde nicht eingeläutet. So klang es teilweise, wenn es im Vorfeld um die sechsteilige Doku-Serie über Harry und Meghan ging.
    Die ersten drei Teile verraten neues, stellen einiges klar. Etwa, dass sich Harry und Meghan nicht bei einem Blind Date kennengelernt haben, sondern über Instagram. Es ist ihre Geschichte, erzählt von den beiden. Sehr private Fotos und Einblicke, vor allem, wenn es um ihre Lovestory geht.

    Harry und Meghan: Die "wahre" Geschichte einer großen Liebe

    Das erste Treffen, eine Beinahe-Katastrophe. Harry kommt zu spät. "Ich dachte, du wärst einer dieser Typen mit riesigem Ego, der denkt, dass jedes Mädchen gerne eine halbe Stunde auf ihn wartet. Daran hatte ich null Interesse."
    Aus der Peinlichkeit wird, so Harry, eine "Liebesgeschichte, die gerade erst beginnt". "Meghan hat alles, was sie jemals hatte und kannte, aufgegeben. Ihre Freiheit. Um mit mir in meine Welt zu kommen. Und sehr schnell danach habe ich alles, was ich kannte, hinter mir gelassen, um mit ihr in ihrer Welt zu sein."

    Die Presse, der Feind Nummer Eins

    "Sie würden einen Weg finden, mich zu zerstören", erklärt Meghan über die Boulevardpresse. Die über die gesamten drei Teile als Hauptschuldige für die Flucht aus dem Königshaus benannt wird. Sie seien die Beute, gejagt, dazu die rassistischen Untertöne in der Berichterstattung.
    Harry müsse seine Familie beschützen. Auch wenn das hieße, seine alte - die Königsfamilie - im Stich zu lassen. Das Schicksal seiner Mutter Diana vermeiden, die unter den Paparazzi gelitten hat wie kaum eine andere öffentliche Person. Und starb, verfolgt von Fotografen.
    In einer zweiteiligen Dokumentation rechnen die Sussexes mit dem Königshaus ab. Die königliche Familie dürfte vermutlich "not amused" sein.07.12.2022 | 2:21 min
    "Ein extrem einseitiges Bild, das Harry und Meghan da zeichnen", erklärt der Historiker und royale Biograf Andrew Lownie. Vieles werde zurechtgebogen, vor allem, wenn es um die Anschuldigungen gehe, das Königshaus habe ein Rassismus-Problem. Der Vorwurf, lange bekannt, hat Harry und Meghan erst diese Woche in den USA einen Preis eingebracht. Für ihren mutigen Kampf gegen institutionellen Rassismus.

    Netflix-Doku: Viel Rauch um nichts

    Neue Beweise, etwas, was ihre Anschuldigungen untermauert, blieben sie in der Dokuserie erstmal schuldig. "Es sind keine explosiven Enthüllungen. Möglicherweise kommen die in den finalen Teilen", so Andrew Lownie.

    Aber sollte der Palast den beiden den Titel königliche Hoheit wegnehmen, was die allermeisten Briten unterstützen, könnte das nach hinten losgehen.

    Andrew Lownie, Biograf

    Der große Vorteil des Paars: Sie können ihre Geschichte erzählen, weil der Palast schweigt. Aus Tradition, aber auch um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen.
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    In Amerika gefeiert, in Großbritannien abgelehnt

    Es bleibt also dabei. In den USA dürfte das Bild der armen Meghan, die auszog, um eine britische Prinzessin zu werden und auf das böse, verstaubte Königshaus traf, funktionieren. "Meghan Markle kommt als junge, halb-schwarze Frau nach England und wird dort angegriffen", erklärt Alex Cramer, Journalist in Hollywood. "Das hat zumindest unterschwellig rassistische Züge." Und deswegen seien alle auf ihrer Seite.

    Es geht um Rassismus und Macht, Themen, die hier ziehen. Und einen königlichen Skandal von diesem Ausmaß hatten wir noch nie, das ist der Kick, den die Leute wollen.

    Alex Cramer, Journalist in Hollywood

    Die Briten lehnen dagegen die Art und Weise ab, wie das Paar viele Millionen einstreicht. Mit einer öffentlichen Therapie über ihre Zeit im Palast. Immerhin keine neuen Skandale, nichts was das Königshaus beunruhigen müsste. Kommende Woche gibt es drei weitere Teile. Dazu erscheint bald Harrys Autobiografie. Das bietet viel Platz und Raum für mehr böses Blut. Diesmal aber gilt: Harry und Meghan, ihre Story ist viel Rauch um wenig neuen Zündstoff.

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