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Kommentar

Harry und Meghan - Ein Interview voller Parallelen zu Diana

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Meghan Markle gibt sich im Interview mit Oprah Winfrey als Opfer des Königshauses. Sie beschreibt sich und ihr Kind als Opfer von Rassismus, sie habe an Selbstmord gedacht.

Das Interview war, wie angekündigt, eine „intime Unterhaltung“: Harry verriet US-Talkerin Oprah Winfrey seine Enttäuschung über Prinz Charles, Meghan sprach über Suizidgedanken.

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2 min
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Für den Palast hätte es schlimmer kommen können. Nicht, was die Vorwürfe angeht, die Meghan Markle und Prinz Harry im Interview mit Oprah Winfrey vorgebracht haben, die Keulen hätten nicht brutaler geschwungen werden können, aber der Auftritt der beiden hat selbst bei eingeschworenen Meghan-Fans für Verstörung gesorgt.

[Lesen Sie hier eine Zusammenfassung des Interviews von Meghan und Harry.]

Meghan berichtet über Selbstmordgedanken

Dass der Palast ein starres, naturgemäß erzkonservatives "Konstrukt" ist - ein Wort, das Meghan verwendet hat: geschenkt. Dass es dort mit Sicherheit jede Menge Vorurteile gegenüber Meghan Markle, einer geschiedenen, schwarzen, amerikanischen B-Schauspielerin gab, auch. Vermutlich ist auch Prinz Philip nicht der einzige, der dort rassistische Kommentare macht. Das ist schlimm, aber leider nicht verwunderlich. Schon gar nicht sollte es das für Harry sein. 

Es brauchte aber angeblich Meghans Verzweiflung, den unterdrückten Freiheitsdrang einer Amerikanerin, um dem Prinzen klarzumachen, wie gefangen er ist "im System", auch sein Vater und Bruder seien das übrigens, sagt Harry. Bejammernswerte, wohin man schaut.

Meghan behauptet, vor Eintritt in die Familie nicht gewusst zu haben, wie wichtig die Queen ist, wie überwacht ihr Leben sei und wie wenig ihr gleichzeitig geholfen werden würde. Selbst die Worte für die Nationalhymne habe sie sich selbst bei Google suchen müssen, um mitsingen zu können. Selbstmordgedanken habe sie gehabt - und doch keine Hilfe bekommen. Besonders erschütternd, wenn man bedenkt, dass Harry, William, Kate und sie selbst gemeinsam einen Textmessage-Service ins Leben gerufen haben, um psychisch belasteteten Menschen zu helfen.

Die Aussteiger Harry und Meghan bestimmen noch immer die Schlagzeilen bei den Windsors. Ihre Zukunft scheint ungewiss. Das neue Leben der Sussex' wird auch die Monarchie verändern.

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Wie eine späte Rache der verstorbenen Diana

Die Parallelen zu Prinzessin Diana sind weder zufällig noch versteckt. Harry hatte Angst, dass "Geschichte sich wiederholt". Und behauptet, alles sei gut gewesen, bis die Australien-Reise von Meghan und ihm zu erfolgreich geriet, "die ganze Familie sah, wie unglaublich gut sie (Meghan) den Job machte. Und das hat alte Erinnerungen geweckt."

Die Opferhaltung, das demonstrativ Naive, Gutartige, Begabte, im Gegensatz zum kalten System der Firma, der Traditionen und der Hierarchie, all das wirkt wie eine späte Rache der verstorbenen unglücklichen Prinzessin durch ihren Sohn und ihre Schwiegertochter.

Verstärkt wird dieser Eindruck durch die besonders massive Attacke auf Prinz Charles. Harry sagt mehrfach, sein Vater habe ihn sehr verletzt und er fühle sich und Archie von ihm im Stich gelassen. Auch hier werden alte Erinnerungen wach, es klingt als spräche Harry immer weiter für seine Mutter.

Vorwurf des Rassismus

Das Opfer-Narrativ wird noch erweitert um den Vorwurf des Rassismus, die andere große Linie des Interviews. Das, was Diana durchgemacht hat, so wie Meghan die eigentliche Prinzessin der Herzen, war schlimm genug, Meghan aber sei zusätzlich noch rassistischen Angriffen aus Medien und Palast ausgesetzt gewesen.

Tatsächlich haben mehrere Zeitungskommentare offen rassistische Kommentare über Meghan gemacht, gab es Hass-Mails und Todesdrohungen, zurecht zeigen sich die beiden schockiert, wenn es in Meghans Schwangerschaft ständig um den "Titel für das Baby, Sicherheitsvorkehrungen und seine mögliche Hautfarbe" ging.

Wer genau diese Diskussionen geführt hat, wollten sie aber nicht verraten. Im Interview schien es, als sei die Wut der beiden werdenden Eltern besonders darüber in Wallung geraten, dass Archie keinen Prinzentitel und daher auch keinen Personenschutz bekommen sollte.

Der Rassismus-Vorwurf Meghans "gegenüber dem britischen Königshaus, also gegenüber einer Institution, die die Staatsspitze repräsentiert in einer multikulturellen Gesellschaft" sei "heftig", so ZDF-Adelsexpertin Julia Melchior.

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Reaktionen des Palasts und Boulevards erwartet

Zu all dem muss und wird der Palast sich äußern. Das Interview erschüttert einmal mehr das Bild vom Königshaus, stellt die Frage, was das alles noch soll. Charles und William werden sich entschieden wehren wollen. Angesichts der fehlenden Selbstreflexion von Meghan und Harry, die Privilegien offensichtlich normal, dafür zu erfüllende Aufgaben und einzugehende Kompromisse aber als Zumutung betrachten, sollte die Replik leicht fallen.

Die Schlagzeilen des Boulevards kann man schon ahnen. Sie haben Meghan erst hochgejubelt und machen sie nun als Verräterin fertig, die dem armen Prinzen den Kopf verdreht hat. Wahr ist: Ohne Presse kein Königshaus, ohne Presse, wie eben jetzt bei Oprah Winfrey keine Berühmtheit und also auch keine lukrativen Verträge mit Netflix und Spotify.  Die beiden sind eben keine armen Verwandten, sondern haben sich vom noch auf sie fallenden Restlicht des Königshauses ein Vermögen zusammenorganisiert.

Es gab noch so einige andere Highlights in diesem insgesamt schwer erträglichen Interview. Die große Märchenhochzeit im Mai 2018 etwa war nichts als Show, die eigentliche Trauung hatten die beiden schon drei Tage vorher absolviert, nur für sich. Das nächste Kind wird ein Mädchen sein, erfuhren die vielen Millionen Zuschauer und: Dass es noch mehr Enthüllungen gibt, die Oprah Winfrey heute Morgen (US-amerikanischer Zeit) preisgeben will. Ein Happy Ending ist nicht in Sicht.

"Es wird spannend, wie die Königsfamilie darauf reagieren wird", so ZDF-Korrespondent Andreas Stamm in London. Das Interview sei ein „Schlag in die Magengrube“ und könnte die britischen Schlagzeilen dominieren.

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Boris Johnson könnte profitieren

Während viele Briten mitleidig an ihre alte Queen denken, deren Mann fast 100-jährig nach einer Herzoperation im Krankenhaus liegt, und die mit ihren Nachkommen wahrlich schon genug Sorgen hatte, kann sich einer freuen: Boris Johnson. Anstatt über die Wut des medizinischen Personals zu berichten, dem die Regierung nach dem Covid-Jahr demütigende ein Prozent Gehaltserhöhung versprochen hat oder darüber, dass Großbritannien seine Entwicklungshilfe zusammenstreicht, während im Jemen die Kinder verhungern und Johnsons Partnerin gleichzeitig die Downing Street für zwei Millionen Pfund umdekorieren lässt, wird die Nation nun vor allem über das Interview von zwei Menschen sprechen, die sich als Kämpfer für die Freiheit geben und dabei ordentlich Kasse machen.  

Diana Zimmermann leitet das ZDF-Studio in London. Der Autorin auf Twitter folgen: @dianayz

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