ZDFheute

Wenn die Geburt zum Trauma wird

Sie sind hier:

Hilfetelefon eingerichtet - Wenn die Geburt zum Trauma wird

Datum:

Eine Geburt kann für Frauen eine schwere Bürde sein, die sie mit durchs Leben schleppen. Oft im Verborgenen. Eine Anlaufstelle will helfen.

Archiv: Eltern im Kreißsaal, aufgenommen am 15.11.2004
Viele Frauen erleben die Geburt ihres Kindes als belastend und schwierig.
Quelle: imago

Es sind Sätze wie "Stell dich nicht so an, Geburten sind nun mal so", die Katharina Desery wütend machen. "Frauen berichten uns immer wieder, dass sie in ihrem Umfeld häufig auf Unverständnis stoßen, wenn sie von Problemen bei der Geburt erzählen", sagt die Vorständin der Bundeselterninitiative Mother Hood. Vor allem zeigt das Verhalten für sie: Das Thema "schwierige Geburt" ist ein gesellschaftliches Tabu.

Geburt als traumatisches Erlebnis

"Nach wie vor ist die Forschungslage unbefriedigend, und es fehlt die Sensibilität für die möglichen psychischen Folgen einer Geburt", kritisiert Desery.

Schätzungen der Internationalen Gesellschaft für prä- und perinatale Psychologie und Medizin (ISPPM) zufolge erleben rund 20 bis 50 Prozent der Frauen die Geburt ihres Kindes als belastend, schwierig oder sogar traumatisch.

Im Kreißsaal werden die Bedürfnisse der Frauen oft außer Acht gelassen.
Katharina Desery, Bundeselterninitiative Mother Hood

Für viele Frauen seien medizinische Eingriffe ohne Erklärung oder mangelnde Begleitung sehr problematisch. Denn die Folgen einer schwierigen Geburt können für Mutter, Kind und die Eltern als Paar gravierend sein.

Immer wieder erleben Mütter Gewalt bei der Geburt ihrer Kinder. Bislang wurde dieses Problem wenig untersucht. Eine Studie aus Berlin will das jetzt ändern.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Hilfetelefon als wichtige Anlaufstelle

Selbstzweifel der Mutter, die Geburt nicht "gemeistert" zu haben, Bindungsstörungen zum Kind bis hin zur Posttraumatischen Belastungsstörung: Befinden sich Frauen in einer solchen Situation, gibt es für sie nun eine erste Anlaufstelle.

Als bislang deutschlandweit einzigartiges Angebot haben die Vereine Mother Hood und isppm jetzt das ehrenamtliche Hilfetelefon gestartet. "Wir möchten Wege aus einer möglichen Krise aufzeigen, die mit der Geburt zusammenhängt und damit helfen, das Erlebte verarbeiten zu können", betont Desery.

Frau stärken, statt falsche Erwartungen zu schüren

Die Hebamme Susann Uttrodt will es dagegen erst gar nicht so weit kommen lassen: "Bei immer mehr Frauen geht leider das Gefühl verloren, ihrem Körper zuzutrauen, dass er eine Geburt gut durchstehen kann. Dieses Bewusstsein zu stärken, ist aber wichtig, um nicht von vornherein in einer Situation des Sich-Ausgeliefert-Fühlens zu verharren."

Einen entscheidenden Grund für diese Entwicklung sieht die Hebamme in den klischeehaften Bildern, mit denen Frauen in Hochglanzmagazinen oder in Wohlfühlblogs überflutet werden:

Die Geburt wird dort allzu oft als sanftes und wunderschönes Ereignis dargestellt. Das weckt bei Frauen falsche Erwartungen.
Susann Uttrodt, Hebamme

Keine Geburt ohne Schmerzen

Denn die Realität ist eine andere, so Uttrodt, die seit mehr als 22 Jahren in der Geburtshilfe tätig ist: "Eine Geburt ist natürlich immer auch mit harter Arbeit und Schmerzen verbunden. Darauf müssen wir die Frauen vorbereiten und sie stärken, ihren Empfindungen Ausdruck zu verleihen."

Die Kritik, dass medizinische Eingriffe zu oft ohne Erklärung erfolgen, ist ihr zu pauschal: "Bei einer komplizierten Geburt gibt es leider immer wieder Momente, in denen es auf jede Sekunde ankommt, um das Leben der Mutter und des Neugeborenen zu schützen."

Dennoch begrüßt Uttrodt das neue Hilfetelefon: "Viele Frauen schlucken es leider allzu oft herunter, wenn sie die Geburt nachhaltig beschäftigt, obwohl sie eigentlich darüber reden wollen."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.