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Stauffenberg-Enkelin - Hitler-Attentat war "richtig und wichtig"

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Fast 80 Jahre nach dem missglückten Hitler-Attentat trifft die Tochter des einzigen zivilen Opfers die Enkelin des Täters. Beide sind einig: Stauffenbergs Intention war richtig.

Am 20. Juli 1944 versuchte Offizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Führerhauptquartier Wolfsschanze Adolf Hitler zu töten. Fast 70 Jahre später treffen sich die Stauffenberg-Enkelin und die Tochter eines zivilen Attentat-Opfers.

Beitragslänge:
2 min
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20. Juli 1944. Es ist 12.42 Uhr, als in der "Wolfschanze" die Bombe explodiert. Der Sprengsatz, den Claus Schenk Graf von Stauffenberg zündete, sollte Adolf Hitler töten. Doch der Diktator überlebte. Vier Menschen starben. Darunter Heinrich Berger. Stenograf, 39 Jahre alt, Vater von drei Kindern. Er war als erster tot. Nun trifft die Tochter des einzigen zivilen Opfers die Enkelin des Attentäters.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

77 Jahre nach dem gescheiterten Attentat fahren wir zu Dorothea Johst (79) in ihre Heimatstadt Erfurt. Sie war zwei, als ihr Vater ums Leben kam, weil Graf von Stauffenberg, der Großvater von Sophie von Bechtolsheim (53) die Bombe zündete. Dorothea Johst ist die Tochter des getöteten Stenografen.

Ein Mann, der nie in den Schlagzeilen war, allenfalls als Randfigur. Heinrich Berger war kein Militär, kein NSDAP-Mitglied, aber ein hervorragender Stenograf. Schillers "Glocke" konnte er auf eine Briefmarke stenografieren. Bergers Schicksal: Er war zur falschen Zeit am falschen Ort.

Beide einig: Hitler-Attentat war notwendig

Die beiden Frauen begrüßen sich herzlich. Vor gut einem Jahr hatten sie sich persönlich kennengelernt. Sie wussten nichts voneinander. Die Tochter des Opfers und die Enkelin des Attentäters. Ob Dorothea Johst Probleme mit einem Treffen mit Stauffenberg-Enkelin von Bechtolsheim hat? "Nein. Die Begegnung ist wunderbar."

Ich hatte nie irgendwelchen Groll gegen die Familie Stauffenberg. Warum auch?
Dorothea Johst, Enkelin des zivilen Attentat-Opfers

Für die rüstige Erfurterin war Hitler der Mörder ihres Vaters, nicht Stauffenberg. "Es war Schicksal, dass die Bombe gestartet wurde."

Es war notwendig. Ich bedauere sehr, dass es missglückt ist, nicht wegen meines Vaters, sondern es war dringend notwendig gewesen, Hitler zu beseitigen.
Dorothea Johst
Dorothea Johst mit ihrem Vater Heinrich Berger
Dorothea Johst mit ihrem Vater Heinrich Berger.
Quelle: ZDF

Ist der Tyrannenmord gerechtfertigt, auch wenn er Unschuldige das Leben kostet? Diese Frage beschäftigt die große Familie Stauffenberg bis heute.

Enkelin Sophie sagt zu Dorothea Johst: "Es ist ein ganz großes moralisches Dilemma. Deswegen berührt mich das zutiefst, dass Frau Johst das genauso sieht wie ich - nämlich, dass diese Tat notwendig war."

Getöteter Stenograf lehnte Regime innerlich ab

Dieser Gewissenkonflikt war für die Historikerin von Bechtolsheim in der Theorie stets präsent, aber mit Dorothea Johst bekam die Theorie ein Gesicht. Beim Attentat starben außer ihrem Vater drei hohe Offiziere. Diese wurden posthum befördert und mit einem Staatsbegräbnis geehrt.

Archiv: Blick auf eine Gedenktafel für die Hinrichtungsopfer vom 20. juli 1944 in der Gedenkstätte deutscher Widerstand im Bendlerblock.

Gedenken an Widerstand - "Man sollte sie nicht zu Helden machen" 

Sie wollten Hitler töten, doch es misslang: Heute wird an den deutschen Widerstand 1944 erinnert. Philipp von Schulthess, Enkel von Graf von Stauffenberg, hält die Gedenkrede.

Dorotheas Mutter widersetzte sich, erzählt die Tochter: "Sie wollte nur ein normales Begräbnis. Sie hat ausdrücklich darum gebeten, dass da kein Aufmarsch oder irgendwas passiert. Das kam für sie überhaupt nicht in Frage - irgendwie da eine politische Show abzuziehen."

Stenograf Heinrich Berger, der jedes Wort Hitlers mitschrieb, aber dessen Regime innerlich ablehnte, fand seine letzte Ruhe in Cottbus. Attentäter Stauffenberg wurde noch in der Nacht des gescheiterten Putsches im Berliner Bendlerblock erschossen. Seine Asche wurde über Rieselfelder verstreut.

Trotz Scheitern Stauffenbergs - 20. Juli sei "Tag der Hoffnung"

Beide Männer, Täter und Opfer, starben am 20. Juli 1944. Doch dieses Schicksal trennt die Frauen nicht. Im Gegenteil. Gemeinsam sagen sie: Das Attentat war richtig und wichtig. Sie betonen heute: Hitler darf sich nie wiederholen.

Countdown zum Untergang: Das lange Ende des Zweiten Weltkrieges - September 1944: Menschen laufen durch Trümmer.

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Stauffenberg-Enkelin von Bechtolsheim ergänzt: "Faktisch ist es natürlich der Tag, der als Scheitern in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Aber die historische Bedeutung des 20. Juli ist tatsächlich ein Tag der Hoffnung." Dorothea Johst nickt. Ich frage nach.

Hegt sie wirklich keinen Groll auf den Mörder ihres Vaters? "Absolut nicht. Warum auch? Entscheidend war wirklich, dass endlich dieser Wahnsinn aufhörte. So habe ich das von Anfang an gesehen, dass endlich Schluss ist mit diesem 'Dritten Reich' und diesen Kriegen und dem Morden in den KZs." Dorothea Johst wischt sich eine Träne aus den Augen. Dann lächelt sie der Enkelin von Hitler-Attentäter Stauffenberg zu.

[Folgende Doku fasst die Geschehnisse des 20. Juli zusammen:]

Die Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur ist zugleich die Geschichte des mutigen Widerstands gegen das Regime. So auch das Attentat von Stauffenberg am 20. Juli 1944.

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44 min
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