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Betroffene des Hochwassers - "Mein Sohn wäre fast ertrunken"

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Szenen wie aus einem Katastrophenfilm: Wie geht es Betroffenen des Hochwassers im Westen? Stimmen aus dem besonders betroffenen Ahrtal und aus Erftstadt.

Helfer der Wasserwacht untersuchen von einem Boot aus Lastwagen, die auf der überfluteten Bundesstraße 265 stehen.
Helfer der Wasserwacht untersuchen von einem Boot aus Lastwagen, die auf der überfluteten Bundesstraße 265 stehen.
Quelle: dpa

An der Stelle, an der die Welt zu enden scheint, riecht es nach Benzin und Erde. Braun und ölig ergießt sich Wasser von der Radmacher Straße in Blessem, einem Teil von Erftstadt, in einen riesigen Schlund. Die Straße: einfach abgebrochen. Die Häuser: zum Teil eingestürzt.

Das Unwetter im Westen und Südwesten von Deutschland hat in den vergangenen Tagen viele dramatische Bilder hervorgebracht. Nur wenige aber sind so eindrücklich wie die Luftaufnahmen aus Erftstadt-Blessem, in dem ein Erdrutsch Häuser und Wege wegspülte.

In Erftstadt kam es zu massiven Erdlöchern nach Unterspülungen. Etliche Häuser sind eingestürzt. An der Steinbachtalsperre ist weiterhin unklar, ob der Damm halten wird. Das Gebiete wurde weiträumig evakuiert.

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3 min
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"Dieses Riesenloch", sagt Karl Berger aus Erfstadt

Nur wenige Schritte entfernt von der Abbruchkante steht Karl Berger vor seinem Geburtshaus. Er ringt um Fassung. "Dieses Riesenloch", sagt er, dann kippt die Stimme. Er kenne viele Menschen, die dort lebten. Bis zum Freitagmittag war unklar, wie viele Opfer es gab. Die Lage war extrem unübersichtlich.

"So hoch war das Wasser noch nie gewesen", sagt Berger, während immer noch braune Brühe aus dem Hof hinter ihm schwappt und seine Trekkingsandalen umspült. Am Donnerstag sei die Erft - eigentlich "ein juter Fluss" - stetig angeschwollen. "Dann kam das Wasser innerhalb von kurzer Zeit", sagt Berger, Vorsitzender eines örtlichen Bürgerforums.

Und dann lief der Ort schon über die Gärten voll.
Karl Berger, Vorsitzender Bürgerforum in Erftstadt

An den Hauswänden ist noch zu sehen, bis wohin die Welle schwappte. Bis auf Augenhöhe klebt der Dreck an den Mauern.

Karl Berger steht in der Nähe seines Geburtshauses in Erftstadt-Blessem im Wasser. Der Ort, ein paar Kilometer entfernt von Köln, ist vom Hochwasser besonders verheerend getroffen worden.
Karl Berger steht in der Nähe seines Geburtshauses in Erftstadt-Blessem im Wasser.
Quelle: dpa

Historisches Hochwasser

In den 60er Jahren habe es schon mal Hochwasser gegeben, sagt Berger, selbst Jahrgang 1956. Aber nicht so eins. Der Ort verlebte bis 2021 ganz gute Jahrzehnte. Nun ist die Bundeswehr da, auf der Straße liegen Geröll und mitgerissene Habseligkeiten. Fast überall ist Benzin im Wasser.

Am Ort führt die Autobahn 1 vorbei, eine Lebensader der Bundesrepublik Deutschland. Direkt daneben verläuft die Erft. Auch hier ereignet sich Dramatisches. Stück um Stück frisst sich der Fluss am Freitag in das Land, unterspült Wiesen und Wege am Ufer. Irgendwann gibt auch die Autobahn nach und rutscht zum Teil und mit lautem Krach in die Flut.

In Erftstadt-Blessem südlich von Köln sind mehrere Häuser nach dem Hochwasser eingestürzt. ZDF-Korrespondent Alexander Roettig über die Lage vor Ort.

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"Ich kannte so etwas nur aus dem Fernsehen"

"Ich bin 25 Jahre alt, ich kannte so etwas nur aus dem Fernsehen", sagt Patrick Hüster. Er wohnt in einem anderen Teil von Erftstadt - aber da hielt er es nicht mehr aus. Er musste es sich selbst ansehen.

Am Abend zuvor ist in seinem Haus der Keller vollgelaufen. Mit drei Telefonen habe man sechs Stunden lang versucht, die Feuerwehr zu erreichen, bis jemand am Hörer war. Nichts ging mehr. Klar, er habe vorher Unwetter-Videos auf Instagram gesehen, sagt Hüster.

Aber da dachte ich: Ach, das ist so viele Kilometer entfernt.
Patrick Hüster aus Erftstadt

Ahrtal: "Das hat so gerauscht wie die Niagarafälle"

Neben Erftstadt in Nordrhein-Westfalen ist auch der Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz eine der am schwersten von der Katastrophe betroffenen Region. Wie viele Menschen ihr Hab und Gut verloren haben und vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, ist noch nicht abzuschätzen. Überall sind Menschen mit verschlammten Kleidern und in Gummistiefeln dabei, das Schlimmste zu beseitigen.

In Sinzig hilft Beate Eggert in roten Gummistiefeln ihrem Schwager bei den Aufräumarbeiten. "Das hat so gerauscht wie die Niagarafälle", berichtet sie über die Nacht zum Donnerstag. "Eine Freundin von mir hat alles verloren, sie hat jetzt sogar geborgte Klamotten."

Mein Gefühl ist, dass der materielle Schaden zwar kräftig ist, aber die psychische Hilflosigkeit ist viel schlimmer.
Beate Eggert in Sinzig

Schuld in Rheinland-Pfalz ist der von den Überschwemmungen am schwersten betroffene Ort. ZDF-Korrespondent Bobby Cherian über die Lage vor Ort.

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Überlebenskampf in den Fluten

Strom, Wasser und Gas funktionieren in vielen Teilen des Kreises auch am Freitag noch nicht wieder. Inge Fleischmann aus Sinzig hat zusammen mit Nachbarn fünf Waschmaschinen organisiert - für die völlig verschmutzte Kleidung der Anwohner. Beim Blick auf die Zerstörungen fühlt sich die 59-Jährige an den Zweiten Weltkrieg erinnert.

"Mein Sohn wäre fast ertrunken", berichtet Fleischmann.

Er ist in der Nacht zum Donnerstag aufgewacht, hat Wasser rauschen gehört, hatte keinen Strom mehr, wollte noch etwas Wichtiges mitnehmen, aber dann ist die Eingangstür geplatzt und das Wasser eingedrungen. Dann ist er nur noch raus.
Inge Fleischmann aus Sinzig

Geschafft habe er das nur, weil er "so gut durchtrainiert" sei.

In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zeigen sich verheerende Schäden und Verluste. Es gibt viele Tote und weiterhin Vermisste. Die Beseitigung der Schäden wird Jahre dauern.

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Erst Corona-Krise - und jetzt das Hochwasser

"Die Corona-Krise haben wir erst überstanden, und jetzt kommt schon die nächste Krise", sagt Susanne Stiepel, Mitarbeiterin eines Hotels in Bad Breisig. In dem großen Veranstaltungssaal seien am Donnerstag vorübergehend fast 500 Menschen untergekommen, die ihre Häuser verlassen mussten. "Bei uns im Hotel kommen am laufenden Band Absagen herein. Das ist schade, aber ich kann es verstehen", sagt sie.

Man fühlt sich hier ja wie ein Katastrophentourist.
Susanne Stiepel in Bad Breisig

Kein Strom, kein Handynetz und die Zerstörungen: Stiepel fallen dazu Katastrophenfilme aus Hollywood ein.

Alles aktuelle zur Lage rund um das Hochwasser im Westen des Landes lesen Sie auch in unserem Blog:

Unwetter in Nordrhein-Westfalen
Liveblog

Tote, Verletzte, Vermisste - Unwetter-Katastrophe in Deutschland  

Deutschland kämpft mit den Folgen der schweren Regenfälle in einigen Teilen Westdeutschlands. Hier die Ereignisse zum Nachlesen.

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