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Interview

Nach Hochwasser in Ahrweiler - Abwasserverband "Untere Ahr": Mission Klärung

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Nach der Hochwasser-Katastrophe muss der Leiter der Kläranlage das Abwasser schnell reinigen. Ein Problem: Es kommt nicht in seinem Werk an, weil Kanäle zerstört sind.

Kläranlage Sinzig
Kläranlage Sinzig vor der Hochwasser-Katastrophe. Wichtige Elektronik stand unter Wasser und funktioniert noch nicht, berichtet Werkleiter Laux.
Quelle: azv-untere-ahr.de

Seit der Hochwasserkatastrophe fließt Abwasser ungeklärt in die Ahr. ZDFheute konnte mit dem Leiter der Kläranlage des Abwasserverbands "Untere Ahr" sprechen. Normalerweise sorgt Marco Laux dafür, dass das Abwasser von sechs Kommunen gereinigt wird - doch in Sinzig, Bad Neuenahr-Ahrweiler und Altenahr sind viele Kanäle zerstört - und auch die Kläranlage selbst stand unter Wasser.

ZDFheute: Vor der Unwetter-Katastrophe ist Abwasser durch Kanäle zu Ihnen in die Anlage geflossen und wurde dort geklärt. Wie gut geht das noch?

Marco Laux: Wir können das Abwasser im Moment nur ganz grob reinigen.

Wir haben das Problem, dass viele Kanäle, die an oder unter der Ahr liegen, unterbrochen oder zerstört sind.
Marco Laux, Werkleiter Kläranlage Sinzig

Wir erhalten deshalb deutlich weniger Abwasser.

In der Kläranlage selbst ist die Elektronik und Maschinentechnik weitgehend zerstört, weil Wichtiges bei uns einen halben Meter unter Wasser stand. Seit gestern haben wir wieder Strom, davor haben wir uns mit einem Notstrom-Aggregat geholfen.

Aber wir haben noch keine Telefonleitung, kein Wasser, kein Gas.
Marco Laux, Werkleiter Kläranlage Sinzig

In den vom Hochwasser getroffenen Orten türmt sich der Müll. Diese Massen können nicht schnell genug entsorgt werden. Es droht eine Rattenplage. Auch das Vermischen von Grund- und Abwasser birgt eine Gefahr.

Beitragslänge:
2 min
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ZDFheute: Welche Klär-Schritte funktionieren - welche noch nicht?

Laux: Bei der Klärung kommt als erstes die mechanische Grundreinigung. Die funktioniert bei uns. Über Grob- und Feinrechen können wir Teile aus dem Abwasser holen, die größer als fünf Millimeter sind.

Qtips, Knochen, Essensreste - die Leute werfen ja Vieles in die Toilette. Das bleibt bei den Rechen hängen und wird rausgefischt.
Marco Laux, Werkleiter Kläranlage Sinzig

Auch den Sand- und Fettfang konnten wir wieder in Betrieb nehmen. Da setzen sich kleinere Steine und Sand unten ab - also Teile, die schwerer als Wasser sind. Öle und Flüssigkeiten, die leichter als Wasser sind, werden dann oben im Fettfang gesammelt. Das sind aktuell die Schritte, die wir machen können.

Als nächstes kommt dann die Vorklärung, die geht noch nicht. Da zieht man den ersten Schlamm mit einem Räum-Schild ab. Danach würde die biologische Reinigung folgen, da sind etwa Bakterien drin, da passiert der Stickstoffabbau. Danach kommt die Nachklärung, da nimmt man Phosphate raus. Danach könnte man das Abwasser wieder ausleiten.

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Interview

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ZDFheute: Die Kläranlage reinigt das Abwasser immerhin grob. Schlimmer dürfte sein, wenn Abwasser direkt in die Ahr fließt. Noch ist unklar, wie belastet der Fluss ist, sagte ein Sprecher der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord der dpa. Er rät: Kein Kontakt mit Ahr-Wasser, wenn nicht zwingend nötig. Und wenn, dann solle man Handschuhe und wasserdichte Kleidung tragen. Selbst die Polizei-Taucher lassen mitunter erst Wasserproben untersuchen, bevor sie nach Vermissten suchen, um sich nicht selbst zu gefährden. Was kann denn passieren?

Laux: Im Abwasser sind auch immer Bakterien und Keime. Uns wird hier gesagt, dass die Leute nochmal ihren Impfstatus prüfen sollen, ob man etwa gegen Hepatitis und Tetanus geschützt ist.

Karte: Hochwassergebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz
Karte: Hochwassergebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz
Quelle: ZDF

ZDFheute: Was kann man als Anwohner*in tun?

Laux: Ich möchte den Leuten nicht vorschreiben, dass Sie Wasser sparen sollen. Aber sie wissen, dass all das, was sie produzieren, teilweise direkt ins Gewässer geht.

Jeder muss für sich selbst entscheiden: Gehe ich vielleicht nur zwei Mal die Woche duschen? Aber man kann das den Leuten nicht vorschreiben.
Marco Laux, Werkleiter Kläranlage Sinzig

Und natürlich müssen die Kanäle repariert und in Stand gesetzt werden, damit das Abwasser wieder regulär zu uns fließt und geklärt werden kann. Das kann im schlimmsten Fall noch Monate dauern.

Das Interview führte Julia Klaus.

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