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Hochwasser und Corona - Droht nach der Flut der Superspreader-Gau?

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Nach der Flutkatastrophe sehen die betroffenen Länder die Gefahr erhöhter Corona-Risiken. Wie gefährlich ist die Lage - und wie können sich die Betroffenen schützen?

Anwohner laufen durch Ahrweiler durch Unrat und aufgetürmte Einrichtungsgegenstände aus den zerstörten Häusern und Wohnungen am 18.07.2021
Nach der Hochwasser-Katastrophe wächst in den betroffenen Gebieten auch die Sorge vor unkontrollierten Corona-Ausbrüchen.
Quelle: picture alliance / AA

Es ist kaum vorstellbar, was die Menschen nach den Hochwassern ertragen müssen. Mindestens 170 Tote, Hunderte Verletzte und Vermisste, Schäden in Milliardenhöhe. Und nun warnen die Behörden vor einem Corona-Ausbruch in den betroffenen Gebieten. Droht nach der Hochwasser- nun die Superspreader-Katastrophe?

Die Bedingungen zumindest sind günstig für das Virus: Viele Menschen, die zusammen in engen, schlecht belüfteten Räumen zusammenarbeiten, schwere körperliche Tätigkeiten ausüben - beispielsweise Keller ausräumen oder abpumpen - und womöglich weder Mund-Nasen-Schutz tragen noch Mindestabstände einhalten.

Expert*innen: Infektionsgefahr ist erhöht

Die Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz mahnte am Dienstag bereits davor, dass die Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event werde. Wie gefährlich also ist die Lage für Anwohner*innen und Helfende?

Expertinnen und Experten sind sich einig: Ein erhöhtes Infektionsrisiko ist da.

Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich die Bilder von Menschen ohne Maske und Abstand sehe.
Professorin Frauke Mattner, Institut für Hygiene der Kliniken der Stadt Köln

Die Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin und Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie hat Verständnis für die Situation der Betroffenen und ihr Schicksal. Gleichzeitig mahnt sie aber zur Vorsicht - ein Superspreader-Event hält sie nicht für ausgeschlossen.  

Besonders die schwere körperliche Arbeit bei den Aufräumarbeiten empfindet sie als großes Risiko: "Ein Superspreader-Event kann immer dann vorkommen, wenn die körperliche Aktivität hoch ist und jemand infiziert ist." Wenn also zusammen beispielsweise ein schwerer Gegenstand getragen wird und kein Abstand eingehalten werden kann - oder aber in der Pause zusammen gegessen wird. "Erst wird geschwitzt, dann sitzt man zusammen und entspannt sich, lacht vielleicht. Da werden irre viele Tröpfchen freigesetzt", so Mattner.

Tote, Verletzte, Vermisste, überflutete Dörfer, eingestürzte Häuser: Weite Teile im Westen Deutschlands kämpfen mit den Folgen der schweren Regenfälle.

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Auch Professor Martin Exner sagt: "Ein erhöhtes Infektionsrisiko ist nicht auszuschließen." Der Hygieniker ist der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und Berater der Bundesregierung - und auch er sieht die körperliche Arbeit mit hoher Atemtätigkeit in direkter Nähe zu anderen Menschen als eine erhöhte Infektionsgefahr.

Corona-Schutz: Maske auf und Abstand halten

Beide Expert*innen drängen deshalb auf die Einhaltung der bekannten AHAL-Regeln. Vor allem Abstand, wo es geht, und ein Mund-Nasenschutz würden das Risiko erheblich verringern. "Die Sorge um das Coronavirus steht bei den Betroffenen nicht an oberster Stelle, das kann ich verstehen", sagt Martin Exner. Trotzdem - oder gerade deshalb - müsse die Bevölkerung sensibilisiert werden. Er mahnt zwar zur Vorsicht, warnt gleichzeitig aber auch vor Panikmache.

Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden vom Dauerregen besonders schwer getroffen.

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Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Professorin Martina Sester, Immunologin am Universitätsklinikum des Saarlandes. Natürlich sei ein Risiko da. Sie glaubt im Gegensatz zu Professorin Mattner aber nicht an ein Superspreader-Event: "Es ist unwahrscheinlich, dass die Katastrophe zu einem Superspreader-Event wird und eine neue Welle schürt." Ein Grund: die Lage sei zwar verheerend - aber regional und nicht flächendeckend.

Wichtigster Faktor für alle Expert*innen: die Impfquote in der Bevölkerung. Nicht alle seien vollständig geimpft, weshalb es nun umso wichtiger sei, die Menschen aus den betroffenen Gebieten schnell zu impfen, sagt Martin Exner. Die rheinland-pfälzische Landesregierung setzt aus Sorge vor einer Corona-Ausbreitung im stark betroffenen Ahrtal beispielsweise Impfbusse und mobile Impftrupps ein. Geimpft ist es zwar nicht ausgeschlossen, an Covid zu erkranken - das Risiko für einen schweren Verlauf aber erheblich niedriger.

Markus Wipperfürth hilft seit Tagen freiwillig bei den Aufräumarbeiten in den Flut-Gebieten. Er lobt vor allem, wie die Helfer*innen zusammenhalten.

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Warnung vor anderen Infektionskrankheiten

Das Wasser selbst ist mit Blick auf Corona keine Gefahr. Kontaminiertes Trinkwasser spielt aber eine große Rolle, wenn es um andere Krankheiten geht. Wenn Wasserleitungen beschädigt wurden, können sich beispielsweise Salmonellen und Hepatitis-A-Viren verbreiten, warnen die Expert*innen.

Deshalb sollte das Trinkwasser im Zweifelsfall abgekocht werden. In den betroffenen Gebieten wird das Wasser teilweise auch von den Wasserwerken chloriert. Ansonsten gilt: Handschuhe und Gummistiefel, regelmäßiges Waschen sowie desinfizieren ist Pflicht, so die Expert*innen.

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