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Wie wir Flüsse bändigen können - Hochwasserschutz: Mix aus Technik und Natur

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Aktuell sind die Pegel vieler Flüsse in Deutschland stark erhöht. Doch Überschwemmungen lassen sich durch guten Hochwasserschutz verhindern, erklärt Professor Axel Bronstert.

Die Flut kommt! In den nächsten 25 Jahren sind in Deutschland siebenmal mehr Menschen von Überflutungen bedroht als heute. Davor warnt eine Studie des Potsdamer Instituts für Klimawandel.

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ZDFheute: Herr Bronstert, aktuell treten viele Flüsse in Deutschland über die Ufer. Haben wir heute mehr Hochwasser als früher?

Axel Bronstert: Da muss man regional unterscheiden. Es gibt einige Analysen, die zeigen, dass Hochwasser-Ereignisse in Deutschland an den großen Flüssen seit 1950 zugenommen haben. Vor allem in West- und Süddeutschland. In einigen Gebieten Ostdeutschlands dagegen nimmt die Anzahl der Hochwasser vermutlich sogar ab.

ZDFheute: Warum ist das so?

Bronstert: Zum einen ist das Klima im Osten kontinentaler. Hier regnet es grundsätzlich weniger. Ein anderer Grund ist aber höchstwahrscheinlich auch die Veränderung des Klimas, was gerade im Winterhalbjahr in maritim geprägten Regionen zu mehr Niederschlag führt.

Ganz genaue Prognosen können wir noch nicht treffen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es häufiger stärkere Hochwasser-Ereignisse an Rhein und Donau geben wird - die ist schon gegeben. Das hat die letzten Jahrzehnte schon zugenommen und wird weiter zunehmen.

ZDFheute: Zum Schutz vor den Wassermassen gibt es verschiedene Maßnahmen. Darunter Fluttore und Deiche, aber auch die Renaturierung von Flüssen. Was ist sinnvoll?

Bronstert: Bei Hochwasserschutz-Maßnahmen muss man zwischen technischen und nicht-technischen unterscheiden. Deiche entlang der Flüsse, Fluttore, große Rückhalte-Becken - das ist traditioneller Hochwasserschutz, der schon früher gemacht wurde und auch heute noch gemacht wird. Wichtig ist, dass die Anlagen gut unterhalten werden.

Kaninchen und Maulwürfe graben nicht selten Löcher in die Deiche. Bleiben sie unentdeckt, dringt Wasser ins Innere, sickert durch und kann dazu führen, dass der Deich bei Hochwasser bricht. An der Elbe ist das 2002 zum Beispiel passiert. [Im Video: Wie sich eine Mäuseplage auf die Deichsicherheit auswirkt.]

ZDFheute: Sind naturnahe Maßnahmen wie das Ausweisen von Überflutungsgebieten da dann nicht besser?

Bronstert: Gibt man den Flüssen links und rechts mehr Raum, indem man die Deiche zurückverlegt, können sie sich im Fall eines Hochwassers ausbreiten. Doch gerade in Mitteleuropa sind viele Flächen hinter den Deichen besiedelt. An der Themse bei London leben zum Beispiel fünf Millionen Leute im ehemaligen Auenland des Flusses. Da ist das Ausweisen von Überflutungsgebieten gar nicht möglich.

Während im Süden Deutschlands die Hochwasserlage bis zum Wochenende noch angespannt bleibt, herrscht im Norden Eisglätte. In Bremen und Hamburg waren Räumdienste im Dauereinsatz.

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ZDFheute: Wie sieht sicherer Hochwasserschutz dann aus?

Bronstert: Ich bin für eine Kombination: So viel Deichrückverlegungen wie möglich, in Kombination mit technischen Maßnahmen.

Das Problem ist nur, dass Menschen in gut geschützten Überflutungsgebieten schnell vergessen, dass es trotzdem noch zu Überschwemmungen kommen kann und das Land hinter dem Deich dann als Bauland ausweisen.

Deshalb sollte man für hochwassergefährdete Regionen in der Landesplanung festhalten, dass dort keine neuen Siedlungs- und Industriegebiete entstehen dürfen.

ZDFheute: Inwieweit trägt Ihre Forschung zum Hochwasserschutz bei?

Bronstert: Wir versuchen die Ursachen für Hochwasser-Phänomene zu ergründen. Viele Dinge sind nämlich noch nicht ganz klar, zum Beispiel welchen Beitrag das Grundwasser am Fluss-Hochwasser hat.

Außerdem wollen wir Vorhersagen verbessern. Im Moment wissen wir zwei Tage im Voraus, wie ein Fluss-Hochwasser ausfallen wird. Bei zehn Tagen im Voraus wird es schon schwierig und 20 Tages-Vorhersagen sind noch gar nicht möglich. Da wollen wir aber hinkommen. Auch für die Vorhersage und Warnung von kleinräumigen Sturzfluten, die durch Gewitter verursacht werden, arbeiten wir an verbesserten Verfahren.

Das Interview führte Christina Gantner.

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