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Tausende Hausbesitzer betroffen - Wenn nach den Fluten das Heizöl bleibt

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Auch bei Hans Thelen stand das Wasser im Haus. Die ganze Nachbarschaft war ein See. Thelen hatte wie viele andere ein Problem: Heizöl trat aus gebrochenen Leitungen. Was tun?

Viele Menschen haben mit den Folgen der Flutkatastrophe zu kämpfen. Ihre Keller sind voll mit Wasser und Öl: Millionen Liter Heizöl, Benzin und Diesel und sonstigen Betriebsstoffen sind durch das Hochwasser in Haushalten und Betrieben freigesetzt worden.

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Es ist eine rot schimmernde Brühe, die im Heizungskeller über dem Boden wabert, eine Melange aus Heizöl, Wasser und Schlamm. Und die soll jetzt raus, denn Zeit ist sprichwörtlich Geld: Thelens Haus in Swisttal wurde bis ins Erdgeschoss überflutet, das ist jetzt unbewohnbar, noch feucht. "Ich kann erst dann die Trocknungsgeräte anschmeissen, wenn das Öl weg ist", sagt Hans Thelen, "denn sonst puste ich mir den ganzen Gestank durchs Haus."

Am Anfang sei es schier unerträglich gewesen: Das Rohr, dass das Heizöl von den vier Öltanks in die Heizung bringt, war gebrochen. Um die 6.000 Liter Heizöl hatte er in den Tanks, ein grosser Teil ist ausgetreten. "Es stank, als wenn man an der Tankstelle sein Auto betankt und mit der Nase ganz nah an den Einfüllstutzen geht."

Das Heizöl muss schnell raus - sonst drohen neue Probleme

Dass das Öl schnell wieder aus den Häusern sollte, sagt auch Gerd Henge, Umweltexperte bei der R+V-Versicherung, deren Gutachter derzeit in Tausende Häuser gehen - oder das, was davon noch übrig ist -, um die Schäden zu begutachten.

"Jede Mauer steht von unten auf einer Bitumenschicht, die das Einsickern von Wasser verhindern soll", sagt Henge. "Heizöl greift diese Bitumenschicht an. Wenn sie sich auflöst, kann Feuchtigkeit ungehindert in das Mauerwerk eindringen, in der Folge hat man als Hausherr das, was man partout nicht möchte: feuchte Kellerräume und Schimmel."

Spezialfirmen erhalten nun Auftrag um Auftrag

Hans Thelen hat die Spezialfirma KS Recycling beauftragt, das Öl abzusaugen. Ein dicker Schlauch baumelt nun durchs Kellerfenster, ein Tanklaster steht vor der Tür, das rote Gemisch wird langsam abgesaugt.

Die Firma hat Hochkonjunktur, Keller, Aufzüge, Privathäuser, Kliniken, auch das Regenrückhaltebecken bei einem großen Müllentsorgungsbetrieb. Das Wasser stand hier beim Hochwasser so hoch, dass die beiden schweren Tanklastzüge, die jetzt zum Abpumpen vorgefahren sind, gar nicht mehr zu sehen gewesen wären.

Ein großer Dieseltank in der Mauer ist unter dem Druck des Wassers abgebrochen. Der Stromkasten steht zerstört in einer Ecke des Platzes, unter dem Beton stehen zigtausende Liter einer schwarzen Brühe. "Da ist alles drin: Müll, Fäkalien, Öl … hier stand ja alles voll, es ist unfassbar, welche Kraft Wasser haben kann", sagt Jürgen Fickinger, einer der beiden Fahrer.

An der Urft in der Rureifel hat das Hochwasser Unmengen an Dreck hinterlassen. Hier im Nationalpark können keine Bagger bei den Aufräumarbeiten helfen, es muss alles per Hand gemacht werden.

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Manche Flüssigkeiten und Schlämme sind noch wiederverwertbar

Sein Chef ist Guido Schmidt. Er leitet in Sonsbeck am Niederrhein ein Unternehmen mit 90 Beschäftigten, hier werden die Flüssigkeiten und Schlämme aus den Flutgebieten hingebracht, weiterverarbeitet und im firmeneigenen Labor untersucht. Bisher haben sie fast eine Million Liter Öl-Wasser-Gemisch verarbeitet.

Was da so bedrohlich in den Tankern schwappt, ist keinesfalls Sondermüll: den angelieferten Gemischen wird das Wasser entzogen, es ist nach einigen Schritten fast glasklar und wird den Kläranlagen zugeführt.

Auch die Öle werden extrahiert: "Das ist dann wie Schnmieröl und kann weiterverkauft werden", sagt Guido Schmidt. Wie zum Beweis zapft er aus einem Tank ein Glas Öl ab - es sieht aus ei ein Glas Altbier.

Noch keine toxischen Stoffe gefunden

Die Öle kommen dabei aus den unterschiedlichsten Quellen: verunreinigtes Benzin etwa oder Diesel aus überfluteten Tankstellen, auch verunreinigte Hydrauliköle aus abgesoffenen Aufzügen und Maschinen oder ölbelastetes Erdreich, dass vor Kellerfenstern abgetragen wurde, weil die Öltanks wie bei Herrn Thelen dem Wasserdruck nicht standhielten.

Die Schlämme sind dann in der Tat Sondermüll und werden in Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Das Unternehmen wird auch von anderen Entsorgungsfirmen genutzt, die keine eigenen Recyclingsanlagen haben. Nach den Analysen ist Guido Schmidt sogar positiv gestimmt: "Trotz der schlimmen Lage in den Flutgebieten können wir sagen: Wir haben bisher keine problematischen toxischen Stoffe wie PCB oder Chlor festgestellt. Auch nicht in den Anlieferungen unserer Mitbewerber. Die festgestellten Verunreinigungen bezogen sich primär auf Kohlenwasserstoffe."

Also Öle - wie das Heizöl bei Hans Thelen. Der steht im Keller und schaut drei jungen Männern zu, die mit Stemmhämmern den Boden aufbrechen. Alles muss neu. Thelen denkt schon weiter: Ende des Jahres soll das Haus wieder bezugsfertig sein. An ein erneutes, so schlimmes Hochwasser glaubt er nicht. "Sowas kommt doch nicht alle zehn Jahre vor", sagt er.

Die Flut-Katastrophe hat viel zerstört: Nun stapeln sich Möbel, Kleider, Öltanks, Baumstämme und Häusertrümmer zu gigantischen Trümmerbergen. Die Entsorger geraten an ihre Grenzen.

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