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Katastrophenschutz-Experte - "Wir brauchen eine strukturelle Vorbereitung"

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Katastrophenforscher Wolf Dombrowsky übt nach den Überflutungen Kritik am föderalen Warnsystem - und erklärt im ZDF, was Deutschland bräuchte, um besser vorbereitet zu sein.

Katastrophenforscher Wolf Dombrowsky spricht sich für ein landesweit einheitliches Warnsystem aus.

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Nach den verheerenden Überschwemmungen macht Katastrophenforscher Wolf Dombrowky im ZDF deutlich, dass es wichtig sei, zwischen den unmittelbaren, akuten Problemen und den langfristigen, strukturellen Problemen im Land zu unterscheiden. Insbesondere hier sieht der Experte Versäumnisse und Nachholbedarf.

Die Menschen in Deutschland hätten viel zu dicht gesiedelt, sagt Dombrowsky. Viele Kommunen hätten es erlaubt, in Bereiche hineinzubauen, die hochwassergefährdet seien. Seinen Einschätzungen zufolge sei es außerdem viel zu lange versäumt worden, Gefährdungskarten anzulegen und Risikokataster zu bestimmen.

"Wir haben keine Risiko-Kartierung für kleine, fließende Gewässer", sagt auch Katastrophenschutz-Chef Armin Schuster.

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Katastrophenforscher: Versäumnisse beim Frühwarnsystem

Bereits seit den 70er Jahren würde es keine ernsthaften Bemühungen geben, ein neues Warnsystem aufzubauen, kritisiert Dombrowsky. Zwar seien entsprechende Apps entwickelt worden - doch diese würden sich quasi noch im Teststadium befinden und seien somit noch nicht von Nutzen.

Hinzu käme: Derartige Starkregenereignisse ließen sich weder regional noch in den Mengen exakt vorhersagen.

Wir müssen hier im Prinzip ganz neu denken.
Wolf Dombrowsky, Katastrophenforscher

Experte: Einheitlichkeit statt Föderalismus

"Die föderale Konstruktion führt dazu, dass jedes Land ein eigenes System und nach Möglichkeit ein besseres als der Nachbar haben möchte", sagt er. Aus diesem "Vielklang" würde nichts Vernünftiges entstehen.

Corona hätte die Schwächen der föderalen Strukturen bereits gezeigt. "Faxgeräte und Meldesysteme zum RKI, die übers Wochenende nicht funktionieren - das ist für eine Bundesrepublik Deutschland im 21. Jahrhundert einfach unwürdig", sagt er. Sein Fazit: Zentrale Probleme brauchen ein einheitliches Gesamtsystem.

Nach Ansicht des Experten müsste etwa auf jedem Haus eine Wetterstation mit einem Regen- und Windmesser installiert werden. Notwendig seien auch entsprechende Gefährdungsanzeigen - vergleichbar mit einem Rauchmelder. Aus der Summe dieser Anzeigegeräte könnten dann gebietsspezifische Warnsignale resultieren, die beispielsweise ein Sirenensystem niemals leisten könne, so Dombrowsky.

Dombrowsky: Mehr Geld in Katastrophenschutz investieren

Was heute technisch und strukturell alles möglich ist, sehe man beispielsweise in Japan. Dort seien Städte untertunnelt, damit Wassermassen aus den Gebirgen abfließen können. Anders sei das in Deutschland:

Katastrophenschutz bei uns heißt immer noch: 'Nachsorge, wenn es eingetreten ist'.
Wolf Dombrowsky, Katastrophenforscher

Zwar würde niemand an der hervorragenden Arbeit der zuständigen Einsatzkräfte Kritik üben wollen - doch die kämen erst, wenn es zu spät sei, sagt er.

Dombrowsky: Strukturelle Vorbereitungsmaßnahmen notwendig

Deutschland brauche eine "strukturelle, architektonische, nutzungsmäßige Vorbereitung", so der Forscher. Aus Sicht des strukturellen Katastrophenschutzes dürften etwa überschwemmungsgefährdete Gebiete gar nicht mehr aufgebaut werden.

Zwar würden es auf der individuellen Seite bereits Schutzvorkehrungen geben, beispielsweise in einer Gemeinde in Köln. Doch es gelte vielmehr, im Einklang mit den Hausbesitzern, den Gemeinden, den Ländern und dem Bund Entwicklungen zu initiieren, um einen tatsächlich wirkungsvollen, strukturellen Katastrophenschutz aufzubauen.

Ein Fahrzeug mit dem Schriftzug "Katastrophenschutz" vom Deutschen Roten Kreuz fährt durch Stralsund.

Unwetterkatastrophe - Diskussion um zentralen Katastrophenschutz 

Hat der Katastrophenschutz bei den schweren Unwettern versagt? Und soll der Schutz der Bevölkerung künftig zentralisiert werden? Sicher scheint: Es muss nachgebessert werden.

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