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Interview

Flut-Landkreis Ahrweiler - Wie ein Polizei-Taucher nach Vermissten sucht

Datum:

Der Polizei-Taucher Sven König sucht im Katastrophen-Gebiet nach Vermissten. Über die Bergung von Leichen und warum er noch nicht tauchen kann.

Nordrhein-Westfalen, Erftstadt: Rettungsschwimmer und Polizeitaucher begeben sich mit einem Schlauchboot in einen überfluteten Innenhof.
Rettungsschwimmer und Polizeitaucher begeben sich mit einem Schlauchboot in einen überfluteten Innenhof (hier: Archivfoto aus Erftstadt, NRW).
Quelle: dpa

Die Vermissten-Suche im besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler geht weiter. Noch 73 Menschen listet die Polizei nach der Unwetter-Katastrophe als vermisst. Der Polizei-Taucher Sven König ist im Katastrophen-Gebiet im Einsatz.

ZDFheute: Konnten Sie schon in der Ahr tauchen?

Sven König: Wir waren noch nicht tauchen - in der Ahr ist noch zu viel Treibgut unterwegs, es schwimmen große Baumstämme vorbei. Die Verletzungsgefahr ist groß. Wir sind aber im Tauchanzug die Randbereiche am Ufer im Wasser abgelaufen.

ZDFheute: Der Landkreis Ahrweiler ist weitläufig, die Ahr ist ein Rhein-Zufluss. Woher wissen Sie, wo Sie suchen und später tauchen müssen?

König: Wenn Leichenspürhunde anschlagen, markieren die Hundeführer das für uns.

Man darf sich das beim Hund aber nicht so vorstellen, dass er immer genau dort anschlägt, wo die Leiche liegt. Wo der Hund anschlägt, muss nicht der Fundort sein.
Sven König, Polizei-Taucher

Manchmal wird der Geruch auch verweht oder man hat es nur mit Kleidung zu tun.

Rheinland-Pfalz, Rech (Kreis Ahrweiler): Hundeführer suchen nahe der Ortschaft nach dem Hochwasser nach Vermissten.

Kreis Ahrweiler - 73 Flut-Vermisste - was die Zahl bedeutet 

Im Landkreis Ahrweiler gibt es nach der Unwetter-Katastrophe noch immer 73 Vermisste - eine hohe Zahl. Doch was heißt das genau? Und wie läuft die Suche?

von Julia Klaus

ZDFheute: Was sind die besonderen Herausforderungen nach solch einer Unwetter-Katastrophe?

König: Wir haben jede Menge Treibgut im Wasser. Unter Wasser weiß man auch nicht, was einen erwartet. Da sind viele Schwebeteilchen, wir haben vermutlich schlechte bis gar keine Sicht. Oft können wir nur tasten. Es sind auch Schmiermittel im Wasser.

In vielen Häusern ist Heizöl ausgelaufen, auch andere Substanzen aus den Haushalten, an die man vielleicht gar nicht denken würde, wie Säuren. Wir müssen da vorsichtig sein, um uns vor kontaminiertem Wasser zu schützen.
Sven König, Polizei-Taucher

Wenn etwa Öl auf dem Wasser schwimmt, kann man erst einmal eine Wasserprobe nehmen, um sich zu schützen.

ZDFheute: Suchen Sie nur nach Toten - oder auch nach Lebenden?

König: Unsere Hauptaufgabe ist die beweissichere Bergung von Leichen und Leichenteilen. Für die Rettung sind vor allem andere zuständig, etwa Feuerwehr und DLRG.

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9 min
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ZDFheute: Wie läuft die Bergung ab?

König: Ein Taucher ist immer mit einer Leine mit dem Land verbunden. Sollte ein Taucher etwas finden, versucht er, es kenntlich zu machen. Entweder mittels Leine - oder er hält es fest. Dann kommt ein zweiter Taucher, um die Bergung durchzuführen - etwa mit einem Bergesack oder mit speziellen Bändern. Das Ganze wird mit einer Foto-Video-Dokumentation festgehalten.

ZDFheute: Wenn Sie den ersten Tauch-Einsatz in Ahrweiler haben sollten: Wo könnte der sein?

König: Ein Einsatz in der Ahr wäre möglich, wobei sie ein eher flacher Fluss ist. Denkbar sind auch stehende Gewässer wie Fischweiher oder kleinere Seen in dem Gebiet.

Das Interview führte Julia Klaus.

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