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Interview

Psychische Folgen von Hochwasser - "Diese Erlebnisse - das traumatisiert"

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Die Hochwasserkatastrophen haben viele Menschen traumatisiert. Mediziner Gerhard Trabert erklärt, was Opfer in den Flutgebieten erleben - und was beim Verarbeiten hilft.

Die Hochwasserkatastrophen haben viele Menschen traumatisiert. Mediziner Gerhard Trabert erklärt, wie Opfern und Angehörigen bei der Verarbeitung des Erlebten geholfen werden kann.

Beitragslänge:
3 min
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ZDF: Gerhard Trabert, Sie sind Arzt, Notfallmediziner aus Mainz. Sie waren häufig in Krisengebieten. Sie betreiben auch ein "Arztmobil", damit sind Sie unterwegs und waren jetzt dort in diesem Hochwassergebiet. Ihre Eindrücke, was brauchen die Menschen jetzt als Erstes?

Gerhard Trabert: Als Erstes fehlende Medikamente: das fehlende Asthmaspray, die Blutdruckmedikamente, die Medikamente gegen den Blutzucker. Aber das ist nur vordergründig das, was die Menschen brauchen. Wir haben viel zugehört, weil die Menschen uns von ihrem Leid, von ihren Erlebnissen berichtet haben.

Von dem ertrunkenen Freund, von der Enkelin, die einen Toten im Garten gefunden hat. Eine Geschichte von einem Vater und einer Mutter, die beide ein Kind auf den Schultern hatten, versucht haben, als das Wasser über dem Haus war, ans Ufer zu schwimmen, sich dann an einem Baum festgehalten haben und die Frau konnte nicht mehr, ist ertrunken. Der Mann konnte sich noch retten.

Diese Erlebnisse - auch dieses 'Wir hören Hilfeschreie und wir können nicht helfen' - das traumatisiert.
Gerhard Trabert

Das ist so eine Herausforderung, jetzt und in Zukunft.

ZDF: Wenn man dem Tod ins Auge blickt, was macht das mit einem Menschen?

Trabert: Das ist natürlich etwas, das schwer in Worte zu fassen ist. Wir hören auch immer wieder "Ich hatte Angst" oder "Ich war davon überzeugt zu sterben". Auch dieses Unfassbare, dass das Wasser binnen kürzester Zeit so angestiegen ist. Das ist ein Kontrollverlust.

Man erlebt einen Kontrollverlust für das Leben und für die eigene Existenz.
Gerhard Trabert

Und das ist etwas, was die Menschen zutiefst berührt und traumatisieren kann und dann brauchen sie eine Begleitung, eventuell auch eine Therapie.

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Beitragslänge:
30 min
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ZDF: Wir haben ja gesehen, momentan wird vor allem geräumt, man hat viel zu tun, man hat erst mal den Kopf ganz woanders. Ist das die Gefahr, dass man das Trauma verdrängt, gar nicht wahrhaben will?

Trabert: Diese Menschen und auch die Helfer stehen unter einem Stresspegel und unter Adrenalin. Man agiert, man funktioniert. Man verdrängt das, was eigentlich geschehen ist.

Erst mit einer zeitlichen Latenz kommt das wieder zurück wie ein Flashback: Was ist da eigentlich passiert? Was hab ich alles erlebt?
Gerhard Trabert

ZDF: Was sind denn solche Indizien, dass man vielleicht in einiger Zeit erst merkt: "Das hat mir doch mehr zugesetzt, ich brauch vielleicht Hilfe."

Trabert: Das können Schlafstörung sein, Panikattacken, Angststörungen oder auch psychosomatische Störungen. Und eins ist noch ganz wichtig: Die Kinder brauchen eine Unterstützung. Die Kinder werden sich nicht melden und sagen: "Mir geht es schlecht", sondern es braucht Gesprächsgruppen. Da braucht es eine Unterstützung. Man muss mit den Kindern über das Erlebte reden.

Das Interview führte Ralph Szepanski.

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