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Nachweis in Baden-Württemberg - Ein Hundeführerschein für alle?

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Deutschland kommt auf den Hund - die geschätzt zehn Millionen Hunde im Land werden mehr. Warum ein Sachkundenachweis sinnvoll sein kann und worauf man noch achten sollte.

Archiv, 26.03.2019, Hannover: Eine Frau geht mit ihrem Hund im Wald spazeiren und hält einen Kaffeebecher in der Hand
In Corona-Zeiten ist der Hund als Haustier beliebt geworden - doch zur Hundehaltung gehört auch Wissen über die Tiere.
Quelle: dpa

In Baden-Württemberg soll es laut Koalitionsvertrag umfangreiche Änderungen für alle Hundebesitzer geben: Sie müssen in Zukunft einen theoretischen und praktischen Sachkundenachweis erwerben, außerdem will das Land eine Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Versicherungspflicht einführen - unabhängig von Rasse oder Größe eines Hundes.

Als Vorbild dienen die aktuellen Regelungen in Niedersachsen: Dort muss jeder Hund gechippt und registriert sein, jeder Hundehalter muss eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen.

Auch die Tierheime konnten viele Hunde vermitteln und blicken dennoch mit Sorge in die Zukunft.

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Jedes Bundesland hat eigene Regeln

Eignungsprüfung und Sachkundenachweis - nicht alle Hundebesitzer in Deutschland mussten sich bislang mit diesen Vokabeln befassen. Grund ist der Föderalismus. "Jedes Bundesland kocht da sein eigenes Süppchen", sagt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH).

Und wenn, dann geht es dabei meist auch nur um bestimmte Hundearten: Kampfhunde, gefährliche Hunde, 20/40 Hunde, Listenhunde oder "auffällig gewordene Tiere" sind dann wiederum Bezeichnungen, auf die sich die Verordnungen in den Ländern beziehen. Beispiel: Ein 20/40 Hund ist entweder schwerer als 20 Kilo oder größer als 40 Zentimeter (Schulterhöhe). Also definitiv kein Schoßhündchen.

Was sind die Ziele von Sachkundenachweis und Co.?

In der Koalitionsvereinbarung von Baden-Württemberg heißt es: "Zahlreiche Menschen halten gefährliche Tiere, die eine Gefahr für die Halterin oder den Halter, aber auch für Dritte darstellen können. Für die sichere Haltung von Gefahr- und Gifttieren in privaten Tierhaltungen werden wir einen Sachkundenachweis für die Haltung, Pflege und bedarfsgerechte Unterbringung und Versorgung dieser Tiere einführen."

Es geht also nicht nur um Hunde - und in erster Linie um mehr Sicherheit für Halter und alle, die mit diesen Tieren in Kontakt kommen. Ein Ziel, das alle Länder in ihren Verordnungen zu Hunden verfolgen. Und: Auch Schoßhündchen können zubeißen.

Bringen Sachkundenachweise mehr Sicherheit?

Unstrittig ist, dass der Umgang mit Hunden um so sicherer wird, je mehr ihre Besitzer über die Tiere und den Umgang mit ihnen wissen. Allerdings ist ein Sachkundenachweis, der durch eine Prüfung bei einem zugelassenen Anbieter (wie zum Beispiel einer Hundeschule) erworben wird, keine Garantie dafür, dass nicht doch mal etwas schiefläuft.

Udo Kopernik vom VDH: "Bei Hunden gibt es viele unterschiedliche rassespezifische Aspekte." Besitzer können sich über spezielle Literatur oder über einen Rassezuchtverein informieren - und im Laufe der Jahre in der Arbeit mit dem eigenen Hund immer mehr Erfahrungen sammeln. "Wenn ich frisch einen Autoführerschein in der Tasche habe, bin ich ja auch noch kein guter Autofahrer."

Was bedeutet Sachkunde für das Tierwohl?

"Ein Hund soll bedarfs- und artgerecht gehalten werden", sagt Kopernik.

Wenn er aber an einen Besitzer gerät, der weniger geeignet ist, dann hat der Hund möglicherweise kein schönes Leben. Auch dann nicht, wenn der Halter einen Hundeführerschein hat.
Udo Kopernik, Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH)

Man müsste, so Kopernik, den unbequemeren Weg beschreiten und verhindern, dass jemand, der nicht geeignet ist, einen Hund bekommt.

Oder eben einen, der zu ihm passt. "Tatsächlich sollten sich Interessenten weit vor dem Kauf eines Hundes informieren." Ein Hund, der problemlos 50 Kilometer am Tag laufen kann, sollte dazu auch reichlich Gelegenheit bekommen.

Warum könnten wir bald mehr verhaltensgestörte Hunde haben?

Der Wunsch nach Gesellschaft im Social Distancing hat einen Hundeboom nach sich gezogen. Die große Nachfrage befriedigen aber eben vielfach auch Händler, die mit zweifelhaften Methoden arbeiten. "Ein großes Problem mit Hunden aus dem osteuropäischen Raum ist zum Beispiel, dass die Welpen viel zu früh von ihren Müttern und Geschwistern getrennt werden", erklärt Kopernik.

Es fehlen wichtige Wochen zum sozialen Lernen im Rudel. "Anfangs merkt man das nicht, aber mit der Geschlechtsreife kommen dann Auffälligkeiten wie zum Beispiel aggressives Verhalten." Ein Sachkundenachweis des Besitzers helfe da kaum weiter.

Wenn man es richtig anfangen will, dann sollte man nicht nur die Hundehalter im Blick haben, sondern mindestens ebenso die Züchter und Händler und die Graumärkte.
Udo Kopernik
Junge Katze wid gestreichelt.

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Im Shutdown sind einige auf den Hund gekommen - oder auf die Katze. Die Tierheime fürchten eine Abgabe-Welle mit dem Ende des Shutdowns. Zudem boomt der illegale Welpenhandel.

von Meike Hickmann
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