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Terra X - die Wissens-Kolumne : Was WIR gegen den Welthunger tun könn(t)en!

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Durch den Ukraine-Krieg droht eine weltweite Hungersnot. In Deutschland steigen die Lebensmittelpreise, anderswo sterben Menschen. Dabei könnten wir helfen, die Lage zu verbessern.

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Harald Lesch

In der Terra-X-Kolumne auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpert*innen jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.

Die Frage nach der Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung mit Lebensmitteln ist nicht neu. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine verschärft sich aber die Situation, denn die beiden Nationen gehören zu den wichtigsten Getreidelieferanten weltweit.

Laut Welthungerhilfe leiden zurzeit bereits ca. 811 Millionen Menschen an Hunger. Fällt die Ernte in der Ukraine 2022 aus, werden Millionen Hungerleidende dazu kommen.

Wie reagiert die Welt?

Obwohl die Getreidelager weltweit noch relativ gut gefüllt sind, steigen die Preise seit Beginn des Krieges, auch weil Russland das Getreide als "Waffe" nutzt. Einige Länder haben bereits kurzfristige Exportstopps auf Getreide und andere Lebensmittel verhängt. In Deutschland verzeichnen wir - vor allem durch erhöhte Energie- und Nahrungsmittelpreise - die höchste Inflationsrate seit 1981.

Um die kriegsbedingte Notlage zu lindern, erwägt die EU, den sogenannten Green Deal zum Teil auszuhebeln, das heißt für den Naturschutz ausgewiesene ökologische Vorrangflächen und Ackerbrachen zu reaktivieren. Diese Flächen sind aber unverzichtbar, wenn es um die biologische Vielfalt und Stabilität des Klimas geht. Und es wäre auch nicht nötig, wenn wir andere Maßnahmen ergreifen würden.

Ist ein "Grünes Wachstum" möglich - also Klimaneutralität durch Innovationen ohne Wohlstandsverlust?

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Was geschieht mit deutschem Getreide?

Nur etwa 20 Prozent des deutschen Getreides geht in den direkten menschlichen Verzehr. 60 Prozent dienen als Futtermittel, der Rest wird vor allem energetisch genutzt (z.B. Biosprit).

Hier liegt ein riesiges Einsparpotential. Würden wir nur ein Drittel der Futtermittel und den energetisch genutzten Teil umwidmen, stünden uns direkt mehr als elf Millionen Tonnen Getreide als Nahrungsmittel zur Verfügung, das zwar schlechtere Backeigenschaften hat, aber dennoch für den menschlichen Verzehr geeignet ist. Das hieße aber, dass wir ein Drittel weniger an Tiere verfüttern könnten.   

Intelligente Begrenzung des Nutztierbestandes

Insbesondere Schweine und Geflügel werden mit Getreide gefüttert. Ihr Bestand müsste zeitlich begrenzt verringert werden. Da die weltweit drohende Hungersnot erst mit einer gewissen Zeitverzögerung akut wird, gibt es einen Handlungsspielraum, den wir nutzen könnten. Zum Beispiel dadurch, dass Landwirte und Tierzüchter ein Drittel ihrer Sauen nicht decken lassen und auf die Aufzucht von einem Drittel des Geflügels verzichten.

Dafür müssten sie entweder entschädigt oder die Fleischpreise entsprechend angehoben werden. Die zeitliche Begrenzung ist besonders wichtig, um leakage-Effekte zu verhindern. Das heißt damit Viehzüchter außerhalb Europas nicht versuchen, die gesunkene Zahl des Tierbestandes auszugleichen, was dann insgesamt ein Nullsummenspiel wäre. Ganz nebenbei wäre damit dem Tierwohl gedient und dem Klimawandel entgegengewirkt.

Viele Lebensmittel-Verluste in privaten Haushalten

Laut Schätzungen der WHO werden alljährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel entlang der Kette von Erzeuger bis Verbraucher weggeworfen. Verursacht werden die Verluste unter anderem durch Unwetter vor der Ernte, falsche Lagerung, Schädlingsbefall, Überproduktion, Verunreinigung bei der Verarbeitung und Transportschäden, aber auch durch falsche Planung beim Einkauf und Nachlässigkeit der Endverbraucher.

Die Hälfte der rund zwölf Millionen Tonnen der sogenannten "Nachernteverluste" in Deutschland fallen in den privaten Haushalten an. Dabei wäre vieles von dem, was in die Tonne wandert, noch genießbar. 

Dreifacher Kollateralnutzen gegen den Hunger

Der Krieg in der Ukraine dauert an. Die Gefahr der Hungersnot rückt mit jedem Tag näher, auch wenn in der Ukraine noch Millionen Tonnen Getreide lagern. Ob sie je zu denen kommen werden, die sie dringend benötigen, ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss.

Aber auch so können wir unseren Teil dazu beitragen, das Problem zu verringern und uns dabei zusätzlich noch für das Tierwohl, den Artenschutz und gegen den Klimawandel einsetzen - ein dreifacher Kollateralnutzen sozusagen.

Als die Menschen in der Jungsteinzeit sesshaft wurden, Ackerbau und Viehzucht betrieben, setzten sie damit einen Prozess in Gang, der das Gesicht der Welt ein für alle Mal veränderte.

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43 min
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