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Impfstoff verfällt : Wohin mit dem überschüssigen Impfstoff?

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Erst zu wenig, jetzt zu viel. In Impfzentren und Arztpraxen stapelt sich Astrazeneca - und auch mRNA-Impfstoffe wie Biontech und Moderna. Keiner will sie haben. Landen sie im Müll?

Peter Korzinek bringt eigentlich nichts so schnell aus der Ruhe. Doch jetzt ist der ärztliche Leiter des Impfzentrums im bayerischen Pfaffenhofen ziemlich verzweifelt. Wo noch vor wenigen Wochen unzählige Menschen ungeduldig für ihre Impfung anstanden, herrscht jetzt gähnende Leere in den Wartesälen.

Sommer, Urlaubszeit, Reisezeit, aber auch das Gefühl, dass die Corona-Pandemie nicht mehr so gefährlich sei - es habe viele Gründe, warum das Interesse so dramatisch nachlasse, so Korzinek. Die Folge: Die Impflinge bleiben fern, der Impfstoff liegen. Traurig sei das, denn lange hätten sie um das kostbare Gut kämpfen müssen.

Jetzt haben wir Impfdosen und können sie nicht verimpfen. Erstmals müssen wir Impfstoff zurückgeben.
Peter Korzinek, Impfzentrum Pfaffenhofen

Die Rede ist von über 7.000 Dosen Astrazeneca, die bald verfallen - im Wert von etwa 21.000 Euro, schätzt Korzinek. Ein Transporter ist da, um die Pakete mit dem Vakzin abzuholen und in ein Sammellager zu bringen. Was dann genau mit den Impfdosen passiert? Korzinek und sein Team wissen es nicht.

Zigtausend Impfdosen drohen abzulaufen

Alles haben sie versucht, um den überschüssigen Impfstoff dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird. Zum Beispiel nach Namibia, wo nur rund ein Prozent der Bevölkerung geimpft ist. Auch das Landratsamt setzt sich für diese Verwendung ein. Doch vom Bundesgesundheitsministerium kommt eine Abfuhr. Denn "sowohl die EU als auch der Bund sind vertraglich gegenüber den Herstellern gebunden", zitiert Steffen Kill vom Landratsamt Pfaffenhofen aus der Absage.

Jede Abgabe an andere Länder, an Drittländer, bedarf der Zustimmung der Hersteller.
Bundesgesundheitsministerium

Bedeutet im Klartext: Möchte der Bund Impfdosen weitergeben, bedarf es der Zustimmung von Astrazeneca und Co. Praxen, Kommunen oder die Bundesländer dürfen den Stoff nicht eigenständig abgeben. Alleine in Bayern drohen bis Ende Juli bei über 15.000 Impfdosen Astrazeneca die Haltbarkeit abzulaufen, bis Ende Oktober 2021 bei über 230.000. Bundesweit sind es weitere zigtausende Dosen.

[Die Grafik zeigt, wie stark das Impftempo in Deutschland sinkt:]

ZDFheute Infografik

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Bayerischer Gesundheitsminister: Wollen, dass keine Dosis verworfen wird

Die Sorge, dass der kostbare Stoff verfällt, ist groß, auch beim bayerischen Gesundheitsminister. Klaus Holetschek, drängt darauf, Wege zu finden, wie der überschüssige Impfstoff sinnvoll genutzt werden kann. "Wir sind mit dem Bund in Gesprächen, der Bund ist ja Eigentümer des Impfstoffs. Wir wollen natürlich, dass keine Dosis verworfen wird. Und wenn wir den Impfstoff hier nicht mehr brauchen, dann wollen wir ihn dorthin bringen, wo er gebraucht wird."

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Auch in Praxen bleibt Impfstoff liegen. Bei Andreas Pötzl, Allgemeinarzt aus Hof, stapeln sich derzeit rund 650 Impfdosen Astrazeneca, die Ende Juli verfallen. "Sehr ärgerlich", sagt Pötzl. Denn:

Wir haben immer versucht, aus jedem Fläschchen eine zusätzliche Dosis herauszubekommen und bloß nichts wegzuwerfen.
Andreas Pötzl, Allgemeinmediziner

Arzt: Dosen könnten zur Auffrischung des Impfschutzes dienen

Die Dosen wird er nicht mehr verimpfen können, sie gehen jetzt zurück an die Apotheke. Dabei gäbe es auch hierzulande viele Möglichkeiten, den Impfstoff zu verwenden, ist sich Pötzl sicher. Würde die Ständige Impfkommission (Stiko) endlich eine Auffrischung des Impfschutzes durch eine dritte Impfung empfehlen, könnten ältere Menschen damit versorgt werden, so Pötzl.

[Der Grafik können Sie entnehmen, wie viele Menschen bisher in Deutschland geimpft sind:]

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Immer wieder fragen Patienten bei ihm nach, doch er muss sie vertrösten. Jetzt fürchtet er, dass der Impfstoff im Müll landet. "Ein Wahnsinn", so der Mediziner.

Heutzutage, mit den Möglichkeiten auf unserer Welt muss es möglich sein, auch mal Impfstoff kurzfristig in andere Länder zu bringen, wo er dringend benötigt wird.
Andreas Pötzl, Allgemeinmediziner

Tatsächlich plant der Bund, überschüssigen Astrazeneca-Impfstoff an andere Staaten über das internationale Covax-Programm abzugeben. Für die Ende Juli ablaufenden Impfstoffe kommt dies allerdings zu spät. Der Grund: Die Weitergabe soll frühestens am 2.August beginnen - nach dem Ablauf des Verfalldatums.

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