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Schnell ein Corona-Impfstoff? "Völlig illusorisch"

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Schutz gegen das Coronavirus - Schnell ein Corona-Impfstoff? "Völlig illusorisch"

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Auf der Suche nach einem Corona-Impfstoff ist ein Wettlauf der Pharma-Unternehmen und Forschungsinstitute entstanden. Doch die Zielgerade liegt noch in weiter Ferne.

Mit Hochdruck versuchen Forscher weltweit einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus zu entwickeln. Auch in Deutschland testet man vielversprechende Methoden. Welches Land wird seine Corona-Impfung als erstes fertigstellen?

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Bis wann könnte es einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben?

Zwar gibt es neben konventionell hergestellten Impfstoffen inzwischen auch biogenetisch hergestellte Mittel. Für Tino Schwarz kommt als Schutzimpfung gegen das Coronavirus jedoch nur die konventionelle Herstellung infrage. "Sowohl die DNA- als auch die mRNA-Impfung sind weit davon entfernt, in den nächsten Jahren Marktreife zu erlangen", gibt der Chefarzt des Instituts für Labormedizin und Impfzentrums am Klinikum Würzburg Mitte (KWM) zu bedenken.

Schwarz geht von mindestens drei Jahren aus, bis ein fertiger Corona-Impfstoff auf den Markt kommen kann. Der Experte betont:

Einen solchen Impfstoff innerhalb von nur wenigen Monaten entwickelt zu haben und durch den Zulassungsprozess zu schleusen, wie teilweise von der Politik suggeriert wird, ist völlig illusorisch.
Tino Schwarz

Denn jeder Impfstoff muss vor seiner Zulassung verschiedene Phasen durchlaufen. Zwar sind auf diesem Weg bei besonders bedrohlichen Krankheitsausbrüchen immer auch Abkürzungen möglich. Nach Ansicht von Professor Tino F. Schwarz wird die Nutzen-Risiko-Abwägung beim Coronavirus mit einer Sterblichkeitsrate von gerade einmal zwei Prozent aber bei den Zulassungsbehörden nicht zu einer solchen Ausnahmeregelung führen. Denn an oberster Stelle stehe bei einer Zulassung neben der Wirksamkeit immer auch die Sicherheit eines Impfstoffes.

Professor Tino Schwarz
Professor Dr. Tino F. Schwarz gehört zu den wenigen Medizinern, die sowohl Facharzt für Laboratoriumsmedizin als auch für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie sind.
Quelle: Stiftung Juliusspital

Was kostet die Entwicklung eines solchen Impfstoffes?

Die Produktionskosten für einen Impfstoff gegen das Coronavirus lassen sich nach Einschätzung von Tino Schwarz nicht seriös vorhersagen. "Die Pharmaunternehmen lassen sich nicht in die Karten schauen, was eine solche Entwicklung kostet", betont der Mediziner. "Bei der klinischen Entwicklung des Gürtelrose-Impfstoffes, an der ich beteiligt gewesen bin, gingen der Zulassung 2018 elf Jahre klinische Studien voraus. Man kann sich vorstellen, welch gigantische Kosten dabei entstehen. Diese rechnen sich nur, wenn am Ende ein Impfstoff steht, den die Menschen auch wollen."

Welchen Sinn hat die Entwicklung des Impfstoffes für Unternehmen und Institute?

"Betriebswirtschaftlich gesehen, ergibt die Entwicklung sicherlich keinen Sinn", ist Tino Schwarz überzeugt. "In zwei Jahren redet vom Coronavirus niemand mehr." Zudem sei völlig unklar, wen man überhaupt impfen solle: "Die ganze Bevölkerung, obwohl sie gar nicht betroffen ist? Das wäre völlig abstrus. Vor allem stellt sich die Frage, wer überhaupt bereit wäre, sich einen völlig neuartigen Impfstoff verabreichen zu lassen, ohne ein besonderes Ansteckungsrisiko zu haben." Dennoch sieht der Arzt einen Nutzen in der Entwicklung: "Es ist immer gut, eine Modellimpfstoffpalette zu haben, die man später beliebig variieren kann, wenn es um weitere, neue Impfstoffe geht. Wir lernen aus jeder Entwicklung für die Zukunft. Das ist wie ein riesiges Puzzle, das sich Stück für Stück zusammensetzt."

Ist ein Impfstoff gegen das Coronavirus überhaupt notwendig?

Für Schwarz wird in der breiten Öffentlichkeit derzeit eine Panik produziert, die nicht gerechtfertigt ist: "Wir wissen, dass die beste Methode gegen Erkältungskrankheiten und Atemwegsinfekte die entsprechende Hygiene ist. Das gilt auch für das Coronavirus." Außerdem wird in den Augen des Experten dessen klinische Bedeutung völlig überbewertet: "Die Grippe oder das Humane Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RS-Virus, sind weitaus gefährlicher. Gerade Letzteres kann zu sehr ernsten Erkrankungen der Atemwege führen."

Auch wenn es in Europa noch keinen Todesfall gibt in Folge des Coronavirus: Die Angst geht um. Wer nur chinesisch aussieht, steht plötzlich unter Generalverdacht. Eine irrationale Angst angesichts eines Virus, das kaum schlimmer als die Grippe scheint.

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7 min
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Auch das Vorgehen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann der Professor nicht nachvollziehen: "Diese schürt im Moment eine regelrechte Panik, indem sie jeden Tag neue kumulierte Fallzahlen präsentiert. Ich würde diese nicht zur Aufklärung über das Coronavirus verwenden."

Der Arzt findet deutliche Worte zum Vorgehen der WHO:

Es macht keinen Sinn, die Krankheitsfälle immer weiter aufzuaddieren, weil von den mehreren tausend Fällen ein Großteil inzwischen nach Überstehen der Erkrankung, wie bei Coronavirus-Infektionen üblich, nicht mehr infektiös ist.
Tino Schwarz
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