Sie sind hier:
Interview

Echtes Leben in der City - Den öffentlichen Raum demokratisch nutzen

Datum:

Viele Autos, wenig Grün und kaum Platz für Begegnungen: Innenstädte veröden - nicht erst seit Corona. Ein Architekt hat Ideen für eine grünere und demokratischere Stadtplanung.

Sehen Sie hier die plan b - Sendung zu lebenswerten Städten:

Beitragslänge:
29 min
Datum:

Pandemie und Online-Shopping haben vielen Innenstädten zugesetzt: Leerstände und Handelsketten statt kleiner Läden prägen das Bild. Dazu viel Verkehr und zu wenig Grün. Es gibt kaum Möglichkeiten, sich zu begegnen, ohne zu konsumieren. Wie kommt wieder echtes Leben in die City?

Für den Architekten Robin Lang ist klar: Menschen statt Autos müssen im Mittelpunkt stehen. Er hat Stadtmöbel entworfen, die schnell und einfach Wohlfühl-Oasen in der Stadt schaffen - da wo sonst Autos parken.

ZDFheute: Warum müssen sich unsere Städte wandeln?

Robin Lang: Viele unserer Städte wurden in der Nachkriegszeit geplant. Damals herrschte das Dogma der autogerechten Stadt. Alles war der Infrastruktur, dem Einzelhandel oder dem Auto untergeordnet. Alle Nutzungen sollten sozusagen dem Verkehr folgen. Und wir merken, mit diesem Konzept kommen wir jetzt an die Grenzen. Wir müssen den öffentlichen Raum neu denken und gestalten.

Unsere Städte müssen resilienter werden, klimaangepasster - vor allem aber gerecht sollen sie sein.
Robin Lang, Architekt

ZDFheute: Ihr befasst Euch mit der Umnutzung von Parkplatz-Flächen. Was genau ist Eure Idee?

Lang: Es geht darum, wie wir den knapp bemessenen Platz in der Innenstadt demokratischer und gerechter nutzen. Denn der öffentliche Raum ist ja erst einmal für alle da und nicht für das Abstellen von Autos, die letztendlich ungenutztes Privateigentum sind. Und diese zwölf Quadratmeter Fläche, die ein Auto im ruhenden Verkehr nutzt, die wollen wir neu denken.

Wir haben Bänke konzipiert, in Kombination mit Grün, die modular funktionieren. Und damit können wir relativ schnell und flexibel in Innenstädten agieren und temporäre neue Nutzungen hervorrufen und diese auch testen. Ob grüne Oase, Stadtterrasse, Radreparaturstation oder gastronomische Bespielung, da ist vieles denkbar.

Verkehr auf einer Autobahn.

Nachrichten | Thema - Verkehrswende: Zukunft der Mobilität 

Vorrecht für Fußgänger und Radfahrer, Zunahme der E-Mobilität und das Leiden des ÖPNV unter Corona - das sind die Zeichen der Verkehrswende. Alles zur Verkeh...

ZDFheute: Wie kann die Stadt wieder lebenswert werden, eine Stadt für alle?

Lang: Eine "Stadt für alle" heißt, dass man auch Angebote für alle schaffen muss. Ob für alt oder jung, ob reich oder arm, ob alleinstehend oder verheiratet, etc. - und im besten Fall sprechen diese unterschiedlichen Gruppen miteinander, es entsteht ein stärkerer sozialer Zusammenhalt. Vor diesem Hintergrund sind Orte ohne Konsumzwang mit hohen Aufenthaltsqualitäten umso wichtiger.

Innenstädte sind mit der Monofunktion Food & Shopping nicht mehr vollständig lebensfähig. Wir brauchen vielfältige Angebote, damit Städte, gerade auch Innenstädte, weiterhin Orte bleiben, an denen Menschen gerne zusammenkommen.

Wie lässt grüne Infrastruktur in die Stadtplanung einbinden? Das Projekt "Grüne Stadt der Zukunft" untersucht das am Beispiel München:

Beitragslänge:
3 min
Datum:

ZDFheute: Wie wichtig sind Testphasen in solchen Prozessen?

Lang: Es gibt keine allgemeingültige Blaupause, die wir über Städte legen können und dann wissen, welche Themen, welche Nutzungen und welche Flächenbedarfe wir für die nächsten 50 Jahre in der Stadtplanung berücksichtigen müssen.

Und genau deswegen ist es umso wichtiger, im Kleinen - aber unter realen Bedingungen - erst einmal auf Sicht zu fahren, auszuprobieren und Experimente zuzulassen und zu fördern. Der große Wurf, den man von oben herab diktiert und mit dem für die nächsten Jahrzehnte Nutzungen und Möglichkeiten festgeschrieben werden, hat sich als nicht mehr zeitgemäß erwiesen.

ZDFheute: Was sind die größten Hürden im Umbauprozess?

Lang: Die größte Hürde ist die emotionale Bindung zum Automobil - das wird oft mit Händen und Füßen verteidigt. Dieses ideologische Festhalten an einer Mobilitätsform, mit der wir uns in unseren urbanen Zentren selbst ausbremsen, muss unserer Meinung nach überwunden werden

Fahrradfahrer müssen sich oft einem täglichen Verkehrskampf mit Autofahrern stellen. Pop-Up-Radwege sollen helfen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

ZDFheute: Was motiviert Euch?

Lang: Wenn man in anderen Städten - wie z.B. Kopenhagen, Amsterdam, Wien oder Paris - unterwegs ist und auf einmal sieht, welche Qualitäten im öffentlichen Raum freigesetzt werden, wenn der Verkehr neu gedacht wird.

Der Irrglaube ist ja immer, man verliert etwas, wenn man neue Mobilitätskonzepte mit weniger Auto-Anteil etabliert.
Robin Lang, Architekt

Dabei ist ja das Gegenteil der Fall: Wir gewinnen unglaublich viel Raum, den wir wieder ganz neu nutzen können.

Das Interview führte Eva Münstermann. Sie ist Redakteurin für die ZDF-Sendung plan b.

Mutter mit Kinderwagen und ein Linienbus

Mobil sein in der Stadt - Wie Verkehrsplanung weiblicher werden kann 

Traditionell werden Städte meist von Männern für Männer geplant. Wie eine Stadtplanung aussehen kann, die auch Frauen gerecht wird, zeigt ein Beispiel aus dem Bereich Verkehr.

von Katharina Schuster
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.