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Neues Enthüllungsbuch - "Inside Facebook"

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In einem neuen Buch erheben zwei "New York Times"-Reporterinnen schwere Vorwürfe gegen das größte soziale Netzwerk der Welt.

Sheera Frenkel und Cecilia Kang berichten in ihrem Buch, wie das soziale Netzwerk zu einer demokratiegefährdenden Geldvermehrungsmaschine geworden ist.

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"Sie töten Menschen" - mit diesem Satz hat US-Präsident Joe Biden vor Kurzem Facebooks Umgang mit Desinformationen in der Pandemie kritisiert.

Das Weiße Haus fordert, dass das Unternehmen umfassende Daten zu Falschmeldungen über Impfungen herausgibt. Doch die Facebook-Führungsebene habe es zu Beginn der Pandemie abgelehnt, mehr Ressourcen für eine solche Erhebung bereitzustellen.

Das berichtet Sheera Frenkel von der "New York Times". Sie hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Cecilia Kang ein Buch geschrieben, das Facebooks selbsterklärte Mission, die Welt näher zusammenzubringen, in ein anderes Licht stellt. Der deutsche Titel: "Inside Facebook. Die hässliche Wahrheit.”

Facebook, Google und Co. sind aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Wie die Digitalkonzerne in Europa Einfluss nehmen.

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"Der Buchtitel stammt von einer Facebook-Führungskraft", erklärt Autorin Frenkel. "Sie sprach von einer 'hässlichen Wahrheit', um die Realität bei Facebook zu beschreiben."

Wie die Führungsriege wiederholt ähnliche Entscheidungen trifft und Fehler in Ländern wie Myanmar und anderswo begeht, die dazu führen, dass Menschen getötet werden.
Sheera Frenkel, Autorin "Inside Facebook"

Profit und Wachstum bei Facebook als oberste Priorität

Facebook riskiere die Sicherheit seiner User und gefährde die Demokratie - davon sind die Reporterinnen überzeugt. Das liege vor allem am Führungsduo Mark Zuckerberg und Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Sie hätten Profit und Wachstum zur obersten Priorität gemacht, so die Autorinnen.

Der Fall Myanmar ist eines zahlreicher Beispiele im Buch. So startete das burmesische Militär 2017 auf Facebook eine Desinformationskampagne gegen die muslimische Rohingya-Minderheit. Die Gewalt eskalierte. Rund 25.000 Menschen starben, Hunderttausende flohen.

Facebooks Algorithmus heizt Konflikte an

Die Zentrale in Kalifornien habe in den Jahren zuvor Warnungen von Menschenrechtsorganisationen ignoriert. Bis 2018 gab es nur fünf burmesisch sprechende Mitarbeiter*innen für einen Markt von 18 Millionen Usern.

Das Unternehmen habe ein Streichholz in einen ethischen Konflikt geworfen und sich dann abgewandt, schreiben die Autorinnen; Mark Zuckerberg habe bei seinem Expansionskurs andere Prioritäten gesetzt.

Seit Jahren steht Facebook immer wieder in der Kritik. In einem Punkt will Facebook einlenken: Nutzer sollen mehr Kontrolle über ihren Newsfeed bekommen.

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"Facebook braucht die Beteiligung seiner User, um zu wachsen", sagt Cecilia Kang, Mitautorin von "Inside Facebook". Der Newsfeed-Algorithmus ziele darauf ab, User zu binden, spüle Aufsehenerregendes nach oben.

Das bedeutet, dass er Inhalte priorisiert, die Emotionen erzeugen, egal ob Wut, Traurigkeit, Leid oder Empörung - oftmals Dinge, die einen am meisten in die Irre führen oder desinformieren.
Cecilia Kang, Autorin "Inside Facebook"

Reporterinnen: Facebook wusste von Kapitol-Planungen

Auch der Umgang Facebooks mit dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump sei diesem Geschäftsmodell gefolgt. Noch im Herbst 2019 hatte Zuckerberg Trump bei einem Treffen im Weißen Haus zu seiner Reichweite von 28 Millionen Followern gratuliert.

Vor der Attacke auf das Kapitol am 6. Januar dieses Jahres habe der Algorithmus Trump-Followern Gruppen empfohlen, in denen sich gewaltbereite Demonstranten organisierten, um gegen den vermeintlichen Wahlbetrug zu protestieren. Trump selbst befeuerte den Mythos der gestohlenen Wahl. Erst nach dem Sturm aufs Kapitol ließ ihn Zuckerberg sperren.

Ex-US-Präsident Donald Trump will Google, Twitter und Facebook verklagen. Nach dem Sturm auf das US-Kapitol waren seine Accounts gesperrt worden.

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Die Autorinnen kommen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Facebook habe bereits vor dem 6. Januar gewusst, was geplant war.

Sie waren alarmiert wegen diesem Tag. Sie bemerkten, dass Personen darüber sprachen, Waffen mitzubringen, und Fotos eigener Waffen in Facebook-Gruppen posteten und darunter schrieben: 'Ich bringe dieses Sturmgewehr mit nach Washington.'
Sheera Frenkel, New York Times

In der algorithmischen Verstärkung von Emotionen liege die DNA von Facebook - was das für Konsequenzen haben kann, machen die Autorinnen deutlich. Stimmen, die eine Abkehr von diesem Geschäftsmodell Zuckerbergs fordern, seien im Unternehmen ignoriert worden.

Facebook reagiert mit Statement auf das Enthüllungsbuch

Die Autorinnen haben fünf Jahre recherchiert und mit rund 400 Personen für das Buch gesprochen: darunter zahlreiche Facebook-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Entstanden ist ein Psychogram in Buchform, das kritischen Stimmen eine Bühne gibt.

Es fühlte sich fast so an, als ob wir in einer Therapiesitzung mit jemandem saßen, der sich Jahre der Frustration und Angst von der Seele reden wollte. Und eigentlich sind das Menschen, die sich sehr um Facebook sorgen und wollen, dass es Facebook besser macht.
Sheera Frankel, Reporterin und Autorin

Die Autorinnen ließen ihre Recherchen vorab von Facebook gegenchecken. Nach Veröffentlichung reagierte das Unternehmen mit einem Statement: Das Buch basiere auf selektiven Interviews und folge einem falschen Narrativ.

Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg wollten den Autorinnen für das Buch kein Interview geben.

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