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Fünf Jahre "Wir schaffen das" - "Fehler, die ich mache, zählen doppelt"

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"Wir schaffen das." Fünf Jahre ist es her, dass Angela Merkel diesen Satz sagte. Doch der Umgang mit Geflüchteten bewegt noch immer, zeigt ZDF-Reporter Jochen Breyer. 

ZDF-Reporter Jochen Breyer will wissen: Haben wir es geschafft? Was läuft gut, was schlecht?

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"Bin aus Syrien, seit vier Jahren hier. Habe dieses Jahr das Abitur geschafft und arbeite nebenbei. Trotzdem wurde ich schon zwei Mal angegriffen." Diese Nachricht bekam ZDF-Reporter Jochen Breyer von Muawi Fares.

Seit zwei Jahren lebt er im brandenburgischen Eberswalde - eine kleine Wohnung, bezahlt vom Jobcenter. An der Wand: Fotos von Familie, Freunden und Klassenkameraden aus Syrien.

Deutschland ist noch kein Zuhause

Mit gerade einmal 16 Jahren kam er als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland. Und ging nach drei Monaten in die Schule, ganz ohne Deutsch zu sprechen. Weil sein Asylantrag noch nicht bearbeitet war, musste der Deutschkurs warten. Heute genießt der Abiturient den sogenannten subsidiären Schutz, der alle zwei Jahre erneuert werden muss. Ein Familiennachzug ist damit ausdrücklich nicht möglich.

Und so fühlt er sich noch immer nicht wirklich zuhause in Deutschland:

Alles, was ich mache, zählt. Ich habe Angst, dass ich irgendetwas Falsches mache und dann wird es pauschalisiert. Die Fehler, die ich mache, zählen vielleicht doppelt.

Muawis Traum: Irgendwann einmal Medizin zu studieren. Aber noch weiß er nicht, ob er überhaupt dauerhaft in Deutschland bleiben kann.

Fünf Jahre nachdem die ersten Flüchtlinge nach Templin kamen, blicken wir zurück und schauen, wie die brandenburgische Kleinstadt die Integration gemeistert hat.

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So wie Muawi sind seit dem Sommer 2015 überproportional viele junge Männer nach Deutschland gekommen: Knapp 50 Prozent der Flüchtlinge waren damals männlich und unter 30 Jahren alt. Das bringt mancherorts einige Probleme mit sich. Doch Ludger Boeck aus Bobingen bei Augsburg sieht genau darin eine große Chance.

Der Unternehmer bildet in seiner Firma aktuell 30 Geflüchtete zum Industriemechaniker aus. Zumeist sind es Männer, das Durchschnittsalter liegt bei Mitte 30. "Potentialträger" nennt Boeck sie gerne: "Wir haben Leute hier, die sind ausgebildete Physiker, die sind 'angebrütete' Juristen. Die sind als Lehrer tätig gewesen in Syrien. Die sind natürlich auf diese Art und Weise überhaupt nicht in der Lage, ihr Potenzial tatsächlich zu erschließen."

Boeck erwartet Leistungsbereitschaft – anders könnten sie am Arbeitsmarkt nicht bestehen.

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Potentialträger besser fördern

Haderazgi T. aus Eritrea macht eine Ausbildung zum Industriemechaniker und hofft auf eine Zukunft in Deutschland.
Haderazgi T. aus Eritrea macht eine Ausbildung zum Industriemechaniker und hofft auf eine Zukunft in Deutschland.
Quelle: ZDF/Mirko Schernickau

Deutschlandweit sind insgesamt circa 40 Prozent der Geflüchteten in Anstellung. Für den Unternehmer ist das keine gute Bilanz. "Ich finde das erschreckend, weil das Parken in diesen Minijobs und in diesen unterschwelligen Berufen wird vielerlei, in vieler Hinsicht dem Potenzial der Mitarbeiter nicht gerecht. Da könnte viel mehr gehen."

Vier Tage praktische Arbeit an der Werkbank, ein Tag Unterricht wie in einer Berufsschule, dazu berufsorientierter Deutschunterricht: So will Boeck die Geflüchteten fit machen für den Arbeitsmarkt. Zumindest diejenigen, die schon ein gewisses Maß an Vorbildung mitbringen. Und so will der Unternehmer auch Geld verdienen.

Denn jeder einzelne soll nach der Ausbildung übernommen und als Facharbeitskraft auch in anderen Unternehmen eingesetzt werden. "Ich bin mittlerweile 62 Jahre, ich habe viele Unternehmen geleitet, gekauft und verkauft und meinen Schnitt dabei gemacht. Ich sage, ich kann was zurückgeben und trotzdem weiter Geld verdienen."

Deutschkurse mit gemischter Bilanz

Doch nicht überall gelingt Integration, erzählt Susanne Rothenburg. In der Volkshochschule hat sie 2014 begonnen, Geflüchtete in Deutsch zu unterrichten. Teilweise erlebte sie hochmotivierte Flüchtlinge - doch die schlechten Erfahrungen überwögen, sagt Rothenburg:

"Das fängt an mit Leuten, die zum Kurs verpflichtet werden, dann aber nicht zur Schule kommen. Teilweise werden wir als Lehrerinnen auch nicht wirklich für voll genommen. Nicht alle, immer Einzelne. Aber das macht natürlich auch ein Bild."

Seit 2018 gibt Rothenburg keine Deutschkurse mehr. Doch für einige Geflüchtete setzt sie sich weiterhin ein, unterstützt sie bei Behördengängen oder der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

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