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Mutmaßliche IS-Terroristin - Totes Mädchen: Jennifer W. bricht Schweigen

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Jennifer W. soll tatenlos zugesehen haben, wie ein Kind verdurstete. Seit zwei Jahren läuft der Prozess. Jetzt brach die mutmaßliche IS-Terroristin ihr Schweigen.

Die Angeklagte mutmaßliche IS-Rückkehrerin sitzt vor Prozessbeginn auf ihrem Platz in der ersten Reihe im Gerichtssaals am 10.03.2021.
Im Mordprozess gegen Jennifer W. wurde eine Erklärung der Angeklagten verlesen.
Quelle: dpa

Fast zwei Jahre hat sie geschwiegen - jetzt hat die mutmaßliche IS-Terroristin Jennifer W. sich zu den grausigen Vorwürfen gegen sie geäußert: In einer persönlichen Erklärung, die ihre Anwältin am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München verlas.

Darin schildert sie, wie ihr damaliger Ehemann die erst fünf Jahre alte Rania im Jahr 2015 mit einem Seil im Innenhof ihres Hauses in der irakischen Stadt Falludscha festgebunden haben soll. "Ihre Hände waren vorne an den Handgelenken zusammengebunden." Sie sagt:

Ich wollte ihr natürlich auf der Stelle helfen, wusste aber nicht, wie.
Auszug aus der schriftlichen Erklärung von Jennifer W.

Fünfjähriges Kind sollte "bestraft" werden

Sie habe gemerkt, dass es immer heißer und die Sonne stärker wurde. Darum habe sie versucht, ihren Mann dazu zu bewegen, das Kind wieder ins Haus zu holen. Er sei aber aggressiv geworden, habe gesagt, das Ganze gehe sie nichts an. Das Kind habe lernen sollen, "zu hören".

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Immer wieder habe sie ihn gebeten, das Mädchen wieder reinzulassen. Sie habe währenddessen geputzt und mehrmals nach dem Kind geschaut. Sie sei "erschrocken, wie schnell sich ihr Zustand verschlechtert hatte". Erst als die Kleine zusammensackte, sei er zu ihr gelaufen und habe sie losgebunden.

Angeklagte habe nichts vom Tod des Kindes gewusst

Weil sie leblos blieb, sei er mit ihr aus dem Haus gelaufen und zu einem Krankenhaus gefahren. In der Erklärung der Angeklagten hieß es:

Ich war geschockt.
Auszug aus der schriftlichen Erklärung von Jennifer W.

Sie habe geweint und nicht schlafen können. Bei seiner Rückkehr habe ihr Mann nicht gesagt, dass Rania gestorben sei.

Kurz nach diesem Ereignis, das sie in der Erklärung mit "Der Tag" überschrieb, sei das Paar aus dem Irak in die Türkei gereist. Von dort aus wurde Jennifer W. dann nach Deutschland abgeschoben, bei einem erneuten Ausreiseversuch Jahre später wurde sie dann festgenommen und schließlich angeklagt.

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