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James Dean kehrt zurück auf die Leinwand

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In Vietnamkriegsepos - James Dean kehrt zurück auf die Leinwand

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James Dean steht vor dem digitalen Comeback. Der früh verstorbene Hollywood-Star übernimmt als digitaler Avatar eine Nebenrolle in einem Kriegsfilm.

Archiv: Ein Portrait des US-Schauspielers James Dean , aufgenommen am 01.01.1956
Der Hollywood-Schauspieler James Dean in einer Szene des Films "Giganten" von 1956.
Quelle: Reuters

Die Karriere des jungen Stars soll langsam aufgebaut werden. Eine Nebenrolle in einem Kriegsfilm legt den Grundstein, später soll er auch Hauptrollen übernehmen. Das Ungewöhnliche an dem Projekt: Der Schauspieler ist seit 64 Jahren tot. Dennoch hoffen die Produzenten, dass James Dean mit seinem Charme eines jugendlichen Rebellen noch immer die Massen in die Kinosäle lockt.

"Wollen ein virtuelles Abbild von James Dean erschaffen"

Allerdings wirft eine solche digitale Auferstehung auch Fragen nach der Sterblichkeit und der Würde der Toten auf. "Wir wollen ein virtuelles Abbild von James Dean erschaffen", erklärt Travis Cloyd, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Worldwide XR, das beim Design des Projekts federführend ist. "Dabei geht es nicht nur um einen Film, sondern um viele Filme, außerdem um Computerspiele und virtuelle Realität."

Ziel sei es, "den ultimativen James Dean" zu schaffen, damit dieser über alle Medien hinweg erlebbar werde. Das Recht des geistigen Eigentums werde dabei natürlich geschützt, versichert Mark Roesler, Chef von CMG Worldwide.

Das Unternehmen hält die Rechte an Deans Bild und vergibt Lizenzen für dessen Nutzung. Das sei auch im Interesse der Klienten, die diese Rechte und die Erinnerungen an einen geliebten Menschen schützen wollten, sagt Roesler. Er und Cloyd haben keine Rechte an den Filmen James Deans erworben, sondern stützen sich auf Fotos und Aufzeichnungen von TV-Auftritten des Hollywood-Stars.

James Dean - eine kurze Karriere, ein früher Tod

Filmplakat "Giganten"

Für eine solch digitale Auferstehung ist James Dean ein naheliegender Kandidat. Kaum einer verkörpert das alte Hollywood so wie er. Seine kurze Karriere und sein früher Tod unterstützten Deans posthumen Aufstieg zur Legende. Dabei drehte er nur drei Filme: "Jenseits von Eden", "...denn sie wissen nicht, was sie tun" und "Giganten".

James Dean starb im Alter von 24 Jahren bei einem Autounfall. Die vielen Fotos und Videoaufzeichnungen werden digital bearbeitet und kombiniert mit der Arbeit eines Schauspielers, der als Double einspringt. Auch Deans Text in dem Vietnamkriegsepos "Finding Jack" wird von einem lebenden Schauspieler gesprochen.

Nicht nur Begeisterung

Vielleicht kann ja auch ein Computer einen neuen Picasso malen. Oder neue John-Lennon-Songs schreiben. Dieses mangelnde Verständnis ist eine Schande.
Chris Evans, Schauspieler via Twitter

Die Ankündigung der filmischen Wiederauferstehung des Hollywood-Stars löste im vergangenen Jahr nicht nur Begeisterung aus. So erklärte der Schauspieler Chris Evans ("Captain America") via Twitter: "Vielleicht kann ja auch ein Computer einen neuen Picasso malen. Oder neue John-Lennon-Songs schreiben. Dieses mangelnde Verständnis ist eine Schande."

Die Chefredakteurin der Filmzeitschrift "Empire", Terri White, bezeichnet die Entwicklung als zynisch und ein wenig geschmacklos. "Die Reaktion auf das Dean-Projekt zeigt, glaube ich, dass die meisten Menschen das gar nicht wollen."

Die Macher des Dean-Projekts sind trotz der teils heftigen negativen Reaktionen von ihrem Vorhaben überzeugt. Cloyd von Worldwide XR spricht von einer "disruptiven Technologie". "Wenn die Menschen das erste Mal davon hören, sind sie erschrocken. Doch das ist es, wohin der Markt sich bewegt."

Bereits 1959 erste gedoubelte Szenen

Neu ist die Idee digitaler Schauspieler nicht, auch wenn sie in der Vergangenheit noch unbeholfen umgesetzt wurde. Schon 1959 wurden ältere Aufnahmen des Horrorfilm-Stars Bela Lugosi im Zusammenspiel mit einem Double, dem ein Cape über den Kopf gehalten wurde, für den Film "Plan 9 aus dem Weltall" verwendet.

"Bruce Lee - Mein letzter Kampf" blieb nach dem Tod des Hauptdarstellers 1973 zunächst unvollendet, kam dann aber fünf Jahre später mit einigen Doubles und neuer Vertonung in die Kinos. Paul Walker, Star aus "The Fast and the Furious", starb 2013 noch vor dem Ende der Dreharbeiten für "Furious 7". Seine beiden jüngeren Brüder sprangen ein, damit die fehlenden Szenen nachgedreht werden konnten. Sogar John Lennon und viele andere historische Figuren wurden für "Forrest Gump" von 1994 wiedererweckt.

Seitdem haben sich die technologischen Möglichkeiten enorm verbessert. Sichtbar wurde das in Martin Scorseses "The Irishman" oder in "Gemini Man" vom vergangenen Sommer, in dem Will Smith digital verjüngt seinem älteren Ich gegenübersteht. Carrie Fisher kehrte 2016 erst als junge Frau in "Rogue One: A Star Wars Story" zurück und erschien nach ihrem Tod erneut in ihrer Rolle als Leia in "The Stars: The Rise of Skywalker".

Kritiker sehen moralisches Dilemma

Die Szenen mit den verstorbenen Schauspieler riefen vereinzelt Kritik hervor, die sich unter anderem auf die Qualität der Bilder bezog, aber insgesamt scheint das Publikum die Technik akzeptiert zu haben. Der Experte für Spezialeffekte, Pablo Herman, der mit Robert De Niro an "The Irishman" arbeitete, sieht in den neuen Möglichkeiten ein moralisches Dilemma. "Die wichtigste Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Warum?", erklärt er: "Das frage ich mich immer: Dient es der Geschichte?" Wenn die Zuschauer aber die digitalen Versionen ihrer früheren Stars akzeptieren, dann werden die ethischen Bedenken wohl rasch der Kraft des Marktes weichen müssen.

James Dean wird in "Finding Jack" eine Nebenrolle spielen, weiter wollen die Verantwortlichen noch nicht gehen. Aber sie hoffen, dass sein digitaler Avatar eines Tages einen ganzen Film tragen kann. "An einem gewissen Punkt wird es ein James-Dean-Biopic geben", sagt Cloyd. "Ich glaube, die Technologie ist heute noch nicht so weit, um dieses Risiko einzugehen."

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