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Zehn Jahre nach Fukushima-GAU - Radioaktives Wasser ins Meer leiten?

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Die japanische Regierung hat bekannt gegeben, über eine Million Kubikmeter radioaktives Wasser ins Meer leiten zu wollen. Dagegen gibt es Protest, aber ist es wirklich ein Skandal?

Viele Wassertanks, im Hintergrund Block 1 und 2 des Kraftwerkskomplexes Fukushima Daiichi.
Etwa 70 Prozent der Tanks von Fukushima Daiichi enthalten noch Cäsium, Strontium und andere radioaktive Substanzen, die noch herausgefiltert werden müssen.
Quelle: ZDF

Es geht um 1.230 riesige Tanks, die auf dem Gelände der Kraftwerksruine Fukushima-Daiichi stehen. Sie sind mit dem Wasserstoffisotop Tritium belastet. China, Südkorea, Greenpeace, die Anwohner und die Fischer in der Präfektur Fukushima protestieren gegen die Einleitung.

Das Tritium, das die Tanks von Daiichi enthalten, macht zweifellos eine hohe Radioaktivität aus, etwa zehn hoch fünfzehn Becquerel - also eine Eins mit 15 Nullen an radioaktiv zerfallenden Tritium-Atomen pro Sekunde. Grundsätzlich gilt: Jede Freisetzung von Radioaktivität sollte vermieden werden. Aber die einzige praktikable Alternative wäre, dass Wasser weiter in Tanks zu lagern. Denn das Tritium herauszufiltern ist bisher nicht möglich.

Japan hat angekündigt, konterminiertes Wasser aus dem Unglücksreaktor in Fukushima ins offene Meer zu leiten. Man wolle damit in zwei Jahren beginnen, so Ministerpräsident Suga.

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Die europäischen Wideraufbereitungsanlagen haben mit Tritium als Abfallprodukt dasselbe Problem. Die Nuklearindustrie hat sich das Einleiten aber von vornherein genehmigen lassen, in weitaus größerem Umfang als in Japan: Allein die Anlage im französischen La Hague leitet pro Jahr tritiumhaltiges Wasser mit etwa zehn hoch sechzehn Becquerel in den Atlantik - also zehnmal mehr Tritium als derzeit in Fukushima lagert. Das wird in Europa deshalb praktiziert, weil es im Ozean möglich ist, Tritium so stark zu verdünnen, dass es kaum noch nachweisbar ist.

Kern des Skandals: Salamitaktik des Betreibers

Hinzu kommt: Tritium ist ein so genannter weicher Beta-Strahler mit einer Halbwertszeit von zwölf Jahren. Dessen energiearme Strahlung kann noch nicht einmal durch eine Plastikfolie oder durch die Haut dringen. Wenn es mit der Nahrung oder dem Trinkwasser in den Körper gelangt, kann das Isotop dennoch Körperzellen schädigen. Anders als radioaktives Cäsium oder Strontium lagert sich Tritium jedoch zum größten Teil nicht dauerhaft im Körper ein, sondern wird nach und nach wieder ausgeschieden.

Am 11. März 2021 jährt sich zum zehnten Mal die Tsunami- und Atomkatastrophe von Japan, die bis zu 20.000 Menschen das Leben und rund 160.000 Japaner ihre Heimat kostete.

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Der Kern des Skandals um das Wasser von Fukushima-Daiichi hat mit der Salamitaktik zu tun, die der Betreiber TEPCO in den vergangenen zehn Jahren praktiziert hat und die von der japanischen Regierung gedeckt wurde: Über Jahre hat TEPCO verlautbart, dass seine Reinigungsanlagen alle radioaktiven Isotope bis auf Tritium herausfiltern würden. 2018 musste der Betreiber jedoch eingestehen, dass etwa 70 Prozent des gefilterten Wassers noch mehr Cäsium, Strontium und weitere radioaktive Elemente enthalten als zulässig. Sechs Prozent enthalten sogar mehr als das 100-fache des zulässigen Wertes.

Eine Reihe von Wassertanks im Kraftwerkskomplex Fukushima Daiichi.
Jeder dieser Tanks enthält eine Million Liter.
Quelle: ZDF

Das Zurückhalten dieser Informationen wurden von vielen Seiten kritisiert. Dabei hätte TEPCO durchaus mit offenen Karten spielen können, denn es gab dafür Gründe: Es ging darum, in einem ersten Schritt das Wasser möglichst schnell zu filtern, um die radioaktive Belastung auf dem Gelände zu verringern. Dafür nahm man bewusst in Kauf, das Wasser noch ein zweites Mal filtern zu müssen, ehe ein Einleiten grundsätzlich möglich wäre. Dafür hat TEPCO jetzt eine zusätzliche Reinigungsanlage in Betrieb genommen.

Intransparente Informationspolitik

Dieses Beispiel ist nur eines von vielen, die die intransparente Informationspolitik von TEPCO und der japanischen Regierung prägen. Umfragen zeigen, dass sie damit das Vertrauen der Bevölkerung in der Präfektur Fukushima und auch in ganz Japan verspielt haben. Und das rächt sich jetzt bei dem Umgang mit dem belasteten Wasser: Die Mehrheit der Bevölkerung vertraut der Argumentation der Regierung nicht und auch nicht einem Gutachten der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA, das die Einleitung ins Meer empfiehlt. Die Menschen der Region machen sich große Sorgen und sind dagegen.

Fische werden für die Laboruntersuchung auf Radioaktivität vorbereitet.
In der Präfektur Fukushima werden von jedem Fang Stichproben auf Strahlung untersucht.
Quelle: ZDF

Die Fischer in der Präfektur Fukushima haben seit 2020 wieder begonnen, ihre Ware zu verkaufen - allerdings noch in reduziertem Umfang. Der Fisch wird auf Radioaktivität kontrolliert und fast alle Messergebnisse liegen unterhalb des Grenzwertes, viele sogar unterhalb der Nachweisgrenze. Der Plan ist, schrittweise wieder zu den alten Fangquoten zurückzukehren.

Die Fischer haben die begründete Sorge, nach dem Einleiten des Wassers aus Daiichi nichts mehr verkaufen zu können, obwohl sich die Strahlungswerte der Fische gar nicht ändern werden. Der Schaden wird zwar nur ein Imageschaden sein, verursacht durch den Vertrauensverlust von TEPCO und der japanischen Regierung - aber die Fischer bedroht er in ihrer Existenz.

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