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Verbotenes Rätselraten?

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BGH verhandelt zu Clickbaiting - Verbotenes Rätselraten?

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Dürfen Medien bei Klickködern auch Bildern von Prominenten nutzen? Moderator Günther Jauch streitet vor Gericht um Schadensersatz wegen eines besonders perfiden Clickbaitings.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe.
Der Bundesgerichtshof hat heute verhandelt, ob Bilder von Prominenten als Klickanreiz verwendet werden dürfen. Eine Entscheidung gibt es noch nicht.
Quelle: Uli Deck/dpa/Archiv

Clickbaiting ist an sich rechtlich völlig unproblematisch, ganze Fernseh-Serien basieren schließlich auf dem Prinzip des Cliffhangers. Anders sieht es aber aus, wenn Fotos von Prominenten als Aufmerksamkeitsköder verwendet werden, die Prominenten selbst aber im Artikel gar nicht auftauchen.

Prominente als Köder

In diesen Fällen geht es also gar nicht um einen Hinweis auf Berichterstattung über diese Prominenten. Vielmehr dient der Prominente ausschließlich als Köder, ohne dass er mit dem aufgerufenen Inhalt irgendetwas zu tun hätte. Muss ein Prominenter so ein Clickbaiting mit seinem Bildnis hinnehmen oder kann er Unterlassung und Schadensersatz verlangen?

Diese Frage verhandelte heute der Bundesgerichtshof (BGH). Es ging um den Facebook-Post einer Fernsehzeitschrift aus dem Jahr 2015. Dort zu sehen waren vier bekannte deutsche Moderatoren: Stefan Raab, Roger Willemsen, Günther Jauch und Joko Winterscheidt.

Artikel über Krebserkrankung

Facebook-Post einer Fernsehzeitschrift aus dem Jahr 2015. Dort zu sehen waren vier bekannte deutsche Moderatoren: Stefan Raab, Roger Willemsen, Günther Jauch und Joko Winterscheidt.
Mehr als nur ein Cliffhanger: Hier werden Bilder von Prominenten als Köder benutzt.
Quelle: ZDF

In der Überschrift hieß es zu diesem Bild: "Einer dieser Moderatoren muss sich wegen Krebserkrankung" zurückziehen. Wer dann auf den Link zur Internetseite klickte, gelangte zu einem Artikel über die Krebserkrankung des später im Jahre 2016 verstorbenen Roger Willemsen.  

Günther Jauch wollte dieses Clickbaiting nicht hinnehmen und ging juristisch dagegen vor. Die Fernsehzeitschrift entschuldigte sich zwar für die Berichterstattung und versprach Unterlassung, doch Schadensersatz wollte sie nicht zahlen.

Jauch reichte daraufhin Klage ein und gewann in den ersten beiden Instanzen. Zuletzt sprach ihm das Oberlandesgericht Köln eine fiktive Lizenzgebühr in Höhe von 20.000 Euro zu.

Bei der Ermittlung der fiktiven Lizenzgebühr prüft das Gericht, wieviel der Verlag dem Betroffenen für den Post hätte zahlen müssen, konkret welchen Preis Günther Jauch für seine werbliche Verwendung hätte verlangen können.

Fernsehzeitschrift zieht vor den BGH

Die Fernsehzeitschrift war mit dem Urteil nicht einverstanden und zog vor den BGH. Dort argumentierte ihr Anwalt Thomas Winter heute vor Gericht, es sei nichts Besonderes, wenn Medien mit Teasern Aufmerksamkeit erregen.

Jauch tauche im Artikel nicht auf, weil es sich um ein Rätsel handele, bei dem eben nur die richtige Antwort aufgelöst werde. Zwar sei der vorliegende Post geschmacklos, deswegen habe der Verlag auch einen Shitstorm bekommen. Doch der BGH dürfe sich nicht von der sensiblen Thematik der Krebserkrankung leiten lassen.

Anwalt: Verlage müssen Rätsel machen dürfen

Als Beispiel nannte er eine Einblendung von Fotos von Fußballern mit der Frage: "Welcher Fußballer hat einen Millionen Euro gespendet?", worauf durch einen Klick ein Fußballer präsentiert werde, der tatsächlich gespendet hat. Der BGH würde mit einer Entscheidung gegen den Verlag das Clickbaiting generell "tot machen". Verlage müssten Rätsel machen dürfen, dafür benötigen sie Bilder.

Den Vorsitzenden Richter Thomas Koch schien das letztere Argument nicht recht zu überzeugen. Er antwortete: "Sie können so viele schöne Rätsel machen mit anderen Bildern". Sinngemäß fragte er, ob denn gerade mit Personen Rätsel gemacht werden müssten.

Anwalt Winter hatte hier eine Antwort parat, im Segment der Boulevard-Zeitschriften, in People-Magazinen, interessierten sich die Leser nun mal für Personen und nicht für Hunde.

Entscheidung noch offen

Günther Jauchs Anwalt Frank Seiler betonte, die Berichterstattung habe keinerlei Informationswert, sie nutze den Marktwert von Günther Jauch aus und verbreite haltlose Spekulationen über diesen. In dem Clickbaiting liege eine kommerzielle Verwertung der Persönlichkeit von Günther Jauch.

Durch die rechtswidrige Bildnisveröffentlichung habe der Verlag einen Vorteil erlangt, deswegen könne der Fernsehmoderator auch einen Ausgleich verlangen. Der BGH ließ offen wie er den Fall entscheiden wird.

Felix W. Zimmermann ist Redakteur in der ZDF-Redaktion Recht und Justiz. Dem Autor hier auf Twitter folgen.

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