Sie sind hier:

Bezos' Weltraumflug : Milliarden fürs All - muss das sein?

Datum:

Nach Unternehmer Richard Branson war nun mit Amazon-Gründer Jeff Bezos der nächste Milliardär im All. Kritiker finden: Das Geld wird auf der Erde dringender gebraucht.

Drei Minuten Schwerelosigkeit - es ist schon irgendwie aufregend, wenn eine Weltraumkapsel am Rande des Alls ankommt, um wenige Minuten später wieder sicher auf der Erde zu landen. Amazon-Gründer Jeff Bezos ist genau das gelungen: Sein Unternehmen "Blue Origin" startete den ersten Kurztrip ins All, ganz ohne Piloten, nur mit vier Passagieren an Bord, darunter er und sein Bruder.

Nur wenige Tage vorher bestieg bereits der britische Unternehmer Richard Branson in der Wüste von New Mexico sein Raumschiff, erlebte ebenfalls wenige Minuten Schwerelosigkeit. Der britische Unternehmer inszenierte sich als "Astronaut 001" und wurde von vielen gefeiert. Sein Versprechen: Bald sollen viele Menschen ins All reisen können.

Spott und Kritik an Branson

Doch Bransons PR-Coup bekam einen Knacks, schon kurz nachdem er wieder auf der Erde gelandet war. Da sagt er diesen Satz:

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Menschen jeden Alters, jeder Herkunft, jeden Geschlechts oder jeder ethnischen Zugehörigkeit den gleichen Zugang zum Weltraum haben.
Richard Branson, Unternehmer

Eine spöttische Twitter-Community fragte daraufhin, wie es eigentlich mit gleichen Zugangschancen auf der Erde aussehe. Einige linke US-Politiker*innen schlossen sich dieser Kritik an. Darunter auch Bernie Sanders, Demokrat und Senator von Vermont.

Hier auf der Erde, im reichsten Land des Planeten, lebt die Hälfte unserer Leute von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck, die Menschen kämpfen darum, sich zu ernähren, darum, einen Arzt aufzusuchen - aber hey, die reichsten Kerle der Welt sind im Weltraum unterwegs! Ja. Es ist Zeit, die Milliardäre zu besteuern.
Bernie Sanders, Demokrat

Natürlich gibt es in den USA auch die Gegenseite. Diejenigen, die darauf verweisen, dass Innovation eben nur mit Geld zu erreichen ist. Und dass in der Vergangenheit viele Erfindungen - das Telefon oder das Internet etwa - zunächst massiv unterschätzt wurden. Was also, wenn etwa Branson ebenfalls etwas entdeckt, was jetzt noch gar nicht abzusehen ist? Neue Technologien, so die Verteidiger*innen, würden langfristig auch zu neuen Jobs und Wirtschaftswachstum führen.

Nun also der nächste Milliardär. Bezos ist laut dem Magazin "Forbes" der reichste Mensch der Welt - mit einem Vermögen von etwa 205 Milliarden Dollar.

Petition fordert: Bezos soll im All bleiben

Die Ankündigung, dass auch er einen Kurztrip in die Erdumlaufbahn plant, kam schon vor einigen Wochen. Zusammen mit einer Auktion für ein Ticket zum Weltraumflug, das schließlich für 28 Millionen Dollar versteigert wurde. Etwa zeitgleich startete der 31-jährige Ric Geiger eine Petition, die fordert: "Erlaubt Jeff Bezos nicht, zur Erde zurückzukehren". Mehr als 160.000 Menschen haben inzwischen unterzeichnet.

"Für mich begann es als Scherz, denn offensichtlich können wir Jeff Bezos nicht davon abhalten, die Erde wieder zu betreten", erklärte Geiger. Doch mit der Kritik sei es ihm sehr ernst.

Es ist ein Schlag ins Gesicht, Milliardäre wie Bezos, Musk und Branson mit ihrem angehäuften Vermögen Weltraumrennen spielen zu sehen, während so viele von uns beten, dass unser Schrottauto nicht zusammenbricht, oder dass die Rationierung unseres Insulins uns nicht umbringt, oder das Trinken unseres Leitungswassers uns nicht krank macht.
Ric Geiger, Initiator der Petition

Besonders erzürnt Geiger und andere Kritiker*innen, dass Bezos und Co. kaum Einkommenssteuern zahlen. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte die Investigativ-Plattform "Propublica" eine Recherche, die nach eigenen Angaben auf Daten der US-Steuerbehörde IRS basiert. Amerikas Superreiche kamen dabei nicht gut weg.

Superreiche zahlen kaum Steuern

Demnach zahlte etwa Amazon-Gründer Bezos zwischen 2014 und 2018 einen durchschnittlichen Steuersatz von 0,98 Prozent - obwohl sein Vermögen in dieser Zeit um 99 Milliarden Dollar gewachsen war. Im Jahr 2011 zahlte Bezos gar keine Steuern und heimste sogar einen Kinderbonus ein. Weil er laut Steuererklärung mehr Geld ausgab, als er einnahm.

Das alles ist in den USA völlig legal. Denn die Einkommenssteuer wird nur auf wirkliche Einkommen fällig - und nicht auf Vermögenszuwächse, die etwa durch steigende Aktienpreise oder Immobilienpreise entstehen. Für durchschnittliche US-Amerikaner*innen, die jährlich mindestens 24 Prozent ihres Einkommens an die Steuerbehörde zahlen, ist dieses System dennoch schwer nachvollziehbar.

Geld lieber spenden?

Bezos' Ex-Frau will einen Großteil ihres milliardenschweren Vermögens für wohltätige Zwecke spenden. Damit schließt sie sich einer Bewegung an, die sich "Giving Pledge" nennt, was auf Deutsch so viel heißt wie: ein Versprechen abgeben. Bill und Melinda Gates hatten die Kampagne 2010 ins Leben gerufen.

Bevor das Geld aber bei Bedürftigen ankommt, wird es häufig von Stiftungen verwaltet. Spenden an private Stiftungen können meist von der Steuer abgesetzt werden. So errechnete der US-amerikanische Think Tank "Institute for Policy Studies", dass - wenn alle Mitglieder von "Giving Pledge" auch nur die Hälfte ihrer Versprechen wahr machten - 360 Milliarden Dollar Steuerausfälle entstehen würden. Davon abgesehen entscheiden die Milliardäre selbst, wer welche Unterstützung bekommt. Auch daran gibt es Kritik.

Jeff Bezos, Richard Branson und Tesla-Chef Elon Musk - der dritte Milliardär mit Weltraum-Ambitionen im Bunde - machten jedenfalls immer wieder klar, dass sie ihr Geld gut investiert sehen. Und dass sie in Zukunft eher mehr als weniger Raketen ins Weltall schicken wollen.

Der Autorin auf Twitter folgen: @ninaniebergall.

Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du bist dabei, den Kinderbereich zu verlassen. Möchtest du das wirklich?

Wenn du den Kinderbereich verlässt, bewegst du dich mit dem Profil deiner Eltern in der ZDFmediathek.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.