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Rocklegende und Sexsymbol - Vor 50 Jahren starb Jim Morrison

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Rocklegende, Sexsymbol, Provokateur: "Doors"-Sänger Jim Morrison starb am 3. Juli 1971 mit nur 27 Jahren nach einer Herzattacke. Bis heute kreisen Mythen um seinen frühen Tod.

Jim Morrison starb vor 50 Jahren
Jim Morrison, Frontmann der Rockband "The Doors", starb vor 50 Jahren.
Quelle: Manfred Rehm/dpa

Jim Morrison sitzt, weißhaarig und wohlbeleibt, unter Palmen mit einem kühlen Bier in der Hand und grinst. Seinen Fans, die ihn vergöttern, ist er entflohen, ebenso der Polizei und Justiz. Er ist jetzt 77 Jahre alt - und längst frei davon, ein Rockidol sein zu müssen. So in etwa stellen es sich wohl manche Anhänger des charismatischen Sängers der Rockgruppe "The Doors" vor.

Aber Jim Morrison starb bereits vor 50 Jahren, am frühen Morgen des 3. Juli 1971, in Paris. Um die Todesumstände ranken sich seither jede Menge Mythen - bis hin zu Erzählungen, er sei noch am Leben.

"Eidechsenkönig" und düsterer Poet

Die Rocklegende hatte sich als düsterer Prediger von rauschhaftem Leben, Chaos und Tod gegeben. Als selbsternannter "Eidechsenkönig" besang er die dunklen Seiten des Seins. 1991 veröffentlichte der US-amerikanische Fotograf und Journalist Bob Seymore zum 20. Todestag dann bisher unzugängliche polizeiliche und medizinische Berichte: Sie zeigten, dass Morrison "eines natürlichen Todes" einsam in einer Badewanne starb. Gezeichnet von Alkohol und einem ungesunden Lebensstil versagte das Herz des Sängers, der nur 27 Jahre alt wurde.

The Doors : When You're Strange
Jim Morrison und die "Doors": Rockmusik voller düsterer Fantasien und Rebellion
Quelle: arte

Bei seinen Fans auf der ganzen Welt löste der Tod des exzentrischen US-amerikanischen Künstlers einen Schock aus. Morrison, der 1943 als Sohn eines hohen Marineoffiziers in Florida geboren wurde, ist die Nummer vier im makabren "Club 27".

Bizarrer Starkult um den "Club 27"

In kurzer Abfolge starben um 1970 mehrere Hippie-Idole durch ihren selbstzerstörerischen Lebensstil mit Alkohol und Drogen im Alter von 27 Jahren:

  • "Stones"-Gitarrist Brian Jones (1969)
  • Gitarrengenie Jimi Hendrix
  • Sängerin Janis Joplin (1970)
  • Rocklegende Jim Morrison (1971)

Später kamen Kurt Cobain (1994) und zuletzt Amy Winehouse (2011) hinzu.

Rocksaenger und Gitarrist Jimi Hendrix

Jimi Hendrix seit 50 Jahren tot - An der Gitarre ein Gott, am Leben gescheitert 

Kurz und rauschhaft war das Leben von Legende Jimi Hendrix. Er gilt als größter Rock-Gitarrist des 20. Jahrhunderts - und starb mit 27 Jahren einen kleinen und elenden Drogen-Tod.

Der Tod Morrisons zu Beginn des neuen Jahrzehnts markierte für Fans und Musikkritiker das Ende der Hippie-Ära. Die Rockmusik offenbarte nun in ihre dunkle, gefährliche und auch tödliche Seite. Um die prominenten toten Stars entwickelte sich ein bislang unbekannter Starkult - am bizarrsten um James Douglas "Jim" Morrison.

"So ähnlich wie bei Janis Joplin oder Jimi Hendrix, die kurz zuvor ebenfalls mit 27 Jahren gestorben waren, gab es ein unheimlich schnelles Aufleuchten, aber auch den schnellen Verfall", sagt Professor Udo Dahmen, Leiter der renommierten Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die Kerze brannte von beiden Seiten.
Udo Dahmen, Popakademie Baden-Württemberg

Schamane der Rebellion oder Verführer der Jugend

Bis heute gilt der ehemalige Filmstudent, der 1965 die psychedelische Rockband "The Doors" gründete, als eine der geheimnisvollsten Figuren der Rockmusik. Seine Fans beteten ihn als Schamanen der Rebellion an, der sein Leben auskostet, bevor es verglüht. Er sei "eine Sternschnuppe", sagte Morrison einmal - schön, leuchtend, aber schnell vergänglich.

Jim Morrison
Jim Morrison beschrieb sich selbst als "Sternschnuppe": hell, leuchtend, schön - und schnell vergänglich
Quelle: dpda

Für die Elterngeneration und andere Autoritäten war Morrison indes ein Provokateur, der die Jugend ins Verderben führt.

In seiner unheilschwangeren Musik und als Poet lebte Morrison mit anspruchsvollen Texten seine Visionen, Ängste und oft auch gewaltsamen Fantasien aus. Er wurde der "erste männliche Pin-up-Star", schreibt die deutsche Biografin Ingeborg Schober. Der Song "Light My Fire" (1967), in dem sich Sex- und Todesfantasien mischen, machte die "Doors" zu einer der wichtigsten Rockbands der 1960er Jahre.

Mein größtes Talent ist, dass ich einen Rieseninstinkt für Selbstdarstellung habe.
Jim Morrison, 1970

Die in kurzer Abfolge herausgehauenen Platten wurden von der Kritik überwiegend gefeiert. Besonders markant - und düster: der Song "The End", mit dem der Regisseur Francis Ford Coppola später sein Kino-Meisterwerk "Apocalypse Now" untermalte.

Depressionen und exzessiver Alkoholkonsum

Morrison litt unter Depressionen, konsumierte exzessiv Alkohol. Wegen angeblicher Entblößung und unzüchtigen Verhaltens bei einer Show in Miami 1969 wurde er verurteilt, der öffentliche Aufruhr war groß. Gesundheitlich angeschlagen suchte Morrison Ruhe und zog im März 1971 zu seiner Lebensgefährtin Pamela Courson nach Paris.

Jim Morrison: Die letzten Tage in Paris
Morrison mit seiner Dauerfreundin Pamela Courson im Frühjahr 1971 in Paris.
Quelle: arte

Dort füllte er Notizbücher mit seinen Gedanken, stürzte sich ins Nachtleben, trank weiter. Bis heute kursieren wilde Gerüchte darüber, was in der Todesnacht geschah. Vielleicht schnupfte Morrison statt einer Prise Kokain versehentlich hochprozentiges Heroin seiner Freundin und starb daran, wie "Doors"-Schlagzeuger John Densmore in seinen Erinnerungen schreibt.

Mythen um Morrisons Tod

Ein Pariser Nachtclubbesitzer bot 30 Jahre später die Version an, Morrison habe dort auf der Toilette eine tödliche Überdosis Heroin genommen. Danach sei der tote Sänger heimlich in seine Mietwohnung gebracht worden, um den Vorfall zu vertuschen.

Auf dem Pariser Prominentenfriedhof Père Lachaise wurde Morrison am 7. Juli 1971 begraben. An der Beerdigung nahmen nur einige Freunde sowie Pamela Courson teil, die drei Jahre später an ihrer Heroinsucht starb. Das Grab wurde zur Wallfahrtsstätte: Fans aus aller Welt legten dort Blumen nieder, kifften, machten Musik, verunstalteten die Steinplatte mit Kritzeleien. Eine Büste, die einen strahlenden Jim Morrison zeigt, wurde 1988 gestohlen. Heute ist das verwahrloste Grab nur aus der Entfernung zu besichtigen, der Zugang ist durch ein Metallgitter gesperrt.

Beinharte Fans können sich jedoch nicht mit Morrisons Tod abfinden. Für sie lebt er als Aussteiger irgendwo unerkannt weiter. Der 2013 gestorbene "Doors"-Keyboarder Ray Manzarek behauptete bis zuletzt: Der Rockrentner Jim sitzt unter Palmen auf den Seychellen - und trinkt ein Bier darauf, dass er den ganzen Wahnsinn überlebt hat.

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