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Churchills Sekretärin: Geschichte mitgetippt

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Potsdamer Konferenz - Churchills Sekretärin: Geschichte mitgetippt

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Am 17. Juli 1945 treffen sich "die großen Drei" in Potsdam. Sie stellen die Weichen für Deutschlands Zukunft. Churchills damalige Sekretärin hat die Tage noch gut im Gedächtnis.

Am 17. Juli 1945 trafen sich die Siegermächte im Schloß Cecilienhof bei Potsdam um den jungen Frieden zu regeln. Folgen der damals getroffenen Beschlüsse waren die Teilung Deutschlands, aber auch die Vereinigung Europas.

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Natürlich ist sie aufgeregt. Ihr erster Flug mit einer Dakota-Militärmaschine führt sie an der Seite ihres Chefs ins Herz des besiegten Deutschlands. Ihr Chef? Kein geringerer als Winston Churchill. Kriegspremier. Britischer Fels in der Brandung. Joy Milward ist gerade mal neunzehn. Seit Anfang 1944 arbeitet sie als Zivilangestellte im Kriegskabinett. Die jüngste Sekretärin von Churchill. Er nimmt sie mit nach Potsdam zur Konferenz der Sieger im Juli 1945.

Zu Gast in Babelsberg - dem Hollywood Deutschlands

Die Dakota landet in Berlin-Gatow. Weiter geht es für die Pastorentochter nach Babelsberg. Sie bezieht mit einer Kollegin ein kleines Zimmer in einer schmucken Villa in der Kayserstraße 6 (heute Karl-Marx-Straße). Churchill wohnt in einem Herrenhaus um die Ecke - mit Seeblick, versteht sich. Heute residiert hier SAP-Chef Hasso Plattner. Es ist wie im Kino. Joy Milward notiert:

Wir waren im Hollywood von Deutschland gelandet.

Nur wohin mit ihren Notizen? Sie entdeckt im Haus ein leeres Wehrmachtstagebuch mit Eisernem Kreuz, verziert mit einem Hakenkreuz der Nazis. Das passt. Aus dem leeren deutschen Kriegsalbum macht sie ihr persönliches Tagebuch. Sie sammelt Ausweise und Einladungen für Dinner und Tanzabende. Sie klebt Fotos von der zerstörten Reichskanzlei ein, die sie samt Führerbunker in ihren freien Stunden besucht. Heimlich lässt sie ein Souvenir mitgehen. Einige Stücke Marmor von Hitlers monumentalem Schreibtisch. Es ist die Stunde der Sieger. Die Deutschen haben 1945 den Krieg verloren.

Vor 75 Jahren trafen sich Churchill, Stalin und Truman auf der Potsdamer Konferenz um über Deutschlands politische Zukunft zu beraten. Mit dabei: Joy Hunter, Churchills Sekretärin.

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Druck auf Churchill aus Großbritannien

Joy besucht die Alliierte Siegerparade an der Siegessäule auf der heutigen Straße des 17. Juni. Sie notiert fein säuberlich: "Die Parade war wundervoll. Ich wünschte nur, ich hätte länger bleiben können." Selbstverständlich muss sie jederzeit für ihren Chef einsatzbereit sein, auf der Imperial-Schreibmaschine Protokolle tippen oder Briefe verteilen.

Reiseschreibmaschine Imperial Good Model T, 1938, Privatbesitz
Auf so einer Reiseschreibmaschine tippte auch Joy Milward.
Quelle: SPSG

Churchill hat in diesen Tagen schlechte Laune. Während der Konferenz der großen Drei mit Kremlchef Josef Stalin und US-Präsident Harry S. Truman wird klar, dass er zwar den Krieg gewonnen, aber die Unterhauswahlen zuhause verloren hat. Ein Premier auf Abruf.

Ihr Potsdam-Tagebuch mit dem Eisernen Kreuz führt Joy liebevoll wie ein Poesiealbum vom 13. bis 28. Juli 1945. Stolz hat sie eine Einladung zum Dîner am 19. Juli festgehalten. Es gibt ein französisches Menu mit vier Gängen. Zum Auftakt Crème Dubarry, im Hauptgang Taube. Als Tanzpartnerin ist Joy besonders begehrt. Sie vergnügt sich bis zwei, drei Uhr in der Frühe. Am nächsten Morgen muss sie wieder Texte tippen.

Kriegskinder wie Gespenster

Potsdam und Berlin liegen 1945 in Trümmern. Sie sieht viele Flüchtlinge und traumatisierte Kinder, "wunderschön, blond und blauäugig, die wie Gespenster aussehen". Die Deutschen müssen auf Geheiß der Sieger ihre Häuser mit den Fahnen der Alliierten schmücken. Nicht einfach in Zeiten, in denen es nur rote Hakenkreuzfahnen des untergegangenen Regimes gibt.

Eines Tages versucht sie an der Konferenzatmosphäre vom Potsdamer Cecilienhof zu schnuppern. Wenigstens einmal will sie die großen Führer Stalin und Truman mit eigenen Augen sehen. Doch ein Rotarmist schickt sie zurück - ihr fehlt der entscheidende Ausweis für die VIP-Zone.

Churchills Niederlage platzt in die Konferenz

Am 28. Juli 1945 ist Schluss. Vorzeitig verlässt ein von der heimischen Wahlniederlage tief enttäuschter Churchill die Konferenz. Joy Milward folgt ihrem Chef. Das war es mit Potsdam. Mit der Abreise endet auch ihr Tagebuch.

Heute, nach 75 Jahren, erinnert eine Ausstellung im Potsdamer Schloss Cecilienhof an die Potsdamer Konferenz. Zur Eröffnung im Juni wollte die 94-jährige Lady nach Potsdam kommen. Corona stoppte alle Pläne. Aber das werde sie nicht hindern, es wieder zu versuchen, versichert sie. "Never give up!" Sie weiß, die beeindruckende Schau ist bis Ende Dezember 2020 geöffnet. An ihr soll ein Comeback nicht scheitern. Joy Milward, inzwischen eine verwitwete Hunter, lächelt zuversichtlich.

Im Postsdamer Schloss Cecilienhof treffen sich im Sommer 1945 die „großen Drei“, um über die Zukunft Deutschlands und Europas nach dem Krieg zu entscheiden.

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