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Wenn Jugendliche zu Tätern werden

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Prävention statt Freiheitsentzug - Wenn Jugendliche zu Tätern werden

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Sie verüben brutalste Verbrechen: Raub, Diebstahl und sogar Mord. Auch Jugendliche können Täter werden und müssen sich dafür verantworten. Doch wie geht die Justiz mit ihnen um?

Die Dokumentation von Liz Wieskerstrauch erzählt Fälle von straffällig gewordenen Kindern. Und zeigt auf wie Gerichte, Polizei, Sozialarbeiter und Experten sich bemühen, den jugendlichen Tätern zu helfen.

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43 min
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Von bundesweit fast 175.000 Gewalttaten im Jahr 2019 wurde der allergrößte Teil von Tätern begangen, die 21 Jahre und älter waren, nämlich 68 Prozent. Hier ist die Rechtslage klar. Doch was passiert, wenn Kinder Straftaten verüben? Täter im Kinder- und Jugendalter sollen zurück auf den richtigen Weg gebracht werden: Resozialisierung statt Strafe und Sühne, so will es das Jugendstrafrecht. Es gibt zahlreiche Sanktionsmöglichkeiten.

Urteile gegen 29.000 jugendliche Täter

2018 wurden in Deutschland circa 29.000 Jugendliche verurteilt, das sind die aktuellsten Zahlen. Am häufigsten verhängten die Richter sogenannte Zuchtmittel: Die beginnen bei Verwarnungen und gehen bis zu vier Wochen Arrest.

Die zweithäufigste Strafe: Erziehungsmaßregeln. Die Täter müssen eine Ausbildung beginnen oder Sozialarbeit ableisten. Zu einer Jugendstrafe im Gefängnis wurden die wenigsten verurteilt, insgesamt 1.252 - selbst hier gehen erzieherische Maßnahmen vor.

Laut Paragraph 19 des Strafgesetzbuches beginnt die Strafmündigkeit mit 14 Jahren. Bei Heranwachsenden ab 18 Jahren bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres muss in jedem Einzelfall entschieden werden, ob das Jugendstrafrecht oder das Erwachsenenstrafrecht angewendet wird.

Daniel wohnt seit drei Jahren in einer Wohngruppe für sexuell auffällige Jugendliche. Schon im Kleinkindalter war er schwierig.

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2 min
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Im Zweifel können Richter auch ein psychiatrisches Gutachten erstellen lassen, doch meistens wird bei Heranwachsenden das Jugendstrafrecht angewendet.

Jugendrichterin Monika Schorn erklärt: "Wenn es sich entweder um eine jugendtypische Verfehlung handelt oder aber er völlig reifeverzögert ist, dann wenden wir Jugendstrafrecht an. Die Rechtsprechung gibt uns natürlich auch Kriterien an die Hand: unreifes Verhalten, lebt noch bei den Eltern, hat noch keine Zukunftsplanung."

Reicht das Jugendstrafrecht bei schweren Straftaten aus?

Nach schweren Straftaten von Kindern oder Heranwachsenden wird immer wieder diskutiert, ob man das Jugendstrafrecht sogar erweitern sollte.

Dass bei Heranwachsenden zwischen 18 und 21 fast immer das Jugendstrafrecht angewendet wird, sieht Gutachter Christoph Wewetzer dagegen kritisch: "Für mich ist wesentlich: Wirklich zu schauen, sich diesen spezifischen Mann oder junge Frau oder Jugendlichen anzugucken und zu prüfen - wo steht der in seiner Entwicklung?

Ich habe schon 19-Jährige getroffen, da würde ich nicht empfehlen, das Jugendstrafrecht zur Anwendung zu bringen.
Christoph Wewetzer

Bis zu welchem Alter sollte das Jugendstrafrecht gelten?

Der Kriminologe Frieder Dünkel von der Universität Greifswald dagegen würde das Jugendstrafrecht am liebsten sogar bis zum Alter von Mitte 20 verlängern.

"Durch weltweite Untersuchungen hat man deutlich machen können, dass es bis etwa zum Alter von 25 Jahren eine Diskrepanz zwischen verschiedenen Hirnregionen gibt. Deswegen muss man einfach sehen, dass es hier einen Prozess der Reifung gibt, der eben sehr viel länger dauert, als wir bisher gedacht haben."

Ali ist 19 Jahre alt und hat bereits knapp drei Jahre seines Lebens in Haft verbracht - wegen Bandendiebstahls und schweren Raubes.

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Mehr Prävention, damit Kinder nicht auffällig werden

Bei aller Uneinigkeit darüber, ob das Jugendstrafrecht ausgedehnt werden sollte - vom Herabsetzen auf unter 14 Jahre halten viele Experten nichts. Stattdessen plädieren sie für mehr Prävention, denn viele Täter fallen schon früh aus dem System: durch Schulabbruch, Alkohol, Drogen oder Missbrauch.

Wenn Kinder auffällig werden, müssen bei allen die Alarmglocken schrillen. Je früher ihnen geholfen wird, desto besser ist es. Und dafür müssen alle an einem Strang ziehen: Eltern, Pädagogen, Sozialarbeiter, Polizisten und Juristen. Nur so kann es gelingen.

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