Sie sind hier:

Cybercrime und Kostenfalle - Was bringt das neue Jugendschutzgesetz?

Datum:

Cybergrooming, Cybermobbing, Kostenfallen - Kinder und Jugendliche sind im Netz zunehmend Gefahren ausgesetzt. Ab 1. Mai soll ein neues Jugendschutzgesetz sie davor bewahren.

Kinder verbringen viel Zeit im Internet. Dabei sollen sie nun besser geschützt werden - durch eine Reform des Jugendschutzgesetzes. Kritiker sagen: Gut gemeint, aber schlecht gemacht.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

"Wie alt bist du? Was hast du an? Ich würde dich gerne verwöhnen …". Nachrichten wie diese, haben schon viele Kinder und Jugendliche im Internet erhalten. "Cybergrooming" nennt sich das, wenn Erwachsene gezielt auf Online-Plattformen nach minderjährigen Nutzern suchen, um sie sexuell zu belästigen.

Das neue Jugendschutzgesetz, das zum 1. Mai in Kraft tritt, soll Minderjährige davor bewahren. Es ist längst überfällig, denn der bisherige Kinder- und Jugendmedienschutz stammt im Kern aus dem Jahr 2002 - aus einer Zeit, als Smartphones und Tablets, Soziale Netzwerke und Online-Streaminganbieter noch Zukunftsmusik waren.

Schutz vor Cybergrooming und Kostenfallen im Netz

Das novellierte Gesetz soll nun unter 18-Jährige nicht mehr nur vor jugendgefährdenden Inhalten - wie z.B. intensiven Gewaltdarstellungen - schützen, sondern auch vor sogenannten "Kommunikations- und Interaktionsrisiken". Also vor den Risiken, denen Minderjährige ausgesetzt sind, wenn sie über eine App oder ein Spiel mit Fremden interagieren können, z.B. über eine Chatfunktion oder über das Posten und Liken von Beiträgen.

Dafür sollen die von Kindern und Jugendlichen genutzten Internetdienste ins Boot geholt werden. Sie sollen effektive Vorsorgemaßnahmen treffen, damit Minderjährige nicht mehr Gefahr laufen, von Pädophilen oder Betrügern kontaktiert zu werden.

Welche Schutzvorrichtungen jedoch installiert werden, bleibt den Anbietern letztlich selbst überlassen: Das Gesetz nennt nur Beispiele, wie die Einrichtung eines "Melde-Buttons".

Altersbeschränkungen für App-Käufe und Chats

Konkreter ist das Gesetz bei der Alterskennzeichnung von Spielen und Filmen: Sie soll online wie im Einzelhandel vereinheitlicht werden. Games sollen zusätzlich bereits in ihrer Beschreibung darauf hinweisen, ob z.B. eine Chatfunktion oder In-App-Käufe im Spiel enthalten sind. Durch ein Symbol neben der Altersfreigabe soll dies deutlich werden.

Gegebenenfalls erhalten derart gekennzeichnete Spiele dadurch auch eine höhere Altersfreigabe. Eltern sollen so leichter erkennen können, welche Spiele für ihre Kinder geeignet sind.

Unter das neue Gesetz fallen allerdings nur große Online-Dienstanbieter mit mehr als einer Million Nutzer. Nichtkommerzielle oder nur von Erwachsenen genutzte Angebote sind von den Regelungen ausgenommen.

Medienkompetenz effektiver als Schutzgesetze

Was das Familienministerium als modernen Jugendschutz präsentiert, sehen andere als zahnlosen Tiger. Die Hauptkritikpunkte:

Medienaffine Kinder können Schutzeinrichtungen leicht umgehen, wohingegen Eltern bereits häufig schon mit der Technologie überfordert sind. Um Übergriffe im Netz zu verhindern sei es deshalb effektiver, die Medienkompetenz von Eltern und Kindern zu stärken, so Gesa Stückmann, Rechtsanwältin und Mediencoachin.

Die Digital- und Gamingbranche kritisiert das neue Gesetz, weil es zu noch mehr Verwirrung bei den Anbietern führe. Bisher haben die Länder die Internetinhalte überwacht. Jetzt wird das Jugendschutzgesetz von der hierfür eigens geschaffenen "Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz" überwacht, die auch Bußgelder gegenüber Anbietern verhängen kann.

Die Aktivistin Louisa Dellert kämpft öffentlich mit viel Kraft gegen Hass im Netz. Sie macht sichtbar, was geschieht und zeigt wie man sich wehren kann. Es gibt Organisationen, die dabei unterstützen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Mehrfachregulierung als Risiko für Kinder- und Jugendschutz

Der Bund grätsche nun mit dem Gesetz in Länderzuständigkeiten hinein und schwäche bereits etablierte Kontrollmechanismen. Marie Anne Nietak von Bitkom e.V. sagt:

Im Ergebnis führt dies zu einer unklaren Mehrfachregulierung und zunehmender Rechtsunsicherheit für die Anbieter.
Marie Anne Nietak, Bitkom e.V.

Wie effektiv das neue Gesetz wirklich Minderjährige vor den Gefahren im Netz schützen kann, muss sich zeigen. Immerhin soll es in regelmäßigen Abständen evaluiert werden um zu prüfen, ob es dem Medienschutz von Kindern und Jugendlichen in der sich stetig verändernden Online-Welt gerecht wird - und nicht erneut 20 Jahre vergehen, bis die gesetzlichen Regelungen an die mediale Realität angepasst werden.

Zwei Millionen Schüler betroffen - Cybermobbing steigt stark an 

Cybermobbing ist an Schulen kein neues Problem. Doch die Zahl der Betroffenen nimmt immer mehr zu. Die Corona-Krise verschärft das Problem noch weiter.

Videolänge
1 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.