Sie sind hier:

Kriminalität in Südafrika - Kapstadts brutale Bandenkriege

Datum:

Die Cape Flats, die Armenviertel in Kapstadt, haben eine der höchsten Mordraten weltweit. Hier regieren Banden, zu allem bereit. Die Polizei patrouilliert zwar, ist aber machtlos.

Unterwegs mit der Anti-Gang-Unit, eine Spezialeinheit der südafrikanischen Polizei. Sie versucht, die Gewalt in den Cape Flats einzudämmen. Nicht jeder der Beamten weiß, wohin es geht - so soll verhindert werden, dass die Gangster einen Tipp bekommen. Unser erstes Ziel ist Lavender Hill. Dort wohnt das Oberhaupt einer Gang, sie nennen sich die "Corner Boys". Die Beamten hoffen, dort Waffen und Drogen zu finden.

Es ist ein mehrstöckiges Gebäude, ein langgestreckter Wohnblock, an dem der Zugriff erfolgt. Die Beamten sichern die Umgebung und stürmen.

Südafrikanische Rand und Drogen findet die Polizei

Die Ermittler stellen die ganze Wohnung auf den Kopf, sie finden 12.800 Südafrikanische Rand, umgerechnet etwa 800 Euro. Und Drogen, verpackt in kleine Pakete, versteckt in Briefkästen. Die Einsatzleiterin zählt das Geld vor den Augen einer Bewohnerin des Hauses. Es wird in einer Tüte versiegelt und beschlagnahmt.

Die Beamten sind sicher: dieses Geld stammt aus dem Verkauf von Drogen. Waffen finden sie nicht. Der Leiter der Einheit, Major General André Lincoln, ist enttäuscht. "Ich denke, wir haben viel mehr erwartet, wir haben erwartet, hier wenigstens Schusswaffen zu finden. Aber wir waren nicht erfolgreich." Und warum dieser Misserfolg? "Das kann viele Gründe haben. Einer, dass sie eine Warnung bekommen haben. Sie können aber auch mit den Waffen losgezogen sein, um woanders damit zu schießen."

1.	Razzia in einem Armenviertel Kapstadts
Razzia in einem Armenviertel Kapstadts.
Quelle: Sandra Theiß/ZDF

Die Anwohner sind Razzien gewohnt

Während die Polizei die Wohnung durchsucht, versammeln sich rundherum Schaulustige. Es sind die Bewohner der umliegenden Wohnungen. Sie wirken relativ gelassen. Es scheint für sie ein vertrauter Anblick zu sein, der ihnen vertraut ist. Einer von ihnen erzählt uns, wie froh er ist, dass die Polizei hier ist.

"Wir leben hier mit Gangstern und Drogendealern. Es ist eine gute Sache, dass die Polizei ab und zu vorbeikommt und eine Razzia macht und Verdächtigen nachspürt und den kriminellen Aktivitäten", erzählt Anwohner Tony Whittle. "Das hier ist eine Gegend, in der erst vor wenigen Monaten kleine Kinder erschossen worden sind und das ist sehr traurig für uns."

Kinder zwischen Wellblechhütten in einem Armenviertel in Kapstadt
Blick in ein Armenviertel
Quelle: Sandra Theiß/ZDF

Die Gangs töten Rivalen, ohne mit der Wimper zu zucken

Das Territorium der Gangs - ein Umfeld aus Armut, Drogen und Gewalt. Seit Juli 2019 patrouilliert die Armee, doch das Töten geht weiter. In Lotus Rivier treffen wir Mitglieder einer Gang. Sie sprechen mit einer fast schon erschreckenden Offenheit über das Töten.

Wenn es um rivalisierende Banden und so geht, wird getötet. Wir schießen aufeinander. Jemand muss sterben. So läuft das.
Nawaaz Williams "Wakes", "Young Gifted Six Bob"-Gang

"Hier bei uns herrscht Krieg", sagt der junge Mann neben ihm und zeigt seine Schussverletzung. Es ist ein Krieg, in dem immer wieder auch Unschuldige sterben. So wie Alcardo, der Sohn von Avril Andrews. Seine Mutter erzählt uns, dass er sich den Gangstern entgegenstellte. Anscheinend wollten Drogendealer vor dem Haus der Familie Drogen verkaufen. Avril sagt, ihr Sohn habe versucht, das zu verhindern.

Gespräch zwischen Bandenmitgliedern und ZDF-Team
Gespräch zwischen Bandenmitgliedern und ZDF-Team
Quelle: Sandra Theiß/ZDF

Eines Tages wollte er abends noch einmal raus. Er sagte, er habe sein Telefon bei jemandem liegengelassen und wolle es holen. Avril Andrews erinnert sich an seinen Abschied: "Aus irgendeinem Grund hatte er Tränen in den Augen. Er sagte, er müsse gehen. Ich sagte, bitte geh' jetzt nicht, die Gegend ist nicht gut. (…) Dann ging er. Etwa 20 Minuten später kam jemand und sagte mir, er wurde erschossen."

Die Mütter der getöteten Kinder finden in einer Stiftung zusammen

Avril hat sich entschieden, nicht zu verbittern. Sie hat unter dem Namen ihres Sohnes eine Stiftung gegründet, es gibt auch eine Frauengruppe, "Moms move for Justice" heißt sie. Jede der Frauen durchleidet dasselbe Trauma. Sie alle haben ihren Sohn verloren.

Bei den Bandenkriegen in Kapstadt hat Nabeweya Solomon ihren Sohn verloren. Als er starb, war er 16 Jahre alt. Sie erzählt, wie das passiert ist.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Ihre Geschichten sind herzzerreißend. Der Schmerz unbeschreiblich. Jede Geschichte ist unterschiedlich, und doch klingen sie alle ähnlich. In einigen Fällen sind die Täter noch immer auf freiem Fuß. Manche Frauen begegnen ihnen regelmäßig. Sie fordern Gerechtigkeit.

Ich hoffe und bete, dass die Gerechtigkeit siegen wird - für alle Kinder, die ihr Leben in den Cape Flats verlieren. All die unschuldigen, die kleinen Kinder. Gerechtigkeit!
Nabeweya Solomon, Mutter

Die Polizei ist machtlos

Polizei und Armee haben der Gewalt nicht viel entgegenzusetzen. Zwar werden immer wieder Waffen, Drogen und Geld beschlagnahmt, mutmaßliche Täter verhaftet, doch die Umstände, aus denen heraus die Gewalt geboren wird, die Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit - daran ändert sich nichts. Es müsse viel mehr getan werden, sagt Avril, Sozialarbeiter, die an den gefährdeten Kindern dranbleiben, Arbeitsplätze und so viel mehr.

Avril und die Frauen wollen darauf nicht warten. Sie versuchen, mit eigenen Mitteln und Spenden die Situation in ihrem Umfeld zu verbessern. Avril hat eine Tafel ins Leben gerufen. Jeden Tag kommen etwa 200 Menschen, um etwas zu Essen zu holen.

Viele der jungen Leute wollen selbst gar keine Gangster sein, sagt Avril. Sie wünschten sich eine andere Zukunft, sähen aber keine Perspektive. Avril spricht Jugendliche an, bietet Hilfe, sucht nach Wegen aus der Gewalt. "Wir können nicht jeden retten", sagt sie, "aber vielleicht einen nach dem anderen."

Sandra Theiß leitet das ZDF-Studio in Johannesburg.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.