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Vorwurf des sexuellen Missbrauch - Kardinal Pell überraschend freigesprochen

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Der australische Kardinal Pell soll zwei Chorknaben sexuell missbraucht haben. Wegen dürftiger Beweislage endete das Verfahren gegen ihn mit einem Freispruch durch den High Court.

Kardinal George Pell auf dem Weg ins Gericht. Der wegen sexuellem Missbrauch verurteilte Geistliche kommt überraschend auf freien Fuß.
Der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte frühere Finanzchef des Vatikan, Kardinal George Pell, kommt auf freien Fuß.
Quelle: dpa

Der australische Kardinal George Pell war einst ein enger Vertrauter von Papst Franziskus und als dessen Finanzchef im Vatikan einer der ranghöchten Vertreter der katholischen Kirche. Dann wurde er wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt - und nun im Berufungsverfahren überraschend freigesprochen.

Pell hat bereits 13 Monate im Gefängnis gesessen

Der 78-jährige war vor einem Jahr wegen des Missbrauchs von zwei Chorknaben in den 90er Jahren zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberste Gericht Australiens kippte nun die Verurteilung aufgrund von Verfahrensmängeln. Pell soll sofort aus der Haft in der Nähe von Melbourne entlassen werden. Er hatte bereits 13 Monate einer sechsjährigen Haftstrafe abgesessen.

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Gegen den Kardinal gab es mehrere Vorwürfe

Begründet wurde der Freispruch damit, dass die Geschworenen im Prozess gegen ihn aufgrund der dürftigen Beweislage Zweifel an seiner Schuld hätten haben müssen, so der Richter. Verurteilt worden war Pell vor allem auf Grundlage der Zeugenaussage eines der beiden Jungen, der mittlerweile über 30 ist und eine Familie hat. Der andere starb an einer Heroin-Überdosis.

Gegen Pell waren schon zuvor mehrere ähnliche Vorwürfe vorgebracht worden, sie wurden aber allesamt fallengelassen oder von Gerichten gar nicht erst zum Prozess zugelassen.

Hin und Her im Verfahrensverlauf

Nach einem ersten Prozess im aktuellen Fall, der ohne Urteil geendet hatte, wurde Pell im zweiten Anlauf 2018 schuldig gesprochen, in seiner Zeit als Erzbischof von Melbourne in 1996 zwei 13-jährige Chorknaben sexuell missbraucht und wenig später einen von ihnen sexuell belästigt zu haben.

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Keine eindeutige Beweislast

Das Urteil gegen Pell wurde im vergangenen August von einem Berufungsgericht bestätigt. Der Kardinal zog daraufhin vor den High Court. Zentrale Fragestellung war, ob Pell genug Zeit und die Möglichkeit gehabt haben könne, um die ihm vorgeworfenen Taten in den fünf bis sechs Minuten nach der Messe zu verüben, in denen es zu den Übergriffen gekommen sein soll.

Pell war der ranghöchste Vertreter der katholischen Kirche, der je wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war.

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