11.11.: Was Krieg und Krise für Karneval bedeuten

    FAQ

    Alles wieder normal?:Was Krieg und Krise für Karneval bedeuten

    von David Metzmacher
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    Am 11. November beginnt die Karnevalssaison. Energiekrise, Ukraine-Krieg und Corona dämpfen die Erwartungen - gefeiert wird trotzdem. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

    Ein Mann steht mit Karnevals-Mütze in einer Straße in der Düsseldorfer Altstadt.
    Wird der Karneval wieder wie vor der Corona-Pandemie?
    Quelle: dpa

    Zwei Jahre lang hat die Corona-Pandemie Karneval, Fastnacht oder Fasching in Deutschland mit Wucht ausgebremst. Während strenge Corona-Maßnahmen bei der nun startenden "Session" (noch) eine geringe Rolle spielen, stellen Inflation, Energiekrise und Ukraine-Krieg die Narren und Jecken vor neue Herausforderungen. Die wichtigsten Fragen:

    Fastnacht-Auftakt: Was passiert am 11. November?

    Die Saison wird vielerorts fast wieder wie vor Corona mit den üblichen Bräuchen eingeläutet. In Mainz fallen die Maßnahmen des Vorjahres, also Begrenzungen der Personenzahl, Umzäunungen und 2G-Regel weg, berichtet die Mainzer Allgemeine Zeitung:

    Klar ist, dass wir auf jeden Fall den 11.11. in gewohnter Manier auf dem Schillerplatz feiern wollen.

    Urban, Präsident Mainzer-Carneval-Verein

    Auch Düsseldorf und Köln wollen vorerst ohne Pandemie-Auflagen auskommen. In Köln startet dennoch keine normale Saison: Denn der Kölner Karneval wird 200 Jahre alt. Auf dem Heumarkt in Köln dürfte der Auftakt dieser Karnevalszeit also besonders gewürdigt werden.
    Die Mottos der Karnevalshochburgen:




    Welche Auswirkungen hat Corona?

    Strenge Corona-Einschränkungen gibt es vielerorts zumindest zum Start der Karnevalssaison kaum. Den 11. November begehen die Karnevalshochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz größtenteils wie gewohnt.
    Doch nicht alle sind so entspannt: Ein Kölner Barbesitzer sieht eine hohe Ansteckungsgefahr, berichtet das Online-Nachrichtenportal 24RHEIN. In seinen Kneipen könne man nur mit einem maximal sechs Stunden alten Corona-Test mitfeiern.

    Unsere Erfahrung ist es, dass sich letztes Jahr unglaublich viele Leute infiziert haben.

    Daniel Rabe, Barbesitzer in Köln

    Auch abseits der Hochburgen, stellen sich Vereine auf eine maßnahmenarme "Session" ein. Der Präsident des Fastnacht-Verbands Franken, Marco Anderlik sagt: "Die Vereine sind sehr positiv gestimmt". Ob die gesamte Karnevalssaison mit ihrem Höhepunkt im Februar aber wirklich ganz ohne Einschränkungen auskommt, lässt sich noch nicht sagen.
    Wegen Corona wurde der Karneval dieses Jahr in Rio de Janeiro um zwei Monate verschoben:
    Nach zwei Jahren Zwangspause wegen der Corona-Pandemie wurde in Rio de Janeiro wieder der berühmte Karneval gefeiert.23.04.2022 | 0:16 min

    Welche Auswirkungen hat die Inflation?

    "Helau" und "Alaaf" auf Sparflamme: Steigen die Lebenshaltungskosten, haben viele Menschen weniger Geld für Freizeitaktivitäten: Das zeigt sich zum Beispiel in Köln. Hier hat eine Umfrage des Kölner Festkomitees ergeben, dass rund 80 Prozent der Mitgliedsvereine teils drastische Einbrüche beim Vorverkauf für Sitzungen und Partys erleben.

    Die Menschen wissen nicht, welche Kosten wegen der Inflation und Energiekrise tatsächlich auf sie zukommen.

    Michael Gerhold, Karnevalsgesellschaft Nippeser Bürgerwehr

    Welche Auswirkungen haben Ukraine-Krieg und Energiekrise?

    Auch der Ukraine-Krieg und vor allem die hohen Energiekosten werfen ihre Schatten. Für den Präsidenten vom Bund Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess, ist klar, dass es "keine unbeschwerte Session" werde. Wegen der Energiekrise stünden Vereine vor ganz neuen Herausforderungen.

    Die sogenannte "Session" beginnt immer am 11. November, um 11:11 Uhr. Zumindest gilt das für die meisten Regionen, denn in manchen Gegenden - vor allem in Süddeutschland - gilt als Start der Dreikönigstag am 6. Januar. Seinen Abschluss findet die Karnevalssaison am Aschermittwoch, der dieses Jahr auf den 22. Februar fällt. Er läutet, so zumindest der Ursprung des Brauchs, die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern ein.

    Während der Corona-Pandemie seien etwa Sponsoren abgesprungen. Zudem würden gestiegene Energiepreise Vereine etwa über die Hallenmieten zusätzlich belasten. Einige Hallen stünden zudem gar nicht zur Verfügung, da sie für Geflüchtete oder als Wärmestube bereitgehalten würden.

    Karneval feiern - jetzt erst recht?

    Trotz oder gerade wegen der Herausforderungen sei Feiern wichtig, meint Fess. Der Karneval stehe seit Jahrhunderten dafür, Menschen für eine überschaubare Zeit, "aus dem Alltag herauszureißen und ein paar unbeschwerte Stunden zu bereiten."

    Es ist moralisch vertretbar, auch in dieser schwierigen Zeit zu feiern.

    Klaus-Ludwig Fess, Präsidenten des Bund Deutscher Karneval

    Kabarettist Bernd Stelter ruft dazu auf, trotz Energiekrise und Inflation Karneval zu feiern: "Es ist wichtig, auch und gerade in diesen Zeiten zu lachen und Spaß zu haben." Würden jetzt wieder Einnahmen wegbrechen und Veranstaltungen abgesagt werden, sei zu befürchten, dass einige Vereine das nicht überlebten.

    Deshalb sollte man sagen, ich gehe da jetzt hin und verzichte auf etwas anderes.

    Bernd Stelter, Kabarettist

    Mit Material von dpa

    Karneval in der Corona-Pandemie