Nach der WM: Was wird aus den Stadien in Katar?

    Nach der WM:Was wird aus den Stadien in Katar?

    von Ralf Lorenzen
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    Sechs der acht WM-Stadien wurden in Katar neu gebaut, eines komplett umgebaut. Für die weitere Nutzung gibt es zwar Pläne, deren Umsetzung wirft aber weiter Zweifel auf.

    Aussenansicht des Khalifa International Stadion in Al Rayyan bei Doha.
    Aussenansicht des Khalifa International Stadion in Al Rayyan bei Doha.
    Quelle: dpa

    Die Fußball-WM in Katar ist Geschichte. Genauso wirkungsvoll wie die Superstars um Lionel Messi inszenierten die TV-Bilder die acht Stadien mit ihrer mächtigen Bildsprache. Von der Düne über das Segelschiff bis zum Beduinenzelt: die äußeren Hüllen suggerierten vielfach Nachhaltig- und Natürlichkeit.

    Wie viele Stadien werden zu weißen Elefanten?

    Immer noch unklar ist, wieviel Gastarbeiter beim Bau der Spielstätten gestorben sind. Ungewiss ist auch, welche Stadien künftig die Gestalt eines weißen Elefanten annehmen werden. Dieser Begriff steht für teure Bauwerke mit geringem Nutzen, wie sie unter anderem die Weltmeisterschaften in Südafrika, Brasilien und Russland hinterlassen haben. Was tun mit acht Stadien und einer Gesamtkapazität von 380.000 Zuschauern in einem Land mit 3 Millionen Einwohnern und wenig entwickelter Fußballkultur?
    Für die angeblich nachhaltigste WM aller Zeiten haben die FIFA und die Gastgeber einen Vermächtnis-Plan aufgestellt, der die Nachnutzungen der einzelnen Stadien aufweist. Der beruht im Wesentlichen auf Absichtserklärungen, deren Umsetzung noch nicht beurteilt werden kann.

    Noch keine Abnehmer für die Container bekannt

    Das betrifft vor allem das Stadion 974, das aus eben dieser Zahlvon bunten Schiffscontainern beim Hafen von Doha errichtet wurde. Laut Plan soll das 40.000 Zuschauer fassende und 700 Millionen Euro teure Stadion vollständig abgerissen werden. 
    Alle Bestandteile sollen ebenso wie die demontierten Sitzplätze der verkleinerten Stadien an Entwicklungsländer gespendet werden. FIFA-Präsident Gianni Infantino pries dies als "Teil des Vermächtnisses dieser Weltmeisterschaft, der Nachhaltigkeit der Weltmeisterschaft, des Nachdenkens über die Umwelt". Bislang ist allerdings noch kein Abnehmer der Spenden bekannt.
    Auch aus dem Final-Stadion in der Trabantenstadt Lusail, das vom Star-Architekt Norman Foster entworfen wurde, wird der Fußball verschwinden. Die gut 88.000 Plätze werden abgebaut, dafür sollen Schulen, Geschäfte, Cafés, Sporteinrichtungen und Gesundheitskliniken einziehen. Im Vermächtnis-Plan heißt es dazu nur:

    Unterschiedliche Möglichkeiten außerhalb des Fußballs werden geprüft.

    Nachrichten | Politik
    :Das ist das Final-Stadion der Katar-WM

    Das größte Stadion der WM steht für die Ambitionen von Gastgeber Katar - und das, was die WM so umstritten macht. Blicken Sie hinter die goldene Fassade.
    Ein 3D-Modell des Lusail-Stadions in Katar - Final-Stadion bei der umstrittenen Fußball-Weltmeisterschaft im Emirat.

    Shopping statt Fußball

    Im Al-Bayt-Stadion, wo unter anderem das Eröffnungsspiel stattfand, wird dagegen nur der Oberrang umfunktioniert. Dort soll ein Shoppingcenter mit angeschlossenem 5-Sterne-Hotel einziehen, für das knapp die Hälfte der 60.000 Sitzplätze abgebaut werden.
    Für die restlichen fünf Stadien weist der Plan eine fußballerische Nachnutzung aus, bei vier von ihnen mit halbierter Kapazität von jeweils 20.000 Zuschauern. Dabei werden nur für das Al Janoub Stadion sowie Ahmad Bin Ali Stadion konkrete Erstliga-Klubs genannt. Beim Al-Thumama Stadion heißt es lediglich: "Zuhause von zwei lokalen Fußballclubs". 

    Vermisst: Wo ist die Frauennationalmannschaft?

    Neben den WM-Stadien gibt es bereits acht weitere Stadien mit bis zu 20.000 Zuschauern für die zwölf Klubs der Qatar Stars Liga. "Sehr wahrscheinlich ist Katar das Land mit der höchsten Stadiondichte der Welt", schreibt die "Süddeutsche Zeitung".
    Gänzlich nebulös wird es, wenn die Planung im Education City Stadion neben dem Universitätssport auch die künftige Heimat der Frauennationalmannschaft des Katar vorsieht. Nach einem kurzen Aufbruch ab 2010 ist diese Mannschaft seit 2014 nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten.

    Fernziel Olympia

    Am klarsten ist die Planung beim Khalifa International Stadion, das als einziges nicht neu gebaut wurde. Dort wo das DFB-Team gegen Japan verlor, wird wie seit 1976 die Nationalmannschaft von Katar seine Länderspiele austragen.
    So vage die Nutzungspläne für andere Stadien noch sind, so deutlich ist die offensive Sportstrategie Katars. Neben zahlreichen Einzelevents finden hier 2023 der Asien-Cup im Fußball und 2030 die Asienspiele statt. Das Fernziel lautet: Olympische Sommerspiele 2036.
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