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Katholische Kirche - Das Desaster von Köln

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Schonungslos legt ein Gutachten Fehlverhalten der Kardinäle Höffner und Meisner offen. Erstmals werden amtierenden Bischöfen Pflichtverletzungen attestiert. Woelki macht ernst.

Ein Gutachten zum Umgang des Erzbistums Köln mit sexuellem Missbrauch liegt vor einer Pressekonferenz auf einem Rednerpult.
Das neue Gutachten zu Missbrauch im Bistum Köln nennt Namen und Ursachen, eine umfassende Aufarbeitung ist es nicht.
Quelle: dpa

Auf über 800 Seiten fasst das Gutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke Pflichtverletzungen von Bistumsverantwortlichen zusammen. Es benennt systemische Ursachen im Umgang mit Fällen sexueller Gewalt gegen Minderjährige wie schlechte Aktenführung, Überforderung der Handelnden und deren mangelndes Fachwissen sowie fehlende Kontrolle und immer wieder eine Haltung, die dem Schutz der Institution Vorrang gibt vor den Belangen der Opfer.

Schwere Vorwürfe gegen Erzbischof Meisner

Vor allem dem langjährigen Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, von 1989 bis 2014 im Amt, wirft Gercke 24 Pflichtverletzungen vor. Brisant sind die Vorgänge, die noch lebende Personen betreffen. Dem heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße werden elf Pflichtverletzungen in seiner Amtszeit als Personalchef und Generalvikar des Erzbistums Köln vorgeworfen, Weihbischof Dominikus Schwaderlapp soll in seiner Zeit als Generalvikar acht Pflichtverletzungen begangen haben.

Jahrzehntelang wurde sexuelle Gewalt im Erzbistum Köln offenbar bagatellisiert – auf Kosten der Opfer. In dem heute vorgestellten Bericht sprechen die Gutachter von "systembedingter Vertuschung". Erzbischof Woelki hat bereits Konsequenzen gezogen.

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Der amtierende Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki, suspendierte Schwaderlapp unmittelbar nach Veröffentlichung des Gutachtens bis zur Klärung der Vorwürfe. Der Weihbischof bot Papst Franziskus seinen Rücktritt an. Woelki entband auch den obersten Kirchenrichter des Erzbistums, Offizial Günter Assenmacher, bis auf Weiteres von seinen Aufgaben.

Der Kardinal hatte stets betont, sofort Konsequenzen aus dem Gutachten ziehen zu wollen. Am Dienstag will er weitere Schritte bekanntgeben. Woelki selbst bescheinigen die Juristen fehlerfreies Verhalten. Dabei gibt es von Kirchenrechtlern nach wie vor Zweifel, ob er sich an die kirchlichen Vorgaben gehalten habe, als er einen Verdachtsfall 2015 nicht nach Rom meldete.

Das Gutachten zum Umgang mit Missbrauch im Erzbistum Köln hat zahlreiche Pflichtverletzungen von Amtsträgern festgestellt – es entlastet aber Kardinal Woelki.

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Strukturelle Reformen notwendig

Das vorliegende Gutachten geht vor allem der Frage nach, inwieweit weltliche und kirchliche Richtlinien eingehalten wurden. Es ist keine umfassende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im Erzbistum Köln. Das kritisieren Betroffene. Hier sind weitere Anstrengungen notwendig. Am Montag hatte Kardinal Woelki eine Vereinbarung unterzeichnet, die die Deutsche Bischofskonferenz und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, ausgearbeitet hatten. Sie soll eine unabhängige und transparente Aufarbeitung gewährleisten. Es werden also auch in Köln weitere Untersuchungen folgen.

In dem vorgestelten Missbrauchsgutachten werden erstmals hochrangige Kirchenvertreter genannt. Allerdings müsse nun, so Kirchenexperte Jürgen Ehrbacher, der Frage nachgegangen werden, wie mit der Machtkontrolle der Kirchen künftig umgegangen werden soll.

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Nach der Veröffentlichung des Gutachtens sind nun Kardinal Woelki und der Vatikan gefordert. Der Kölner Erzbischof muss sich um die Verfehlungen seiner Mitarbeitenden in der Bistumsverwaltung kümmern, strukturelle Reformen angehen sowie für ausreichend Personal und Know How in der Verwaltung und der Missbrauchsaufarbeitung sorgen. Wenn es um das Schicksal der beiden Bischöfe Heße und Schwaderlapp geht, muss der Vatikan handeln. Kirchenrechtlich ist Vertuschung eine Pflichtwidrigkeit, die disziplinarisch geahndet werden kann, keine Straftat.

"Systembedingte Vertuschung"

Für das Erzbistum Köln ist die Veröffentlichung des Gutachtens ein doppeltes Desaster. Zum einen zeigt es die massiven Verfehlungen im Umgang mit Missbrauchsfällen. Der Strafrechtler Gercke spricht von "systembedingter oder systeminhärenter Vertuschung". Zum anderen führte die Debatte darüber, dass Kardinal Woelki ein erstes Gutachten im März 2020 wegen angeblich methodischer Mängel nicht veröffentlichte, zu einem weiteren massiven Vertrauensverlust in die katholische Kirche und deren Willen zur Aufarbeitung.

Allein der Blick auf die rechtlichen Verfehlungen reicht nicht aus, um den Betroffenen gerecht zu werden und für die Zukunft Missbrauch zu verhindern. Es müssen die systemischen Ursachen erkundet und verändert werden. Zudem geht es um die Frage der moralischen Verantwortung - und zwar nicht erst, wenn Gutachten den Überführten keine Wahl mehr lassen.

Missbrauchsbetroffener zu Gutachten - „Woelki hat Wort gehalten“ 

Dass Kardinal Woelki Konsequenzen aus dem Gutachten zieht, überrascht Patrick Bauer. Erbärmlich findet er den Hinweis, dass die Verantwortlichen „überfordert“ gewesen seien.

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