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Missbrauchsfälle in Bayern - Marx: "Das System Kirche hat versagt"

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Mehr als 20 Jahre lang war der verurteilte Missbrauchstäter Pfarrer H. in Garching (Alz) tätig – ohne dass die Gemeinde informiert war. Kardinal Marx entschuldigte sich nun dafür.

Kirchengemeinde Garching - Kardinal Marx
In Garching wurde ein verurteilter Pfarrer eingesetzt - und beging wieder sexuellen Missbrauch. Dafür entschuldigte sich Kardinal Marx nun bei der Gemeinde.
Quelle: dpa

Es ist ein Eingeständnis auf das viele im bayrischen Garching an der Alz seit Jahren gewartet haben: In einer Andacht in der Herz Jesu Kirche hat sich Kardinal Reinhard Marx für die Versäumnisse der katholischen Kirche in einem der größten Missbrauchsfälle entschuldigt.

"Das System Kirche hat versagt", so Marx. Der wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Pfarrer H. wurde in der Gemeinde eingesetzt ohne die Gläubigen darüber zu informieren. Das sei eine "Katastrophe" gewesen.

Pfarrer forderte Entschuldigung von Marx

Dass es überhaupt zu der Entschuldigung des Kardinals in der Gemeinde kam, war eine Folge der Recherche von Correctiv und der ZDF-Sendung Frontal. Bei der Recherche in alten Pfarrbriefen, für die Pfarrer H. verantwortlich war, entdeckten Frontal und Correctiv mehrere Fotos von leicht bekleideten oder nackten Jungen auf – zum Beispiel beim Spielen am Strand.

Nachdem das Reporterteam dem neuen Garchinger Pfarrer Hans  Speckbacher die Fotos gezeigt hatten, hinterließ der eine  handschriftliche Notiz: „Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich Kardinal Marx einen Brief geschrieben habe, ob er nicht nach Garching kommen möchte, um in einem schlichten Gottesdienst die (versäumten) Dinge  anzusprechen und sich zu entschuldigen für die Versäumnisse der Diözese.“

Die Kirche und der Missbrauch

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Weihbischof warnte Gemeinde in Garching nicht

Es geht um die zentrale Fragen: Wer trägt die Verantwortung? Und wer wusste wann was? Im Fall des Garchinger Pfarrers H. ist besonders die Verbindung zum damaligen Weihbischof Heinrich von Soden-Fraunhofen interessant, der gemeinsam mit H. die Gemeinde betreute. Er wusste wie kein anderer um die Gefährlichkeit von Pfarrer H., warnte die Gemeinde aber nicht.

Von-Soden-Fraunhofen ist ein Studienfreund des emerittierten Papstes Joseph Ratzinger, bekam von ihm im Jahr 2000 Besuch. Im Zuge des Besuchs soll Ratzinger H. getroffen haben. Das zumindest behauptet H. in der Gemeinde. Diese Aussage ist in Kirchenakten vermerkt, die der Glaubenskongregation vorliegen. Erst kurz nach der Veröffentlichung der Recherche ließ Ratzinger das Treffen mit H. dementieren.

Betroffene wollen Antworten von Kardinal Marx

Nach Garching an der Alz ist Markus Elstner extra aus Bottrop angereist. Er wurde als Kind von Pfarrer H. sexuell missbraucht und er hat viele Fragen im Gepäck. Ihn quält vor allem eine: Warum haben die Verantwortlichen Pfarrer H. immer weiter versetzt und den Missbrauchstäter nicht gestoppt.

Diese Frage stellt er dem Kardinal nach der Andacht. Nach einem kurzen Gespräch bot der Kardinal an, dass Elstner sich mit seinen Fragen bei ihm melden könne. 

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von Jürgen Erbacher

Gutachten betrifft auch Kardinal Marx

Die Antwort auf die Frage nach der Verantwortung soll das für dieses Jahr erwartete Gutachten zu sexuellem Missbrauch geben, das auch Kardinal Marx betrifft. Er hatte als Erzbischof von München und Freising 2008 Pfarrer H. nach Bad Tölz versetzt und ihn nicht suspendieren lassen. "Ich habe keinen konkreten Punkt, wo ich sage, da habe ich jetzt was vertuscht", sagte Marx. Aber: "Ich kann doch von mir nicht behaupten, ich hätte immer alles ganz genau gewusst".

Manchmal habe er womöglich nicht so genau hingeschaut, so der Kardinal. "Das empfinde ich als Schuld." In dem Gutachten sollen auch Verantwortliche benannt werden, betonte der Erzbischof. Auch müsse die Kirche aus Fällen wie diesem lernen auch mit Blick auf den Reformprozess "Synodaler Weg".

Wenn der Schock nicht zu einer Reform führt, dann weiß ich nicht, wie groß der Schock sein muss.
Kardinal Marx

Die Initiative Sauerteig begrüßte die Gespräche mit Kardinal Marx. "Nur aus solchen Gesprächen kann eine gute Zukunft erwachsen", so Rosi Mittermeier. Sie seien ein "Startschuss" um weitere Aufklärung voranzutreiben.

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